Carbon Capture & Storage (CCS) - Entwicklung & Profitmöglichkeiten

  • Nur zur Klarstellung: Ich finde CCUS nach wie vor interessant. Allerdings bin ich auf diese Studie gestossen, die aufzeigt, warum von den 268 Projekten in den letzten Jahren quasi alle gescheitert sind. Hab die Stduie noch nicht runtergeladen, aber den Abstract gibt es hier:


    https://www.sciencedirect.com/…abs/pii/S030142152100416X


    Das Hochskalieren scheint ein echtes Problem zu sein.

  • Nur zur Klarstellung: Ich finde CCUS nach wie vor interessant. Allerdings bin ich auf diese Studie gestossen, die aufzeigt, warum von den 268 Projekten in den letzten Jahren quasi alle gescheitert sind. Hab die Stduie noch nicht runtergeladen, aber den Abstract gibt es hier:


    https://www.sciencedirect.com/…abs/pii/S030142152100416X


    Das Hochskalieren scheint ein echtes Problem zu sein.

    Interessant.


    Im Abstract werden immerhin Möglichkeiten genannt wie man die hohe Scheiterquote reduzieren kann.

    "If you act out of fear, anger, despair or suspicion - this will ruin everything." - Thich Nhat Hanh


  • Aktuell sind zwei Namen recht präsent zum Thema DAC.

    Climeworks und Carbon Engineering.


    Climeworks


    Mit denen hat die Swiss Re kürzlich ein Partnership gestartet. Eher symbolisch würde ich sagen (10mio Invest seitens SR), aber immerhin recht pressewirksam.

    Climeworks baut aktuell 14 plants in Europa und Island. Und hat ein Demoprojekt seit 2017 in Island.

    Das größte Projekt in Bau kommt auf ca 100kt pro Jahr. Also schon immerhin nenneswert, entspricht der Emission von 10.000 Personen in DE.

    Die Technik basiert auf einem Filtermaterial, das in Schritt 1 CO2 aus der durchgeblasenen Luft akkumuliert. In Schritt 2 wird das CO2 aus dem Material durch Erhitzen wieder abgeschieden, abgesaugt und verpresst. Dafür sind nur moderate Temperaturen von ca 100Grad nötig. Filmchen (mit toller Propaganda-Aufbruchstimmungs-Musik, naja...) hier.

    Jedenfalls diese Anlage hat den Charme zB mit Geothermie betrieben zu werden, da diese Temperaturen dort direkt erreicht werden können.

    Es ist folglich auch das System auf das Island setzt, die hierfür im großen Stil Geothermie einsetzen wollen.

    Der Energiebedarf liegt bei 600kwh-elektrisch (für Komprimieren, Verpressen etc) plus 2700kwh-thermisch (eben für das Erhitzen) pro Tonne CO2.

    Die Kosten sind gleichwohl heute noch immens.
    All in rechnet man in naher Zukunft mit 650EUR/tCO2, und mittelfristig immer noch 200EUR.

    Ein "Bonus" ist hier das Verpressen in Basalt, wo das CO2 versteinert.


    Carbon Engineering


    Die US-Variante.

    Betreibt seit 2015 eine Testanlage.

    Will das ganze direkt GROSS aufziehen (na logisch, sind ja auch Amis, bigger, better, greater :-) ), in 2023 soll ein 1mt plant fertig werden.

    Sie behaupten im Permian basin (einer bekannten Schieferölformation in Texas) bereits heute kosteneffizient zu sein (mir nicht ganz klar wie das gehen soll, aber vielleicht mithilfe der diversen CCS grants die es in den USA gibt?).

    Die Technik ist etwas anders, hier wird mir einem flüssigen Filtermedium gearbeitet, dass durch den Luftstrom geträufelt wird, CO2 aufnimmt und in einer weiteren Reaktionskammer dann wieder abgibt.
    Wirkt technisch alles etwas komplexer auf mich als der Climeworksansatz (bin aber kein Experte), also mehr Rohre, Pumpen, Gedöns.

    Energiebedarf 250kwh-elektrisch plus 4200kwh-thermisch (das wird aus Gas gewonnen, von dem das CO2 auch direkt wieder abgeschieden wird).

    Kosten (angeblich? Obs stimmt oder US-Optimismus/Marketing mitschwingt?) aktuell 220 EUR/tCO2 (250 USD), in 2030 sollen es 120 EUR sein, 2050 unter 85 EUR (100USD).
    Ein Grund für die geringen Kosten könnte sein (habs aber nicht überprüft) dass sie das Gas via EOR halt sehr günstig bekommen, da hocken die ja direkt drauf im perminan basin.

    Und sie wollen auch CO2-neutrales Fuel herstellen (aus CO2 und Wasserstoff).

    Verpresst wird in Gas-Lagerstätten.

    Kurzer TEDx Talk vom CEO Steve Oldham (auch voll Pathos, irgendwie muss das offenbar so) hier.


    Nochmal ein Gedanke zu den Kosten.


    Sagen wir mal 200EUR für eine Tonne CO2.

    Das ist schon viel Geld, wird vom aktuellen CO2 Preis (wo steht der? Zertifikate 60EUR pro Tonne?) natürlich nicht annähernd gedeckt.

    Andererseits könnte man mal andersrum rechnen.

    1tCO2 sind zB die Emissionen von 400l Diesel. D.h. der Liter Diesel müsste um 50ct hoch um das zugehörige DAC zu bezahlen.

    Klingt nicht komplett utopisch.

    Ähnliches für andere schwer zu reduzierende Emissionen. zB ein Flug München-New York Economy 2tCO2. Gut, wäre dann schon 400EUR Aufschlag. Schon sehr sehr empfindlich. Aber denkbar? Ja, schon, oder?

    Muss man sich dann halt echt überlegen ob der Flug sein muss, aber das ist ja eh das Ziel.


    Und, nochmal, eh logisch, der Ausbau der Erneuerbaren muss völlig unabhängig davon mit dem maximal möglichen Tempo weiter getrieben werden.

    Im Kostenvergleich wird ein neues Windrad das eine Tonne CO2 im Kohlekraftwerk einspart wesentlich günstiger kommen als DAC.

    Das kann man also durchaus den Markt regeln lassen.

    DAC sollte dazu dienen

    (a) nicht vermeidbare Emissionen zu kompensieren (die wird es immer geben, aber die müssen dann auch mit den DAC Kosten voll belegt werden) und

    (b) das CO2 was schon in der Luft ist, und noch viele Jahre, ob wir wollen oder nicht, weiter dazu kommen wird, wieder raus zu holen.


    wp

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  • Bin grade auf der Suche nach entsprechenden Anlagemöglichkeiten.


    Es gibt offenbar einige große Unternehmen die da rein gehen, u.a. Shell, Chevron, NRG Energy oder Mitsubishy Heavy Industries.

    Hm, aber bei all denen wird der CCUS Teil wohl so klein sein dass er vorerst nicht wirklich den Kurs bewegt?

    Mir ist da ein pure play lieber.

    Bislang konnte ich außer Aker Carbon Capture allerdings keine pure plays finden.


    Habe daher ACC letzte Woche auf volle Positionsgröße (=3% Portfolioanteil) aufgestockt.

    Mal schauen, läuft in der Kategorie "spiele den Trend und ignoriere lästige Multiples".


    Falls jemand andere Aktien findet, gerne posten.


    wp

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  • Warum CO2 unter der Erde speichen, wenn man daraus Kerosin machen kann?


    Klimaneutrales Kerosin für die Lufthansa kommt aus dem Emsland

    https://www.faz.net/aktuell/wi…dem-emsland-17568917.html

    eFuels, Power to fuel etc. könnte tatsächlich auch ein großes Thema werden.

    Grade für den Flugverkehr, wo man so schnell nicht vom "Verbrenner" wegkommen wird.

    Und dass die Leute bereit sind auf Flüge zu verzichten zeichnet sich bislang auch nicht so recht ab.


    Gibts Aktien zu dem Thema ?



    Edit. Bin neulich über Neste gestolpert (nicht Nestle), die könnten in diese Kategorie fallen.

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  • Die Anlage wurde geliefert vom Karlsruher Startup Ineratec:


    https://ineratec.de/eroeffnung…er-to-liquid-pilotanlage/


    Gibt ein ausführliches Video zur Launch der Pilotanlage (start ab Minute 12:25):

    https://www.atmosfair.de/de/ab…effnung-e-kerosin-anlage/


    P.S. Du kannst natürlich jetzt den Kohlekraftwerken gegen Geld das CO2 abnehmen, speichern und später als Rohstoff verkaufen ;-)

    First focus on risk, before focus on return! (Seth Klarman)

  • Power-to-Fuel ist vermutlich der einzige Weg für die Flugindustrie um Grün zu werden.


    Im Marinebereich wird es voraussichtlich auf Grünen Ammoniak hinauslaufen. Landtransport voll elektrisch.



    Wer noch was börsennotiertes sucht, wird eventuell hier fündig:


    https://www.horisontenergi.no/#products


    https://live.euronext.com/en/p…quities/NO0010917339-MERK


    Die behaupten sie hätten eine neuartige Technologie um CO2 günstig in den Meeresboden einzubringen. Ist m.E. aber deutlich spekulativer als Aker.

  • Die FDP hält ja noch die Fahne hoch für synthetisches Benzin als Alternative. Man liest mittlerweile, das Elektroauto habe sich offensichtlich durchgesetzt. Die Ladeinfrastruktur ist aber doch immer noch ein großes Problem, weil die Verteilnetze gar nicht darauf ausgelegt sind, daß z.B. in einer größeren Wohnanlage alle gleichzeitig in der Nacht ihr Auto aufladen.

    Und was spräche dagegen, synthetisches Benzin komplett von der Steuer zu befreien, bis auf die Mehrwertsteuer? Dann könnte es vielleicht preislich konkurrenzfähig sein. Für den Bestand wird man ohnehin eine Lösung brauchen.

    „Die Coronakrise ist eine große Chance. Der Widerstand gegen Veränderungen wird in der Krise geringer. Wir können die Wirtschafts- und Finanzunion, die wir politisch bisher nicht zustande gebracht haben, jetzt hinbekommen.“ – Wolfgang Schäuble

  • ich finde es immer witzig wenn Power-to-fuel als etwas wahnsinnig innovatives dargestellt wird, der Hauptprozess ist Fischer-Tropsch und den gibt es schon seit über 100 Jahren.

    Nur Innovatives wird staatlich gefördert; man muss das synthetische Benzin nur noch als Batterie-Äquivalenz erkennen (ohne Scherz!).

  • Die FDP hält ja noch die Fahne hoch für synthetisches Benzin als Alternative. Man liest mittlerweile, das Elektroauto habe sich offensichtlich durchgesetzt. Die Ladeinfrastruktur ist aber doch immer noch ein großes Problem, weil die Verteilnetze gar nicht darauf ausgelegt sind, daß z.B. in einer größeren Wohnanlage alle gleichzeitig in der Nacht ihr Auto aufladen.

    Und was spräche dagegen, synthetisches Benzin komplett von der Steuer zu befreien, bis auf die Mehrwertsteuer? Dann könnte es vielleicht preislich konkurrenzfähig sein. Für den Bestand wird man ohnehin eine Lösung brauchen.

    Grünes synthetisches Benzin benötigt ungef 2-3x soviel erneuerbare Energie wie das Elektroauto um einen Kilometer zu fahren.


    Wo soll die her kommen wenn man den wertvollen Grünen Strom auch für Grünen Stahl, grünen Zement und grünen Dünger braucht ?


    Das Potential für erneuerbare Enefgien in Deutschland ist nicht gross genug um sich so eine Verschwendung leisten zu können.


    Das Laden der E-Autos über Nacht (bzw. über Tag in der Arbeit oder auf dem Aldi Parkplatz) ist bedeutend einfacher zu realisieren.


    Von daher wäre eine Subventionierung von EFuels für KFZ eine ökonomische Fehlallokation sondersgleichen wenn man es wirklich ernst meint mit dem Klima.

  • Wo soll die her kommen wenn man den wertvollen Grünen Strom auch für Grünen Stahl, grünen Zement und grünen Dünger braucht ?

    Nur ein Vorschlag: aus Saudi Arabien oder Sahara-Ländern?


    Da lohnt Photovoltaik so richtig.

    Und für den Transport gibt es günstige Lösungen.

  • Ich denk auch, hier bei uns das herstellen macht keinen Sinn.


    Aber das heißt nicht dass es nicht dennoch ein "big thing" werden kann.


    Saudis wurden genannt, aber so von der Mentalität her könnte ich mir auch vorstellen dass die Amis das (zumindest teilweise) auch pushen.

    Und selbst wenn das nur 10% des heutigen Kraftstoffverbrauchs ersetzten würde...wäre es ein gigantischer Markt mit entsprechenden Aktienchancen.

    Also auf dem Schirm sollte man es schon haben.


    Was anderes, aber doch ähnlich gelagert:

    Die große Wasserstoffeuphorie scheint ausgeträumt?!

    Also zumindest an der Börse sind die ganzen Shootingstars von vor einem Jahr fast wieder auf Los zurückgefallen.

    War es das?

    Oder nur Tal der Desillusion, und auf dem Weg zur realistischen Betrachtung gibt es auch hier wieder Chancen?


    Hat da jemand nen Überblick? Was wären denn, wenn man investieren wollte, bei H2 vielversprechende Firmen?

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  • welche denn ? Kupferkabel aus Saudi Arabien ?

    Produktion von e-Kerosin oder e-fuels kann dezentral erfolgen, z.B. dort wo es billigen Strom im Überschuss gibt und auch die anderen Inputfaktoren.


    Atmosfair beispielswiese spricht mit Partnern in Brasilien, Indonesien, Indien, Marokko. Stabile CO2-Quelle zu finden ist der limitierende Faktor. Eine Idee ist z.B. Abwassersysteme in Marrakesch als CO2-Quelle zu nutzen und dort eine Power-To-Liquid Anlage aufzubauen. (Minute 2:25:00 im oben verlinkten Video). Nächstes Projekt vermutlich in Brasilien, Faktor 10 größer (Minute 2:30:00)

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  • Für den Bestand (inkl. Oldtimer) wird man es noch benötigen. Oder soll Benzin dann so teuer werden, daß die letzten freiwillig ihre Fahrzeuge verschrotten lassen? Saudi-Arabien könnte vielleicht die ganze Wüste mit PV-Modulen und evtl. Windrädern zupflastern. Platz genug haben sie ja, und das wäre ein Ersatz für die Ölförderung.


    M.W. sprang ElringKlinger u.a. auch wegen der H2-Phantasie (Brennstoffzellen) nach oben, haben jetzt aber ein böses Chartbild. Die passen zumindest noch einigermaßen ins antizyklische Raster, im Gegensatz zu wohl den meisten anderen Wasserstoffaktien sind die heute schon bzw. wieder profitabel, wenn auch noch mit der Verbrennertechnik (90% des Umsatzes, u.a. Weltmarktführer bei Zylinderkopfdichtungen etc.). Mir war das zu heiß, aber ich hatte letztes Jahr diese Geschichte auch nicht wahr- bzw. ernst genommen.

    „Die Coronakrise ist eine große Chance. Der Widerstand gegen Veränderungen wird in der Krise geringer. Wir können die Wirtschafts- und Finanzunion, die wir politisch bisher nicht zustande gebracht haben, jetzt hinbekommen.“ – Wolfgang Schäuble

  • Solar in Saudi Arabien ist leider nicht ganz so ein No-Brainer wie man denkt. Es sowohl zu heiß, zum anderen zu staubig.


    Zu den letzten Benzinern: Wer glaubt ernsthaft, dass das Benzintankstellennetz noch so aussieht wie heute wenn in einigen Jahren nur noch Elektroautos verkauft werden ?


    Die teure Benzinifrastruktur lohnt nur wenn es viele Benziner gibt. "Tankstellensterben" dürfte dann an der Tagesordnung sein. Das wird auch die Attraktivität der letzten Benziner ziemlich einschränken.


    Potentielle Anlagen zur Erzeugung von E-Fuels haben inkl. der vorgelagerten Erneuerbaren Energien einen Vorlauf von 5-10 Jahren bis zum Produktionsstart. Mal abwarten wie viele Investoren es gibt die die benötigten Milliarden in eine strukturell sinkende Nachfrage investieren.


    Kerosin ist ein anderes Thema.


    Edit: Die bestehende Öl Infrastruktur kann m.e. auch nicht ohne weiteres für E-Benzin genutzt werden.auch da wären gigantische Investitionen notwendig (Terminals, Tanker etc.).


    Ganz so einfach ist das mit dem EBenzin aus Saudi Arabien nicht.

  • Solar in Saudi Arabien ist leider nicht ganz so ein No-Brainer wie man denkt. Es sowohl zu heiß, zum anderen zu staubig.

    Gibt es nicht in Nevada und in Spanien ein Solarkraftwerk, das nicht mit Solarpanneln direkt Strom erzeugt, sondern mit Spiegeln thermische Energie erzeugt und damit Turbinen antreibt? Staub könnte bei den Spiegeln immer noch ein Thema sein, dass sich aber sicher lösen lässt.



    Die teure Benzinifrastruktur lohnt nur wenn es viele Benziner gibt. "Tankstellensterben" dürfte dann an der Tagesordnung sein. Das wird auch die Attraktivität der letzten Benziner ziemlich einschränken.

    Dann geht es zurück zu den Anfängen und man kann das Benzin wieder in der Apotheke kaufen. Zu Apothekenpreisen natürlich ;-)