Beiträge von witchdream

    Spielen wichtige Marktteilnehmer jetzt ein Deflationsszenario?

    Bin gerade am Wochenend-Schmökern und über deine Frage gestolpert. Was mir dazu spontan einfällt: Als die Zinsen sanken, hieß es, dass das gut für Gold ist, weil Gold keine Zinsen abwirft - so dass bei sinkenden Zinsen der Rendite-Vorteil von Anleihen gegenüber Gold abnimmt.


    Jetzt haben wir tendenziell steigende Zinsen. Also steigende Attraktivität von Anleihen gegenüber Gold - falls dieses Erklärungsmuster stimmt.

    Ich bin weiter der Ansicht dass einige hier die Tatsachen versuchen zu ignorieren:

    Nämlich dass Deutschland seit mehreren Jahrzehnten bereits ein Einwanderungsland IST und das auch bleiben wird.


    Da hast du mich - glaub ich - missverstanden. Mein Punkt oben war, dass laut UN die Bevölkerungsexplosion bereits gestoppt ist. (Die Zahl der Kinder im Jahr 2100 weltweit wird nicht höher sein als heute.)


    Vielleicht sollten wir uns von dem kolonialistischen Gedanken lösen, dass wir unsere Zukunftsprobleme dadurch lösen können, dass wir ein paar Afrikaner einreisen lassen, die uns dann die Drecksarbeit erledigen (wie z.B. die Pflege unserer Eltern - sorry für diesen Seitenhieb).


    So gesehen sollten wir äußerst scharf sein auf Einwanderung, was die Arbeitgeberverbände ja auch sind. Aber halt auf Einwanderer, die hier für den Arbeitsmarkt nützlich sind. So, wie das die USA, Kanada, Australien und Japan bereits seit Jahren praktizieren.


    Parallel dazu haben wir die humanitäre Verpflichtung, gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention und dem deutschen Asylrecht Schutzbedürftige zu beherbergen und ihnen zu helfen - keine Frage.


    Was m.E. gerade aus dem Ruder läuft, ist eine übermäßige Anzahl an Einwanderern, die weder das eine noch das andere Kriterium erfüllen.

    Löst aber nicht die Frage wer bei sinkendem Nachwuchs die Dienstleistungen und körperlichen Arbeiten erbringt.


    Das ist ein einfaches Problem: In der Tat dann doch die Maschinen / Automation / Künstliche Intelligenz. Der entscheidende Punkt für die Rentenfinanzierung ist dann aber die Besteuerung dieser maschinellen Leistung, also eine Maschinensteuer.


    Früher wurde der Ersatz von menschlicher Leistung durch Maschinen als Bedrohung für die Arbeiter angesehen https://de.wikipedia.org/wiki/Maschinenstürmer. Diese Bedrohung wird sich in den nächsten 80 Jahren erledigt haben, da die Zahl der Kinder im Jahr 2100 weltweit nicht höher sein wird als heute (UN-Daten, präsentiert von Hans Rosling, Schweden). Das Problem wird also in Zukunft nicht mehr darin bestehen, Arbeit für eine immer weiter wachsende Weltbevölkerung zu erhalten oder zu erfinden, sondern das Leben der zukünftigen Erdbewohner mit leistungsfähigen Maschinen immer angenehmer zu gestalten.


    Wenn ich mir anschaue, welche Umwälzungen es in den letzten 50 Jahren an Automation gegeben hat (seit ich das halbwegs bewusst verfolgt habe), dann bin ich extrem zuversichtlich, dass gerade die "niederen" Arbeiten weitgehend automatisiert werden. Beispiel: Bei uns im Hamburger Umland fahren die Müllautos noch mit 3 Mann Besatzung: ein Fahrer und zwei "Mülltonnen-Schieber". Auf Mallorca erledigt die gleiche Arbeit ein Fahrer und ein intelligentes Mülltonnen-Erkennungs-System, das die Tonnen greift, leert, und wieder abstellt. Auch die Hundertschaften an Hilfsarbeitern auf dem Bau sind verschwunden, die früher frisch angerührten Beton in Schubkarren über Holzplanken zur Einsatzstelle bugsierten. Das erledigen heute fernbediente Leitungssysteme, die direkt vom Betonmischerfahrer bedient werden. Vom Verschwinden der Stenotypistinnen, Rohrpostentleerer und -Verteiler und ähnlicher Bürojobs will ich gar nicht erst anfangen. Und die Abschaffung der Taxi-, LKW- und Busfahrer kann man gerade live in Zeitlupe miterleben.


    Kurz gesagt: ich denke, ein Großteil der mühseligen Arbeiten wird besser und billiger von Maschinen erledigt werden. Wenn diese Maschinen angemessen besteuert werden, wird auch bei einer schrumpfenden Bevölkerung die Finanzierung der Renten kein Problem sein.


    Das Demographieproblem staatlicherseits ernsthaft anzugehen, wurde im Nachkriegs-Deutschland wegen den immer noch nachwirkenden unsäglichen Nazis schon immer unterlassen.


    Auf die Gefahr mich zu wiederholen: Einwanderung in die Sozialsysteme (die Asylkiste) schafft keine Rentenzahler sondern belastet nur die Leistungsträger noch mehr.


    Lando : Zustimmung zu deinem zweiten Absatz.


    Und zum ersten Absatz: Es wäre m.E. kein Problem, wenn die hiesige Bevölkerung auf die Menschenzahl schrumpfen würde, die hier vor - sagen wir mal - 100 Jahren gelebt hat. Bevölkerungszuwachs ist ja kein erstrebenswertes Ziel an sich - man denke nur an den Parkplatzmangel ;o)


    Was wir haben, ist ein Rentenproblem. Aber dafür gibt es sicherlich auch andere Lösungen, als mehr zu schnackseln.


    Ich fürchte, da verwechselst du den Leiter der Tafel (Herrn Sartor) mit einem neuen "Tafel-Kunden", der nach 20 Jahren aus der Dom-Rep zurück nach DE gekommen ist. Einfach nochmal den ersten Absatz des SZ-Artikels lesen:


    Zitat

    Ein Mittwoch morgen im April, Jörg Sartor und seine beiden Kollegen von der Essener Tafel nehmen neue Kunden auf: Ein älterer Mann ist an der Reihe, er hat 20 Jahre in der Dominikanischen Republik gelebt und Kopierer repariert, »da gibt es ja keine Techniker«. Als er zurück nach Deutschland kam, fand er keine Arbeit mehr. Und seine ehemalige Heimat erkannte er auch nicht wieder. »Früher hatt’ste an jeder Ecke einen Bekannten, aber die sind alle weg. Überall Ausländer. Wenn Du auf die Namensschilder der Häuser schaust, nur noch Ausländer.« Die Skatrunde, die Büdchen. »Gibt’s alles nicht mehr.« Der Fleischer, der Bäcker an der Ecke. Alles weg. »Manchmal fühl ich mich hier gar nicht mehr zuhause hier«, sagt der Mann. »Wem sagen Sie das«, sagt Sartor.



    Herr Sartor darf dir also ruhig weiterhin sympathisch sein ;o)

    Also, ich würde die nicht wählen, das ist einfach nicht mein Stil. Aber ich finde es gut, dass es die gibt und diese im Volk unbestreitbar vorhandenen Tendenzen auch ihre Repräsentanz haben. Demokratischer Pluralismus halt, muss ausgehalten werden.

    Ich gehe mal davon aus, dass die brauchbaren Ideen aus der AfD irgendwann von den Altparteien aufgesogen werden, um das Wählerpotential der AfD zu beschränken. Das ist traurig für engagierte AfDler, wenn ihnen gute Ideen "geklaut" werden, aber letztlich genau der Sinn einer Demokratie: Ideenwettbewerb. Lustig finde ich nur, dass jetzt als Erste die Grünen (Özdemir) Konzepte wie "Heimat" besiedeln. Vor ein paar Jahren hätte kein Grüner so ein national besetztes Wort auch nur mit der Kneifzange angefasst ;o) Andererseits: Den Grünen haben die damaligen Altparteien ihr Kernthema - den Umweltschutz - seinerzeit ja auch geklaut. Erstaunlich, dass die Grünen das überlebt haben. Offenbar sitzen da nicht nur Blödmänner (und gleichberechtigte Blödfrauen, selbstverständlich), sondern die Grünen haben ihr Ideen-Klau-Trauma wohl positiv verarbeitet.


    Bin mal gespannt, wie lange die AfD sich über der 5%-Hürde halten kann. Die CDU ist offenbar etwas langsamer als die Grünen. So lange die CDU auf AfD-Themen ausschließlich mit der Nazi-Keule reagiert, dürfte der AfD ein langes Leben beschert sein. Wird spannend.

    Die AfD spricht (möglicherweise nicht in ihrem Parteiprogramm, aber de facto) sogar deutschen Staatsbürgern mit ausländischen Wurzeln die deutsche Staatsangehörigkeit ab (Beispiel Cem Özdemir).

    Hast du dafür einen Beleg? Ich kann über Google nichts in dieser Richtung finden. Und im Grundsatzprogramm sprechen sie sich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft aus - das ist etwas völlig anderes.


    Zitat

    Die AfD ist gegen die Religionsfreiheit.



    Auch hier empfehle ich einen Realitäts-Check. Zitat aus dem Grundsatzprogramm: "Die AfD bekennt sich uneingeschränkt zur Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit."


    Zitat

    Die AfD möchte das Asylrecht stark einschränken.



    Realitäts-Check im AfD-Grundsatzprogramm: "Kanada und Australien sind uns Vorbilder darin, wie Einwanderungsländer eine gesellschafts-, sozial- und arbeitsmarktverträgliche Einwanderung regeln." Und: "Es ist demgegenüber notwendig, zwischen politisch Verfolgten und (Kriegs-) Flüchtlingen, die unmittelbar vor ihrer Einreise echten, kriegsbedingten Gefahren ausgesetzt waren, einerseits und irregulären Migranten andererseits zu unterscheiden. Echte Flüchtlinge will auch die AfD schützen, solange die Fluchtursache im Heimatland andauert."

    Das waren mal klassische CDU-, SPD- und Grünen-Positionen - siehe z.B. die Asyldiskussion in den 90er-Jahren wegen des Kosovo-Konflikts.


    Offenbar gibt es beim Thema AfD eine extreme Differenz zwischen dem, was die Partei an Positionen hat, und dem, was der Partei an Positionen unterstellt wird.

    Aufgrund der deutschen Wirtschaftskraft und der geographischen Lage sind wir ein Einwanderungsland, ob es den AfDlern und ihren Sympathisanten nun passt oder nicht.

    Da hast du völlig Recht, abgesehen davon, dass "die AfDler" keineswegs gegen gezielte Einwanderung von qualifizierten Arbeitskräften sind (und auch nicht gegen die Gewährung von Asyl - schlimm genug, dass man das erwähnen muss). Die AfD hat nur etwas gegen illegale Einwanderung von Wirtschaftsflüchtlingen - so habe ich jedenfalls ihr Parteiprogramm verstanden. Mit dieser Position der AfD habe ich überhaupt kein Problem - das würde ich im Gegenteil auch gerne im Parteiprogramm diverser anderer Parteien sehen.

    Ich bin prinzipiell pro Zuwanderung, und zwar aus den oben genannten Gründen durchaus Zuwanderung gering qualifizierter (und motivierter) Arbeitkräfte. Ansonsten klappt unser Sozialsystem zusammen.

    Auch hier Zustimmung: Nichts gegen Zuwanderung von motivierten Arbeitskräften. Aber: Wenn unser Sozialsystem (und da meinst du vermutlich zuvörderst unser Rentensystem) ohne Zuwanderer kollabiert, dann hat m.E. unser Rentensystem ein Problem, und nicht unser Arbeitsmarkt. Es gibt ja durchaus Rentensysteme, die funktionieren - z.B. das in der Schweiz, mit seinen "drei Säulen". Kann durchaus sein, dass Frau Merkel 2015 mit ihrer Grenzöffnung gehofft hat, das hiesige Rentenproblem zu lösen. Wir alle erinnern uns an das Narrativ von syrischen Zahnärzten und Fachkräften, die da unterwegs sind, um den deutschen Fachkräftemangel zu beheben...


    Aus heutiger Sicht halte ich die unkontrollierte Einwanderung, die 2015 los getreten wurde, nicht für einen Beitrag zur Rettung des hiesigen Sozialsystems, sondern eher für einen Brandbeschleuniger. Und das laste ich nicht den Leuten an, die in gutem Glauben gutes Geld an Schlepper gezahlt haben, welche ihnen erzählt haben, dass "Mama Merkel" Häuser für sie bauen lässt. Mama Merkel hat wenig gegen dieses Gerücht unternommen.

    Mir tun die Leute leid, die bei uns bisher am unteren Ende der Futterkette standen und weiterhin stehen werden - mit zusätzlicher Konkurrenz. Eine uns bekannte "Perle" wollte vor zwei Jahren wegen Nachwuchses in eine größere Wohnung wechseln, der Mietvertrag war bereits aufgesetzt. Im letzten Moment hat dann doch die Gemeinde als Mieterin das Rennen um die Wohnung gemacht, dank 30% höherer Mietzahlung und dank des Status als solventer Mieterin - und zwar um Migranten (m/w) um jeden Preis unterzubringen.


    Da findet ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb in den unteren Einkommens-Schichten statt. Aktuelles Highlight aus der FAZ: Eine Verdreifachung von georgischen Asylbewerber*innen nach Wegfall der EU-Visumpflicht. Warum? Es lohnt sich für Georgier*innen, Asyl zu beantragen, obwohl die Asyl-Anerkennungsquote nur 2% beträgt. Das "Taschengeld" für Asylbewerber*innen in DE (nach Steuern) ist halb so hoch wie das BIP (!) pro Mann und Frau in Georgien (vor Steuern). Es ist absurd naiv für Deutsche (m/w), nicht zu berücksichtigen, dass etwa 85% der Weltbevölkerung (also etwa 6 Milliarden Menschen) ihre Lebenssituation als abgelehnte Asylbewerber*innen in DE signifikant verbessern würden.


    Leider wird es schwierig, 85% der Weltbevölkerung zwischen Flensburg und Garmisch anzusiedeln. Schon heute fehlen in diesem Areal ein paar Sozialwohnungen - siehe oben. Hoffnung besteht dennoch - einfach mal googeln nach Prof. Hans Rosling, dem schwedischen Mitbegründer von Ärzte ohne Grenzen. Er setzt auf Bildung. Vor Ort.

    Apropos Hussman.
    Wo ist eigentlich whichdream hin? Lange nix gehört von ihm...


    Liest du hier noch mit?
    Falls ja, mich würde deine Lageeinschätzung interessieren!


    VG
    woodpecker


    Hallo woodpecker,


    ich hab grade zufällig deine Frage gesehen. Kurze Antwort: nein, ich beschäftige mich in letzter Zeit nur minimal mit der Börse und gucke hier nur sehr sporadisch rein. Grund dafür ist schlichtweg die Tatsache, dass die US-Märkte so überteuert sind wie nie zuvor (nicht einmal auf dem Höhepunkt der dotcom-Blase), und dass ich deshalb keinen Handlungsbedarf sehe. Als Beleg für das Bewertungsniveau verweise ich auf die Wochenkommentare von Hussman, den MMI wegen seiner Performance hier zwar gerne als Dummschwätzer tituliert, dessen Analysen und Prognosen dennoch das beste sind, was ich in puncto Markteinschätzung kenne. Ich fühle mich seit geraumer Zeit wie jemand, der im Jahr 1998 aus Aktien ausgestiegen ist, weil sie ihm zu teuer erschienen, und der sich noch 2-3 Jahre steigender Kurse ansehen musste; aber das ändert nichts an meiner Grundeinstellung, dass man Aktien besser kauft, wenn sie günstig bewertet sind. Das ist momentan m.E. definitiv nicht der Fall, und ich warte schlichtweg weiter auf den nächsten Crash und günstige Einstiegskurse. Dank der 2014 realisierten Börsengewinne stehe ich dabei gottlob nicht unter Zeitdruck ;)


    VG zurück,
    witchdream


    PS: Wenn mich das Börsenfieber wieder packt, werde ich hier sicherlich wieder aktiver sein. Norberts Börsenforum ist nach wie vor das interessanteste, das ich kenne.

    Hallo Joe,


    tut mir leid, dass du momentan in UK solche Sorgen hast - insbesondere wegen deines Jungs. Die Fragebogen-Aktion zur "Ethnie" (?? - statt Ethik?) habe ich bereits anderweitig gelesen und fand sie auch sehr schräg. Ich kann mir trotzdem nicht vorstellen, dass sich sämtliche Briten nach dem Referendum schlagartig in fremdenfeindliche Hooligans verwandelt haben. Umgekehrt muss man leider feststellen, dass brutale Schlägereien in Schulen auch in Deutschland Einzug gehalten haben, die weit über eine zünftige Rauferei auf dem Pausenhof hinausgehen. Nur als Beispiel:


    http://www.mopo.de/hamburg/pol…egerei-an-schule-24117014


    Das wird dir kein Trost sein, aber Spinner gibt es auch hier...

    Geht schon los: Protektionismus in den USA. Ääähh, Verzeihung - In der EU:


    https://www.comdirect.de/inf/n…4b0c17be64e8e1b2217ac9628


    Populisten / extreme Parteien haben keine Lösungen, sie haben Sündenböcke. Das ist überall so.


    Das würde ich so definitiv nicht unterschreiben. Lassen wir mal die Diskussion beiseite, was eine "populistische" Partei ist - denn das sind m.E. alle Parteien, und zwar gerade die sog. "Volksparteien", wie die Wortverwandheit von populus und Volk bereits offenbart.


    Zu den sog. extremen Parteien: In der historischen Rückschau waren die meisten etablierten Parteien bei ihrer Gründung "extrem". Das galt für die alte Tante SPD zu Zeiten Bismarcks ebenso wie für die in den 1970ern als extrem empfundenen Grünen. Solche erfolgreichen "extremen" Parteien zeichnet aus, dass sie gesellschaftliche Strömungen und "populistische" Bedürfnisse großer Bevölkerungsteile wahrnehmen, artikulieren und in politische Programme umsetzen - und dass sie dafür gewählt werden.


    Daneben gibt es natürlich eine Vielzahl "extremer" Parteien mit zu partikulären Forderungen, die sich deshalb nicht auf Dauer durchsetzen, wie etwa die Piraten, die Grauen Panther, die Tierschutzpartei oder die KPD/DKP. Auch die bieten aber durchaus Lösungsvorschläge für real existierende Interessen (zu kleiner Bevölkerungsanteile), und nicht nur Sündenböcke.


    Auch die ursprüngliche AfD von Lucke - anfangs noch als Professorenpartei verspottet - hatte eine "extreme" Programmatik: nämlich die Einhaltung der EU-Verträge (no bail-out-Klausel, Geldpolitik der EZB) in einer Zeit, in der die grundlegenden EU-Verträge zunehmend missachtet wurden. Auch hier also nicht nur Suche nach Sündenböcken. Das spätere Abdriften der AfD in den Bereich rechts von der CSU ist ein anderes Thema, aber auch die aktuelle AfD spricht offenbar großen Bevölkerungsteilen aus der Seele, sonst wäre sie nicht so konsistent erfolgreich.


    Weite Teile des AfD-Programms werden momentan von den etablierten Parteien aufgesogen und als eigene Idee verkauft, etwa wenn De Maiziere fordert, Flüchtlingsboote nach Nordafrika zurückzuschicken und die Asylverfahren dort vor Ort einzuleiten, um die Schlepperbanden nicht weiter zu fördern. Das ist AfD-Programm pur. Ob man der Idee zustimmt oder nicht: Auch hier handelt es sich um eine konkrete Problemlösungs-Idee und nicht nur um die Suche nach Sündenböcken.


    Demokratie pur, und das ist gut so.


    edit: Und gerade weil das demokratische System die Möglichkeit zu unblutigen Politikänderungen bietet, teile ich nicht woodpeckers Befürchtung einer "Revolution von rechts". Diese Demokratie-Interpretation war übrigens mal ein Gedanke von woodpecker himself, den auch ich "aufgesogen" habe. Nicht nur deshalb: welcome back, woodpecker!

    Hallo Al Sting,


    danke für deinen hochinteressanten Beitrag. Mir war gar nicht bewußt, dass es - mitten in meiner gewohnten Umgebung - eine Klasse von "kulturellen Gentrifizierern" gibt, die sich innerhalb der Gesellschaft als missverstandene Opfer sehen. Wie die Spanier sagen würden: Pobrecitos! Ich hoffe, der Bezug auf eine spanische Redewendung wird mir jetzt nicht als spanischer Nationalismus ausgelegt - ich kenne einfach kein multinationales, gentrifiziertes Äquivalent dazu.


    Ich möchte trotzdem ein spezielles Zitat von dir aufs Korn nehmen, nämlich dieses:


    Die westlichen Arbeiter und Mittelschicht sind (zumindest in den USA und UK) bislang Hauptverlierer der Globalisierung, während die Reichen immer reicher werden.


    Hallo? Gewinner der Globalisierung sind nicht "die Reichen, die immer die reicher werden", sondern Millionen von Arme, insbesondere in Ostasien (speziell China), die sich aus bitterster Armut heraus erfolgreich in die Unter- und Mittelschicht hineinarbeiten. Aus "linker" Perspektive (und der schließe ich mich hier ausdrücklich an) ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung - die weltweiten Einkommensunterschiede nehmen ab (und nicht - wie oft behauptet - zu!!!).


    Man sollte dann aber nicht überrascht sein, wenn die bisherigen Inhaber von Billig-Jobs - z.B. in den USA oder in Europa - diese Entwicklung nicht besonders prickelnd finden. An diesem Knackpunkt scheitert m.E. die hiesige Linke: Sie anerkennt nicht die Fortschritte der internationalen Einkommensnivellierung (sprich: höhere Einkommen in China zu Lasten der westlichen Angestellten), sondern fordert eine Einschränkung des globalen Handels (anti-TTIP etc.) zum Schutz der nationalen Kientel.


    Kurz gesagt: Es wäre ehrlicher von der Linken, geradeheraus zu sagen, dass eine globale Reduzierung der Armut zu Lasten der hiesigen Mittelschicht stattfinden wird. Hier ist die Diskussionszone, und nicht im Bereich der "Reichen, die immer reicher werden".

    Das fasst die Situation gut zusammen (Stand 27.October):


    http://www.thenational.scot/ne…nals-living-in-fear.24106


    Zitat

    In the same article, German professor Mischa Dohler, who works at King’s College London, said he was seriously considering moving abroad.


    The academic said he had received countless job offers and had turned down a role at Cambridge University because of uncertainty following the Brexit vote.


    He said: “Many non-British academics simply see no future here.”


    Ich finde es ja putzig, dass britische Medien Artikel der deutschen "Welt" bemühen, um Xenophobie gegen EU-Bürger in GB zu belegen - haben die keine Kollegen vor Ort zu Hause für ein bisschen Basis-Recherche? Noch putziger finde ich es, wenn ein deutscher Akademiker angeblich für sich keine Zukunft in UK sieht, obwohl er sich vor Jobangeboten in UK nicht retten kann...


    Hallo? Jemand zu Hause? Noch tendenzieller geht's ja wohl kaum.

    "und nebenbei auch Greenblatt, der auch ein lausiger Fondsmanager ist"


    [...] seine funds mit mechanischen ansätzen die er wohl seit den 2000igern laufen hat laufen wohl ziemlich schlecht.


    Genau die meinte ich - die, in denen er seine berühmte "Magic Formula" anwendet.