Macht - und seine Auswirkungen

  • Interessantes Fundstück: Macht schädigt das Gehirn.


    (Bezieht sich auf wirtschaftliche nicht weniger als auf politische Macht)

    Power Causes Brain Damage
    https://www.oveo.org/fichiers/…in-responds-to-others.pdf
    http://www.theatlantic.com/mag…uses-brain-damage/528711/

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Spannenden Thema, habe ich mich auch mal ne ganze Zeit mit auseinandergesetzt, im Rahmen der Überlegung ob es eigentlich erstrebenswert ist, "Chef" zu werden, oder nicht.


    Darf ich fragen was bei dir der Grund ist sich mit dem Thema zu beschäftigen?


    Der Zusammenhang ist übrigens seit dem Stanford-Prison-Experiment in den 70er Jahren bekannt.
    Kurzfassung: Versuchsteilnehmer wurden willkürlich in 2 Gruppen geteilt: Wärter mit Macht, Gefangene ohne.
    Das Ganze artete schnell in sadistische Exzesse und Gewalt aus, so dass das Experiment abgebrochen worden musste.


    Bei diesem Extremfall spielten sicher noch andere Aspekt mit rein, aber der oben erwähnte Zusammenhang trat eben auch auf:
    Durch Macht nimmt die Empathie ab.


    Das ist m.E. völlig logisch, denn eine mächtige Person, die viele Entscheidungen trifft die andere beeinträchtigen, kann die kognitive Dissonanz nur schwer ertragen, die sich aus starkerem Einfühlen in die diversen Positionen der Anderen ergeben würde.
    Ein Entscheider/Anführer muss also weniger Empathie aufweisen um seinen Job effizient zu erledigen.


    Je nach Charakterstärke verbleibt eben ein ausreichender Rest-Level an Empathie, oder auch nicht. Das macht dann zB den Unterschied zwischen einem "guten" und einem "tyranischen" Führer/Chef. Wer in einem großen Unternehmen arbeitet, kennt die ganze Bandbreite.


    Für mich persönlich habe ich daraus folgende Schlüsse gezogen:


    1) Da ich persönlich empathische Menschen im privatem Umgang bei weitem bevorzuge, meide ich privat Menschen mit Macht eher.
    2) Im eigenen Umfeld konnte ich beobachten, wie Menschen sich bei Machterlangung verändern. Ich will jetzt nicht sagen, zum schlechten, das wäre unfair. Aber eben doch hin zu weniger Empathie auch im Alltag, zu weniger Geduld gegenüber anderen, zu teils rechthaberischem Wesen etc. Natürlich haben sie auch positive Eigenschaften entwickelt, wie zB mehr Initiative, höhere Effizienz etc. Und es ist erwiese, dass Macht für den machtausübenden einen euphorisierenden Effekt hat. Aber alles in allem sind viele eben einen Tick unsozialer und "abgehoben" geworden.
    3) Letztlich überzeugt mich das Gesamtpaket der "Macht" nicht, v.a. in Verbindung mit dem Aufwand dahin zu kommen und die Macht dann auch zu halten. Auch hätte ich vermutlich zu viel Empathie für einen Führungsjob, und habe keine Absicht, die über Bord zu werfen. Für mich fiel daher die Entscheidung nicht auf klassische Karriere im Sinne von hierarchischer Macht, sondern Expertenrolle, wo man auch soziale Bestätigung bekommt, aber eben über fachliche Expertise und nicht über Macht.
    4) Ich respektiere aber, dass es auch Leute mit "Macht" geben muss in einer Organisation oder der Politik, und habe hohen Respekt vor Menschen wie meinem aktuellen Chef, der mächtig ist UND Charakter hat. Wenn man so will, ist es eine hohe Kunst, Macht richtig auszuüben. Solchen Menschen bin ich bereit zu folgen, so wie im kleineren privaten oder fachlichen Bereich offenbar Menschen bereit sind, mir zu folgen.
    5) Ich habe keinen Respekt vor Mächtigen, die ihre Macht als Geburtsrecht sehen oder Gottgegeben und nicht die Verantwortung, die mit ihr verbunden ist, sehen.
    5) In sozialen Fragen traue ich Gruppen mit "Macht" ebenfalls nicht weit. Der BDI, der Vorstand meiner Firma oder die FDP, mögen tolle und intelligente Leute sein, aber sie sind in sozialen Fragen einfach inkompetent, so wie der "nette Kumpel" oder meine Frau super liebe Menschen sind, aber halt inkompetent in Wirtschafts-/Führungsfragen. Leider maßen sich Menschen mit Macht aber gerne an, überall kompetent zu sein.


    Würde mich interessieren wie andere mit dem Thema umgehen?!


    wp


    ps. Was die Frauen angeht, dein Kommentar ist garnicht verkehrt, jerobeam.
    Zumindest sehr gut aussehende Frauen im richtigen Alter haben fraglos enorme Macht. Hier ist es wie bei den Managern auch: Viele erliegen bequem dieser Macht, nutzen sie skrupellos, vernachlässigen darüber ihre Persönlichkeitsbildung und werden ätzende Bitches. (Und schauen dann ebenso wie der abgeschossene Vorstand drein, wenn ihre Macht eines Tages schwindet)
    Und ein paar wenige andere schaffen es auf dem Boden zu bleiben trotz ihrer Macht. Wenn du so eine Perle an Land ziehen kannst: Congrats! ^^