Ich behaupte ja auch nicht, dass es Branchen gäbe, in denen staatliche Maßnahmen keine Rolle spielen, sondern nur, dass es zwischen den Branchen Unterschiede gibt, was die Intensität dieses Einflusses angeht. Zu den einzelnen Fällen:
- Hyrican: Rundfunkgebühr? Die wird eigentlich nicht bei Herstellern fällig - meinst Du eine Urheberrechtsabgabe? Beides würde jedenfalls bei Importgeräten in gleicher Weise erhoben, so dass deutsche Hersteller da keinen Nachteil gegenüber ausländischen haben. Im Gegensatz zum Genöle der Hersteller habe ich bei beidem auch nicht den Eindruck, dass sich irgendein potenzieller Kunde darum schert.
- Autohersteller habe ich jetzt nicht zu den Maschinenbauern gezählt. Bei Autoherstellern würde ich die "Staatsnähe" irgendwo in der Mitte zwischen Versorgern und Maschinenbauern ansetzen.
- mmi schireb über Pharmagroßhändler, nicht über die Pharmaindustrie.
- Bei der für Singvögel schädlichen Chemikalie würde ich nicht von einem politischen Eingriff sprechen, solange nicht der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass eigens ein Gesetz gegen diese Chemikalie beschlossen wird. Es gehört seit Jahrzehnten selbstverständlich zur Rechtsordnung in ganz Europa (und darüber hinaus), dass man mit Chemikalien, die Natur und Umwelt beeinträchtigen können, eben so umzugehen hat, dass sich die Schäden in Grenzen halten. Es gibt immer mal wieder Gesetzgebung, die diese Grenzen enger zieht, aber die kommt normalerweise langsam, mit umfangreichen Anhörungen unter anderem von Industrievertretern und mit Übergangsfristen. Man weiß allgemein, dass da immer wieder mal was kommt und gewöhnlich lange vorher, was da so ungefähr kommt. Das ist nicht wirklich ein politisches Risiko, sondern einfach ein Faktor, den man in die Analyse eines Unternehmens einbeziehen kann.
Noch eine allgemeine Bemerkung: Ich halte es für wichtig, zwischen dem Grad der Regulierung oder Maß der staatlichen Überwachung einer Branche und dem politischen Risiko zu unterscheiden. Politisches Risiko besteht nicht darin, dass es strenge Regeln oder strikte Überwachung gibt - das politische Risiko liegt darin, dass sich an Umfang und/oder Art der staatlichen Aktivität etwas ändert - vielleicht sehr schnell und ohne Vorwarnung. Ein Risiko liegt auch nicht nur in möglichen zusätzlichen Regeln, sondern ebenso in einer möglichen Deregulierung - ziemlich blöd für ein Unternehmen, das viel Geld investiert hat, um die nun abgeschafften Regeln einzuhalten. Wobei der durchschnittliche Investmentbanker wohl subjektiv Deregulierung als angenehmer wahrnimmt, so dass die Reaktion an der Börse in diesem Fall wahrscheinlich milder ausfällt.