Es gibt nichts Neues, höchstens Vergessenes...
Es gibt für alle Verhaltensweisen hinreichend gute Erklärungen, die bereits von den antiken Philosophen und Propheten, Religionsgründern aller Zeiten und aller Orts getätigt wurden. Freud und Schüler haben ganz Vieles in einen psychodynamischen Zusammenhang gebracht, der meiner Ansicht nach zeitlos gültig ist. Den Scharfsinn vieler vermeintlich alter und damit nicht mehr zeitgemäßer Denker/Psychologen würd ich mir dringend herbeiwünschen, aber Politiker zu unterrichten über ein gerechte/reflektierte Staatsführung, da ist schon Platon kolossal gescheitert und Sokrates hat die "Weisheit" der Staatsmänner derart entlarvt, dass er zum Tod verurteilt wurde.
Watzlawick hat uns nicht müde werdend immer wieder vor Augen geführt, dass die gefährlichste aller Wahnvorstellungen jene ist, zu meinen, die eigene Realität sei die einzig richtige. Er war radikaler Konstruktivist, der immer von 3 Wirklichkeiten gesprochen hat: meine W., deine W. und die Wirklichkeit. Zw. den Zeilen: die Wahrheit hat niemand und damit sich in Toleranz üben oder nach Sokrates letztlich: "Ich weiß, dass ich nichts weiß"; Sokrates quasi als Antithese zu Baerbock, die offensichtlich alles und das auch sicher weiß. Buchempfehlung: Die "Apologie des Sokrates" von Platon, ein kleines Büchlein von unsagbarer Aktualität und hinweisend auf den Pessimismus von Schopenhauer, dass es mit der Welt letztlich nicht bergaufgeht, sondern ein ewiges Jammertal sich vor uns aufbreitet.
Milgram hat uns gezeigt, wie weit Menschen gehen, wenn sie ihre Verantwortung einer höheren Macht (Arzt, Experte, Hegemon) übertragen können, auch wenn ihr Verhalten unter erheblichem psychischem Druck getätigt wird. Je weiter man geht desto schwieriger ist es zuzugeben, dass man geirrt hat, weil man damit sich selbst immer stärker ins Unrecht setzen würde. Wie soll ein (Politiker-)Ego das aushalten? Nicht Recht zu haben ist, wie ein kleiner Tod, eine gefühlt ernsthafte Bedrohung fürs Ego.
Folge: weitermachen und seinen Fokus so eng einstellen, dass man weiterhin an seinen Wahnideen festhalten kann ("wir kämpfen auch für unsere Freiheit, die Werte der freien Welt werden in der Ukraine verteidigt", "Putins Krieg", "Annexion statt Sezession", "Waffenlieferungen sind ein Akt der Nächstenliebe",... ), all das haben wir schon zu Corona-Zeiten gesehen, ein Fokus der sehr scharf und eng auf einen Ausschnitt gelenkt wurde und dann wurde gemaßregelt im Sinne der guten Sache. Baerbock und Co sind potentiell auch von dem Format, dass sie den Himmel versprechen und die Hölle schaffen, weil sie leidlich scharfsinnig sind und überdies, was ich mir für zukünftige Staatslenker, die den Schaden verwalten werden müssen, wünsche, über keinerlei Tiefsinn verfügen. Tiefsinn kann man auch mit Weisheit gleichsetzen, welche Platon für die Staatslenker (welche das Gerechte/Gute schaffen sollen) als conditio sine qua non voraussetze und daher die Philosophenherrschaft propagiert hat.
Wie sehr der Wahn (meine Realität ist die einzig richtige!) Politiker dominiert und das Grundübel für den geschichtlichen Verlauf von Völkern darstellt, ist gerade am Bsp. des österreichischen Oberwahnsinnigen, mit dem im deutschsprachigen Raum massenhaft in Resonanz gegangen wurde, so anschaulich dokumentiert. Selbst dem Tode nahe und vor den Trümmern seiner ganzen Politik, wird ein Testament verfasst, das alle Schuld gänzlich den anderen zuweist. Traudl Junge (Sekräterin von AH), hat in ihren Interviews mit Andre Heller diesen bemerkenswerten Umstand hervorgehoben: "kein Eingeständnis von Schuld, Fehlern, Reue,...), kein bisschen. Warum? Siehe Milgram und Watzlawick
Ich stehe auf dem Standpunkt, dass man diese Mittelmäßigkeiten den Politikern nicht notwendigerweise vorwerfen kann, weil sie tatsächlich wohl oft gar nicht wissen was sie tun. Das Traurige ist leider, dass sie eben möglicherweise aus einer nazistischen Überhöhung heraus, den Sinn für die eigene Fehlbarkeit völlig übersehen. Ohne Tiefsinn, der hier wirken müsste, kommt es zu immer weiteren Logiken, welche durch ausreichend Scharfsinn in alle Richtungen lenkbar sind. Zu denken hört man immer dann auf, wenn es dem eigenen Wohlgefühl und der eigenen Weltanschauung zum Triumph verhilft.
Kurz: Es fehlt der Welt an Tiefsinn, nicht am Scharfsinn. Warum ist gerade Deutschland in viel zu kurzen Abständen immer wieder das Zentrum wahnhafter Auswüchse in großem Stil? Weil es das Land des Scharfsinns ist, mit all seinen Errungenschaften, und seinen Tragödien, die damit verbunden sind. Scharfsinn ohne Tiefsinn ist zerstörerisch. Positiv ausgedrückt nach Augustinus: Liebe und tue was tu willst! Oder nach Eckhart Tolle: "Das Bewusstsein und seine Verfassung ist das Wichtigste was es gibt!" "Warum wird nicht in der Schule schon darauf hingewiesen?"