Beiträge von witchdream

    Vistry wurde im Februar auch von Swen Lorenz empfohlen. Das war, bevor der Kurs von ca. 6,50 GBP auf 3,5 GBP absackte.

    Ich lese gerade das Paper von Swen Lorenz. Seine Idee beruht auf einem Hausbau-Förderprogramm der britischen Regierung, das ab 02/26 ins Laufen kommen sollte. Vistry hat sich voll diesem Programm verschrieben und das Geschäftsmodell auf solche public/private-partnerships (PPP) mit Homes England ausgerichtet. Swen Lorenz sah darin eine Riesen-Chance für Vistry und lobte explizit den CEO Greg Fitzgerald.

    Anfang März 26 muss irgend etwas an diesem Plan gescheitert sein. Am 04.03. gab Vistry bekannt, dass Fitzgerald sowohl als CEO als auch als Chairman zurücktritt. Ich vermute mal, dass die PPP-Geschichte wesentlich harziger anlief als erwartet und der CEO die Nase voll hatte (pure Spekulation meinerseits). Seit Anfang März hat sich der Kurs von Vistry mehr als halbiert. Irgendein Analysehaus proklamiert für Vistry sogar ein Kursziel von 180 p (heute 340 p).

    Der "Fehlbetrag" von 20% des Weltweiten oels ist dadurch schon kleiner. Der Rest wird durch schwindende Oelnachfrage eliminiert, und wurde schon eliminiert durch einen Oelpreis von mehr als 100 USD. Somit kann man als Zuschauer hier erstaunt gucken, aber Boersenrelevant ist das alles nur, wenn der Markt es so moechte.

    Ich weiß nicht, ob ich dich hier richtig verstehe.

    M.E. hätten

    • ein Ölpreisanstieg um 80%,
    • eine Verknappung des verfügbaren Öl-Angebots um 10-20%,
    • der nachfolgende Anstieg der Inflation
    • samt Auswirkungen auf die Zinspolitik der Zentralbanken,
    • die technischen Herausforderungen und Investitionen zum Einsparen oder Substituieren von Öl
    • und die Kaufkraftreduktion der Konsumenten

    massive Auswirkungen auf die Realwirtschaft.

    Ob das dann auch börsenrelevant ist? Meine Basis-Annahme wäre: Ja. Aber nicht weil "der Markt es so möchte", sondern weil der Markt neue Fakten einpreist. Dafür gibt es den Markt.

    Winter : Die sind mit einem aktuellen KGV von 20 und einem KBV von 3,7 (für einen Supermarkt!) eigentlich von Haus aus uninteressant.

    Der Hype stammt vermutlich aus der Phase 2017-2021, als die Aktie ein Tenbagger war. Seitdem hat sich unterm Strich nichts bewegt. Ich würde die Finger davon lassen.

    witchdream: Es beantwortet überhaupt nicht die Frage, die Du Dir eigentlich stellst, nämlich was passiert, wenn Hormus länger geschlossen bleibt.

    Eigentlich wird genau diese Frage ausführlich beantwortet:

    • ein größerer Teil des Öls als bisher angenommen kann über alternative Routen (Pipelines) exportiert werden
    • schon jetzt wird "befreundeten" Tankern die Durchfahrt gestattet - das dürfte eher zu- als abnehmen
    • die LNG-Infrastruktur befindet sich an verschiedenen Orten im Aufbau
    • jahreszeitlich bedingt sinkt der Öl- und Gas-Bedarf eher, d.h. kein extremer Zeitdruck
    • Die Amis haben noch nicht einmal begonnen, ihre Fracking-Aktivitäten wieder hochzufahren.

    Alles in allem ist die Situation - so zumindest die Argumentation im Interview - weniger dramatisch als es in den Medien vermittelt wird.

    Ein sehr spannendes Big-Bicture-Interview von TheMarket (vom 24. März) speziell zum Einfluss des Iran-Kriegs auf die Energieversorgung. Der interviewte Rohstoff-Experte Norbert Rücker präsentiert diverse Fakten, die einen eher moderaten Verlauf der aktuellen Versorgungsengpässe erwarten lassen. Das würde auch erklären, warum die Energie- und Finanz-Märkte wesentlich relaxter reagiert haben als die Medien.

    Wichtige Punkte: In drei bis sechs Monaten werden wir wieder die alten Preise und die alte Überversorgung mit fossilen Rohstoffen sehen. Es wird auch keine dramatische (zusätzliche) Verschiebung zu nicht-fossilen Energieträgern geben. Profitieren könnte allenfalls die E-Mobilität.

    Das sieht für mich insgesamt nach einem guten Zeitpunkt aus, um in naher Zukunft die Cashquote zu reduzieren. Auf einen expliziten Börsencrash zu warten, könnte ein Fehler sein.

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    bäs: Mein Gedanke ist: Wenn man den Preis nur am Mittag erhöhen darf, aber nachmittags, abends und nachts beliebig oft senken darf, dann bekommt man den günstigsten Preis ggfs. nicht kurz vor 12 (vor der Erhöhung), sondern ggfs. nach 12, falls die Preissenkungen nach 12 die eine Erhöhung vor 12 überkompensieren.

    Beispiel: Preis 5 vor 12 Uhr: 1,20 €

    Preiserhöhung Punkt 12 Uhr auf 1,25 €

    Bis 6 Uhr abends Abbröckeln des Preises auf 1,15 €.

    Ist nur eine theoretische Option - in der Praxis wird es vermutlich eher so laufen, wie Du es skizziert hast.

    Wenn ich das richtig verstehe, dürfen die Tankstellen ab Anfang April(?) nur noch einmal am Tag um 12:00 Mittags die Preise erhöhen und dann nur noch bis zum nächsten Mittag senken. Bedeutet das, dass man immer kurz vor 12 auf Tagesebene den günstigsten Preis bekommt?

    Nee, das bedeutet es nicht. Die Tankstellen dürfen zwar nur 1x täglich die Preise erhöhen, aber beliebig oft und zu jeder Tageszeit die Preise senken.

    Bleibt nur noch eine Frage: warum sollten die USA einen Frieden wollen? Das hilft doch nicht wirklich, USA sind Oel-produzierend, ein hoher Oelpreis ist mindestens neutral fuer USA.

    Joe: Eine Antwort auf deine Frage heißt: Inflation wegen hohem Ölpreis. Inflation ist Gift für die Zwischenwahlen (steigende Preise für Mainstreet) und für den Schuldendienst der USA (steigende Zinsen).

    Ich denke, viele von den Rätseln des aktuellen Marktverlaufs irritieren weniger, wenn man sich klarmacht, dass "der Markt" nicht homogen ist, sondern sich aus unzähligen Spielern mit unterschiedlichen Interessen und Erfahrungen zusammensetzt. Die Interessen können sich ändern.

    Wenn 15 Jahre lang die Überbewertung aller Aktien keine Rolle gespielt hat, dann kann sich das im 16. Jahr ändern. Wenn 15 Jahre lang "buy the dip" funktioniert hat, dann kann das im 16. Jahr umkippen in "WTF - wo bleibt die Gegenbewegung?" Wenn sich überschuldete Staaten 15 Jahre lang problemlos refinanzieren konnten, dann kann es sein, dass im 16. Jahr die Gläubiger sagen: "Nee danke, lieber Staat, ich behalte erst mal lieber mein Cash und kaufe keine neue Staatsanleihe."

    Wir wissen natürlich nicht, wie es weitergeht, aber es gäbe genügend nachvollziehbare Auslöser für einen Crash.

    Ein dümmlicher Artikel bei Politico:

    Zitat

    If Donald Trump had wanted Europeans to buy more oil and gas, perhaps he shouldn’t have bombed Iran.

    [...]

    For the U.S., that means one of its best customers is losing interest. The continent is the main recipient of American liquefied natural gas, and Trump has sought to ensure that Europeans buy even more of its fossil fuel exports.

    Yet inadvertently, his attack on Iran has stoked calls for Europe to go in the opposite direction.

    Es ist ja nicht so, dass sich die EU nicht bereits mitten in der Energie-Transformation wähnt. Das Dumme ist nur: Gerade die EU ist nach wie vor hochgradig abhängig von Importen fossiler Energie.

    Vor diesem Hintergrund war es extrem dämlich, Trump mit dem Holzhammer klar zu machen, dass die EU nicht daran denkt, die Handelswege für Öl und Gas offen zu halten. Das hätte man zumindest diplomatisch verpacken können. Die Retourkutsche von Trump wird spätestens dann kommen, wenn es wieder mal um Hilfe für die Ukraine geht.

    NB: Vielleicht sollte DE doch mal darüber nachdenken, seinen 30-Jahres-Vorrat an Erdgas unter Niedersachsen per Fracking zu nutzen.

    Zum Thema "Strategische Ölreserve der USA": Die ist eher auf historisch niedrigem Niveau und wird nicht lange halten:


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    Ich habe mal ganz pragmatisch geschaut, welche meiner Aktien sich in den letzten 2 Wochen (seit Kriegsbeginn) relativ gut bzw. schlecht gehalten haben. Es geht zufällig um genau 100 Aktien, die ich seit 2019 gekauft habe - die meisten davon wurden bei meinen Depot-Putzen wieder verkauft.

    Die Gewinner sind eindeutig: Alle Öl- und Gas-Firmen, von CNOOC (+22%) bis Gazprom (+1,5%). Nur Gulf Keystone ist leicht in den Miesen, aber immer noch besser als der CDAX (-7,25%). Mein Abverkauf der Öler nach Venezuela (und der Analyse von Paul Krugmann) war hier echt Scheixxe.

    Auch Rüstung ist im Plus (vertreten durch BAE Systems mit +11%).

    Und alle Russen sind im Plus oder wenigstens besser als der CDAX.

    Tech ist gemischt: Spitzenreiter Himax (+40%) und Suss Microtec (+9%) passen nicht zu Losern wie SK Hynix (-13%). Bei den Losern sind überhaupt sehr viele Aktien, die vorher gut gelaufen sind - das deutet auf simple Gewinn-Mitnahmen: Schaeffler -31%, Cosmo Pharma -23%, RBI -12%, usw.

    Finanzen und Konsumgüter halten sich ganz gut, sind aber keine Bringer.

    Bei vielen Losern besteht Energieabhängigkeit: Central Asia Metals -27%, West China Cement -22%, die Fluggesellschaften Lufthansa und ICA, Touristik sowieso (TUI) und auch viele Baufirmen (Hejmans, Crest Nicholson, Taylor Whimpy, Strabag) und Autohersteller (Stellantis, Traton).

    Kurz gesagt: Dreh- und Angelpunkt bei dieser Krise dürfte die Energie sein, wenig überraschend.

    Ob die Öl- und Gas-Aktien und die Rüstungsaktien noch weiter laufen, hängt sicher vom weiteren Verlauf des Kriegs ab. Recht viel mehr kann ich aus meinen (ehemaligen) Depotpositionen nicht ablesen.