Wie Michael Howell Liquiditätszyklen misst
1. Breiter Liquiditätsbegriff („Total Liquidity“)
Howell betrachtet Liquidität als die Fähigkeit des Finanzsystems, Kredit zu erzeugen – nicht nur als Zentralbankgeld.
Er integriert drei Ebenen:
- Zentralbank-Liquidität
– Bilanzsummen, Reserven, QE/QT, Repo-Operationen - Bankenliquidität
– Kreditvergabe, Einlagen, Bilanzerweiterung der Banken - Nichtbank-/Schattenbank-Liquidität
– Geldmarktfonds
– Broker/Dealer
– Hedgefonds
– Repo-Märkte
– Globale Kapitalflüsse
Er sagt oft: „Es geht um den gesamten Kreditapparat, nicht nur die Zentralbank.“
2. Global Liquidity Index (GLI)
Sein bekanntestes Instrument ist der GLI, ein zusammengesetzter Index aus über 80 Indikatoren.
Er umfasst u. a.:
- Geld- und Kreditwachstum
- Bankbilanzen
- Wertpapierfinanzierung / Repos
- Kapitalflüsse über Grenzen
- Risikobereitschaft von Finanzintermediären
- Veränderung von Zentralbankreserven
- Veränderungen in Staats- und Unternehmensanleihemärkten
Der GLI zeigt Wendepunkte des globalen Kreditimpulses meist 6–12 Monate vor Bewegungen in Risikoanlagen.
3. Netto-Liquidität („Net Liquidity“)
Er berechnet häufig eine operative Kennzahl:
Net Liquidity = Zentralbankbilanz − Reverse Repos − Treasury General Account (TGA)
→ Diese misst, wie viel tatsächliche Liquidität im US-Finanzsystem zirkuliert.
4. Kapitalströme und Währungsbewegungen
Howell betont besonders:
- globale USD-Liquidität
- Leistungsbilanz- und Kapitalbilanzdaten
- den Einfluss internationaler Investoren
- offizielle Zuflüsse (z. B. Käufe von Staatsanleihen durch Ausland)
Er sieht Liquidität als globales Netzwerk, nicht als nationale Größe.
5. Marktbasierte Indikatoren
Zur Beurteilung kurzfristiger Engpässe nutzt er u. a.:
- Repo-Sätze
- FRA-OIS-Spread
- Cross-Currency-Basis
- Volatilitätsindizes
- Funding-Spreads großer Banken
Kurz zusammengefasst
Michael Howell misst Liquiditätszyklen, indem er:
- Zentralbank-, Banken- und Schattenbankliquidität kombiniert
- Einen komplexen Global Liquidity Index (GLI) nutzt
- Die effektive Netto-Liquidität im System berechnet
- Internationale Kapitalströme berücksichtigt
- Finanzmarktbasierte Funding-Signale analysiert
→ Daraus entstehen Liquiditätszyklen, die für ihn der Haupttreiber von Assetpreisen sind.