Carbon Capture & Storage (CCS) - Entwicklung & Profitmöglichkeiten

  • Habe das Thema bereits hier im Erneuerbare Energien Faden angeschnitten, denke aber das könnte eine so große Sache werden dass es einen eigenen Faden wert ist.


    Ich habe mich ein wenig in das Thema eingearbeitet und möchte hier Fakten und Entwicklungen zu dieser Technologie sammeln.


    Der Fokus soll auf die Chancen und das Potential, speziell für Investoren, sein, weniger auf die Risiko- und Moral-Betrachtung.

    Also mehr eine amerikanische Herangehensweise als eine deutsche :-)

    Will nicht sagen dass es keine Risiken gibt, mag sein. Aber am Ende ist für den Investor irrelevant zu welchen Schlüssen wir einzelne hier im Forum diesbezüglich kommen.
    Relevant ist für den internationalen Investor zu welchen Schlüssen die weltweite Politik kommt - und wie am Ende gehandelt wird.

    Und echte Experten sind wir eh alle nicht.


    Meine Aufmerksamkeit wurde geweckt weil sich überall abzeichnet dass die Menschheit den Weg des Verzichts, wirklich Sparens, "Downshiftings" und Wachtumsbeschränkung wohl nicht gehen möchte.

    Es wird also nolens volens der Ruf nach der Technik lauter werden, die uns rettet. Natürlich auf der Produktionsseite, aber eben auch auf der "Entsorgungsseite" von CO2.


    Und das wird er bereits.

    In Deutschland hat das Thema zwar noch wenig Aufmerksamkeit, global beobachtet man aber massiv zunehmende Aktivität in diesem Bereich.

    Daher empfehle ich das Thema auf englischsprachigen Kanälen zu verfolgen. Die deutsche Position ist global letztlich unbedeutend.


    Ein paar Fakten:


    - Die IEA weist in ihrem neuen Report CCUS (das U steht hier für "usage", die Unterschiede werde ich in einem weiteren Post erläutern) eine tragende Rolle zu und sagen net zero ist ohne CCUS nicht erreichbar (hier und, wer bissl Zeit hat, voller Report 174 Seiten hier)

    - zwölf größere CCS hubs sind weltweit aktuell bereits in development (u.a. northern lights in Norwegen, Exxon in Texas, ein Projekt in Island etc).

    - Länder wie Island und Norwegen planen den Import von CO2 langfristig als neues Geschäftsmodell

    - In Kalifornien gibt es spezielle grants die CCS mit ca 200 USD / t kompensieren und CCS Projekte anschieben sollen

    - Eine McKinsey Studie (kann ich hier nicht einstellen) geht von >30 Billionen (also 30 US-Trillions) an Investitionen aus über die nächsten 20 Jahre.

    - Swiss Re hat sich kürzlich bei Climateworks beteilig, einem Startup zum großformatigen Bau von DAC Anlagen (direct air capture). Es geht darum die eigenen CO2 Bilanz durch den Kauf negativer Emissionen zu verbessern. Ich denke das könnte ein (sehr) großer Markt werden wenn Unternehmen zunehmend an die Grenzen der CO2 Emissionsreduktion stoßen.


    Also, wen das Thema interessiert, der kann ja ein like hierlassen.

    Falls das nur 1-2 Leute sind geht es per PN-Gruppe effizienter, aber wenn es eine hinreichende Anzahl ist stelle ich gerne eine Art "knowledge-Serie" hier zusammen.


    Cheers

    Woodpecker

    "Es ist nicht der Stärkste, der überlebt, auch nicht der Intelligenteste, sondern der, der sich am besten anpassen kann" - nach Charles Darwin

    "If you act out of fear, anger, despair or suspicion - this will ruin everything." - Thich Nhat Hanh


  • Wäre es nicht sinnvoller, das Geld gleich in C02-Vermeidung, sprich H2-Erzeugung einzusetzen anstatt mit zusätzlicher Energie das CO2 mit unsicherer Prognose im Untergrund zu pumpen?

    Mit "fehlender Effizienz" bei der H2-Erzeugung darf mir keiner mehr kommen, wenn man bei CO2 solch einen hohen nachgelagerten Aufwand betreibt.


    Auch die Politik wird irgendwann lernen, dass CC nichts als ein fettes aber gut bezuschusstes Greenwashing darstellt und ich hoffe, dass die Betreiber für langfristig unvermeidliche Leckagen CO2- Zertifikate beschaffen müssen.


    Umweltbundesamt:

    "Problematisch ist vor allem der enorme zusätzliche Energieaufwand für die Abscheidung, den Transport und die Speicherung. Der Einsatz der CCS-Technik erhöht den Verbrauch der begrenzt verfügbaren fossilen Rohstoffe um bis zu 40 Prozent."

  • Schon gefunden:


    Die Anforderungen wurden im Rahmen der Vertragsstaatenkonferenz des Kyoto-Protokolls in einem Dokument „Modalities and Procedures“ festgelegt:


    Im Fall eines in der Verifizierung bestätigten Entweichens von CO2 müssen die Projektentwickler entsprechende CER aus dem Projekt oder gleichwertige CO2-Zertifikate löschen.


    Die Verifizierung erfolgt regelmäßig mindestens alle fünf Jahre während der Einlagerung und dauert bis 20 Jahre nach der letzten Einlagerung, endet aber nur dann, wenn mindestens seit 10 Jahre keine Leckagen festgestellt wurden.


    Für die Betriebsphase und die Schließungsphase liegt die Haftung für das Projekt und den Speicher bei den Projektteilnehmern.

    Nach Ende des Monitorings (20 Jahre nach dem Ende des Anrechnungszeitraums) geht die Haftung an den Gastgeberstaat.


    Wichtig für die Politik ist:

    Sofern die Projektbeteiligten ihrer Löschungspflicht nicht nachkommen (zum Beispiel weil sie pleite gehen) , geht die Pflicht zur Löschung der entsprechenden CO2-Zertifikate auf den Nutzer- oder Gastgeberstaat über.


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Staat eine solche Haftung für Projekte ab einer gewissen Größenordung übernehmen will.

    Wenn der Staat im Falle eines Falles entsprechende CO2-Zertifikate löschen muss, dann entzieht er diese der gesamten verbleibenden Industrie und sorgt für ein abruptes Ansteigen der Kosten von CO2-Zertifikaten. Solch ein Szenario kann auch die Industrie nicht wünschen.

  • CO2 wird knapp:

    :)

    Quote


    Dazu gehören die Hilferufe der Geflügelindustrie. Ranjit Boparan, Eigentümer von 2 Sisters Food Group, des größten Hühner- und Putenzuchtunternehmens Großbritanniens, warnte am Wochenende, die Geflügelindustrie stehe „kurz vor dem Punkt, wo sie zerbricht“. Grund dafür ist der Mangel an Kohlendioxid (CO2), das als Abfallprodukt bei der Düngemittelherstellung anfällt. Seit ein Hauptprozent für Dünger in Nordengland wegen des teuren Gases seine Fabrikation temporär gestoppt hat, fehlen große Mengen CO2, das die Fleischindustrie für die Betäubung der Tiere vor dem Schlachten und beim Verpacken verwenden. Daher könnten bald Zigtausende Truthähne fehlen, der traditionelle Weihnachtsbraten. „Ohne CO2-Versorgung wird Weihnachten abgesagt“, sagte Boparan plakativ. Zudem suchen Supermärkte verzweifelt nach CO2, das für Trockeneis in Kühlsystemen gebraucht wird.

    https://www.faz.net/aktuell/wi…-in-der-not-17546694.html

    „Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr aufzufinden.“

  • Aus GlobeNewswire.com hier, unter anderem mit einer Liste der Hauptakteure die in dem Bericht über den Markt für CCS aufgeführt sind.


    Aus Investorensicht mit eher größerer Risikobereitschaft; auf die schnelle fällt mir da die norwegische Firma Aker Carbon Capture hier ein, die ein pureplay wären. Aker Horizons ist hier mit 50% beteiligt, die wiederum zur Holding Aker ASA gehört.

    Der Abscheidungsprozess von ACC ist eine Mischung aus Wasser und organischen Amin-Lösungsmittel um das CO2 zu absorbieren. Das Verfahren kann auf Emissionen aus verschiedenen Quellen angewendet werden, Gas, Zement, Raffinerien und Abfall zur Energiegewinnung bis hin zu Wasserstoff und anderen Prozessindustrien.

    HeidelbergCement hat unter anderem ein Projekt mit denen hier.

  • Aus GlobeNewswire.com hier, unter anderem mit einer Liste der Hauptakteure die in dem Bericht über den Markt für CCS aufgeführt sind.


    Aus Investorensicht mit eher größerer Risikobereitschaft; auf die schnelle fällt mir da die norwegische Firma Aker Carbon Capture hier ein, die ein pureplay wären. Aker Horizons ist hier mit 50% beteiligt, die wiederum zur Holding Aker ASA gehört.

    Der Abscheidungsprozess von ACC ist eine Mischung aus Wasser und organischen Amin-Lösungsmittel um das CO2 zu absorbieren. Das Verfahren kann auf Emissionen aus verschiedenen Quellen angewendet werden, Gas, Zement, Raffinerien und Abfall zur Energiegewinnung bis hin zu Wasserstoff und anderen Prozessindustrien.

    HeidelbergCement hat unter anderem ein Projekt mit denen hier.

    Weil du sie erwähnst.

    Full disclosure: Habe im Dipp neulich eine Anfangsposition ACC gekauft.
    Ich bin ja der Typ dem das Messen der Wassertemperatur mit dem Thermometer nicht reicht. Ich brauch auch immer einen Fuß drinnen um zu spüren wie es sich "anfühlt".

    Unter dem Aspekt lasse ich sie einstweilen laufen. Weil richtig einschätzen kann ich das alles (noch) nicht.

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  • Jetzt also paar Fakten.

    Ohne Wertung oder Beurteilung meinerseits einfach wie ich es gelesen/gelernt habe.

    (mir ist klar dass es wie überall beim Thema Klimawandel auch jede Menge greenwashing gibt, aber das soll hier nicht im Fokus stehen),


    Fangen wir mit den Begriffen an.


    - CCS
    Carbon Capture & Storage.

    War der ursprüngliche Begriff für das Einsammeln von CO2 und (in irgendeiner Weise) vertauen.


    - CCUS

    Erweiterung um "usage".
    Die Idee dahinter: Man kann das CO2 ja auch verwenden für irgendwas. Häufig ist mit "usage" die Verwendung als Frackingmedium gemeint. Beim Fracking wird ja seit eh und je "Zeug" nach unten in die Formation verpresst um den Druck im Resservoir zu erhöhen oder Spalten "fracks" zu öffnen. Bislang kommt da meist ein Gemisch aus Wasserdampf, Sand, aber eben auch CO2 zum Einsatz.
    Die genannte Anwendung, nun aber mit purem CO2 und unter noch viel mehr Druck nennt sich:


    - EOR

    Enhanced Oil Recovery

    Hier kommt sicher ne greenwashing Komponente rein, der ein oder andere Fracker fabuliert schon von "grünem" Öl oder Gas, für den Fall dass mehr CO2 verpresst wird ins Resservoir als das Verbrennen des Öl / Gas erzeugt. Kann ich nicht wirklich beurteilen, ich erwähne es hier nur der Vollständigkeit halber. Was man wohl sagen kann: Solange man eh noch Gas fördern muss ist es besser man füllt das Resservoir direkt wieder mit CO2 auf als eben nicht. Klar, die Sorge ist ob das wieder raus kommt. Die Geologen sagen eher nein, weil diese Formationen naturgemäß Gas-Dicht sind. Dazu gibt es diverse Studien, kann ich bei Gelegenheit mal einstellen. Ich kanns nicht beurteilen, nicht mein Job.


    Zur Frage des Speichers.


    Bin noch nicht wirklich tief drin in diesem Teil.


    Aber grundsätzlich gibt es wohl diese Optionen:


    - alte Öl / Gas Resservoirs
    In den USA in enormer Menge vorhanden. Die Maccies sprechen von etwas der 10-fachen CO2 Weltjahresproduktion die man allein in den USA in alte Felder verpressen könnte. Obs stimmt? Keine Ahnung.


    - Salzformationen
    Geologen vor weshalb das so ist, aber diese eignen sich offenbar auch gut, gibt sehr viele davon weltweit


    - Basaltgestein

    Das ist wohl das Optimum.

    Vorteil ist dass hier das CO2 in den Poren kristallisiert (Chemiker vor wie das geht) und zu Gestein wird. Es besteht also erst recht keine Gefahr dass das wieder raus kommt.

    Island besteht zB fast komplett aus Basalt.

    Dort gibt es Überlegungen in Zukunft ein großer CO2 Importeuer zu werden.


    Nun stellt sich die Frage, wo nimmt man das CO2 eigentlich her, und wie scheidet man es ab?


    Dazu mehr dann im nächsten Post.


    wp

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  • Vorteil ist dass hier das CO2 in den Poren kristallisiert (Chemiker vor wie das geht) und zu Gestein wird.

    Dazu hat TGS (ja, genau die, die bisher ihr Geld mit dem Suchen von Ölfeldern verdient haben) eine Informationsseite:

    https://www.tgs.com/our-data/carbon-capture/basalt-storage

    Im Wesentlichen wird aus Magnesium- und Calcium-Aluminium-Silikaten Magnesiumcarbonat bzw. Calciumcarbonat. Das Silikat wird zu Siliziumdioxid (Quarz) bzw. Aluminiumsilikat.

    "The only function of economic forecasting is to make astrology look respectable." - John Kenneth Galbraith

  • Dazu hat TGS (ja, genau die, die bisher ihr Geld mit dem Suchen von Ölfeldern verdient haben) eine Informationsseite:

    https://www.tgs.com/our-data/carbon-capture/basalt-storage

    Im Wesentlichen wird aus Magnesium- und Calcium-Aluminium-Silikaten Magnesiumcarbonat bzw. Calciumcarbonat. Das Silikat wird zu Siliziumdioxid (Quarz) bzw. Aluminiumsilikat.

    Interessant.

    TGS ist ja weiterhin extrem am Boden.

    Falls die auf den CCS Zug aufspringen könnten würde das ne gute Story für steigenden Kurse abgeben.

    Falls. Keine Ahnung ob deren Daten da benötigt werden? Zumal es ja bislang alles Zukunftsmusik ist.

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  • Das Verpressen von CO2 in eine Formation stellt eigentlich kein allzu großes Problem dar.

    Die Technik ist aus dem Fracking hinreichend bekannt, teilweise kann man sogar 1:1 die existierenden "Injection-Wells" nutzen.


    Die größere Frage ist eher:
    Wo kommt das CO2 her?
    Und wie bringt man es zur Lagerstätte?


    Im wesentlichen unterscheidet man drei Quellen:


    - Punktquelle (post combustion capture)


    Der bislang erprobteste Weg. Man scheidet CO2 an einer Punktquelle ab wo es entsteht, also zB einem Kohle oder Gaskraftwerk, oder einer Zementfrabik.

    Vorteil:
    Im Abgasstrom ist der CO2 Anteil hoch, die Abscheidung also recht effizient. Und das Kraftwerk ist dannach CO2 neutral. Ein wichtiger Punkt für das Thema Grundlast. Solange massive Speicher nicht existieren und man zB nicht in Atomkraft will, wird es schwierig die ohne zumindest temoräre fossile Kraftwerke zu decken. Wenn man das schon tut, ist es natürlich besser mit Abscheidung als ohne.

    Nachteil:

    Die Abscheidung ist enorm energieaufwändig.
    Die Zahlen die ich gesehen habe geben ca. 20% der Energieproduktion des KW an, die man für die Abscheidung abzweigen muss. Unschön. Und wenn ich das richtig verstanden habe, aus phyikalischen Gründen auch kaum weiter runter zu drücken (bin hierbei nicht ganz sicher, wäre nochmal zu recherchieren).


    Nachteil 2: Das KW steht unter Umständen wo anders als die Lagerstätte.

    In den USA in vielen Fällen nicht der Fall, da stehen viele Kraftwerke direkt neben dem Öl/Gas-Feld. Das ist vielleicht ein Grund, neben der vorhandenen Frackinginfrastruktur, warum man das dort so pushed.
    In Europa aber ein enormer Punkt. Hier gibt es bereits Überlegungen, CO2 Umschlagplätze aufzubauen, im Gespräch ist Rotterdam (Projekt Aramis).

    Das Zeug würde von dort in Lagerstätten in der Nordsee, oder eben nach Island, verschifft. Das Verschiffen ist wohl nicht so schwierig, kann man (glaube ich?) LNG Tanker nehmen. Aber kostet wieder Geld. Und wieder Energie.


    - Direct Air Capture (DAC)

    Somit kommt man zur Idee, CO2 direkt aus der Luft abzuscheiden. Im Prinzip einfach: Man bläst Luft durch einen Katalysator (da gibts im wesentlichen zwei Techniken, werd ich später mal erläutern) und scheidet das CO2 ab.

    Vorteil:

    Den Abscheiden kann man direkt neben die Lagerstätte stellen, der Transport entfällt.

    Prinzipiell kann man das Ding auch beliebig skalieren. Schaut halt hässlich aus wie die Nacht und daneben wohnen will vermutlich auch keiner.
    Die nötigen Chemikalien sind aber offenbar unproblematisch.

    Nachteil:
    Energieverbrauch wiederum sehr hoch. Grade weil die Konzentration von CO2 in der Luft eben gering ist.


    Die Idee geht dahin, Gas aus der Lagerstätte zu fördern, damit den Abscheider anzutreiben, die Emission aus der Gasturbine ebenfalls abzuscheiden und alles im Sinne von EOR wieder runter zu pressen was weiteres Gas freisetzt. In Summe wäre das Ganze stark CO2-negativ.

    ABER, da muss natürlich einiges an Infrastruktur verbaut werden, alle möglichen Filter, Raffinierie für das Gas usw.
    Also das ist schon ein enormer Aufwand, vermutlich lohnt das echt nur dort wo die Infrastruktur (Raffinieren, Pipelines, Kraftwerke) eh schon steht, also USA. Oder eben Island, weil die würden die Abscheider und Verpresser mit Geothermie betreiben wollen, gibts da ja auch reichlich.


    Alles in allem rechnet man hier mittelfristig mit Kosten von 100-200 USD pro Tonne, aber keine Ahnung ob das realistisch ist.


    In den USA gibt es bereits grants die das schon jetzt ökonomisch machen sollen, im Sinne von Subvention.


    - Oxyfuel Combustion


    Coole Idee eigentlich.
    Weil das Abscheiden so aufwänig ist, sind clevere Leute (mir wäre sowas nicht eingefallen, obwohl ja so naheliegend!) drauf gekommen, dass man einfach VORHER den Stickstoff aus der Luft abscheidet (das ist wohl einfacher) und im Kraftwerk den Brennstoff nur mit reinem Sauerstoff verbrennt. Somit kommt fast nur CO2 raus, das man direkt komplett verpressen kann.

    Naja, ganz so einfach dann doch nicht, vermutlich geht es am ehesten mit Gas, weil Kohle und Öl alle möglichen fiesen Rückstände produzieren.

    Hierbei würde man also wieder fossile Brennstoffe CO2 neutral machen.


    Eine Weiterenwicklung (auch cool, wäre ich wieder nicht drauf gekommen) ist:
    Man baut Biokraftstoffe an, also klassischer Mais oder was weiß ich.

    Diese verbrennt man dann und verpresst das CO2.

    Das ist dann sogar CO2-negativ, weil die Pflanzen vorher ja CO2 aus der Atmosphäre geholt haben.


    Im nächsten Post gehe ich dann mal auf die aktuellen Projekte und Player ein.


    wp

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  • Das klingt aber mehr nach Gasblasen statt nach Fakten.


    Solch ein langfristiges Projekt muss sich auch gegen den Wettbewerb behaupten. Zum einen ist das nicht billig, zum anderen hatten wir die langen Haftungszeiten von 20 Jahren ab Einlagerungsende. Für entwichenen CO2 ist die Rückzahlung in Höhe des jeweiligen Zertifikatpreises nötig, von den langfristigen Gefahren für alle Anwohner nicht zu sprechen.


    Mit Windkraft stellt man die zu 1t CO2 äquvalente Energie schon heute für 140-260 EURO her.

    • Ohne zusätzlichen Energiemehrverbrauch für Prozessenergie oder für das Verdichten
    • ohne inherent undichte Untertage-Speicher
    • ohne zuvor den Brennstoff auf großen Flächen anzubauen oder irgendwo abzubauen

    Ich lasse CO2-Capture durchaus durchgehen wenn man die Mitnahme von Fördermitteln und Subventionen als Geschäftsidee sieht.

    Im Wettbewerb mit Ressourcenschonung aber insbesondere auch mit Kosten für andere Energieerzeugungsarten rechnet sich das nicht.

  • Schöner Thread, bravo !!


    Ein paar Anmerkungen:


    Ganz um Carbon Capture Usage and Storage (CCUS) wird man nicht herumkommen. Beim Zement z.B. kommen die Emissionen zum einen von der benötigten Wärme (1450 grad), die man evtl. noch ersetzen kann und zum anderen aus der chemischen Reaktion des Kalksteins.


    Auch in der Erdölchemie geht das Aufspalten nicht wirklich gut ohne CO2 freizusetzen.


    Persönlich halte ichz.B. blauen Wasserstoff für wenig sinnvoll, aber alleine schon die industriellen Anwendungen benötigen einiges an Infrastruktur.


    Grundsätzlich gibt es auch eine Reihe von "Nature based" solutions, von Bäume pflanzen bis hin zu bestimmte Steine an den Strand werfen.



    M.E: ist die "indirekte Hauptkonkurrenz" für CCUS aber die "Circular Economy". Es kommen mehr und mehr Lösungen an den Markt, wo man die CO2 Einsparung durch intellegentes Recycling erzeilt, z.B. auch Betonrecycling.


    Eine ganz interessante Story istz.B. Pyrum die es geschafft haben Auoreifen vollständig zu recyceln. Die haben gerade eine Art "stealth IPO" in Norwegen gemacht und handeln ab 29. September. Die stehen bei mir ganz oben für meinen "Basket".


    insgesamt aber ein hoch spannendes Gebiet und ich freue mich auf den nächsten Post.


    Full Disclosure: Aker Horizon halte ich auch. Aker ist m.E. eine Top Firma.

  • Passend zum Thema heute ein Artikel in der SZ (ohne Bezahlschranke).

    Scheinbar kommt das Thema also auch hierzulande langsam an.


    https://sz.de/1.5419278

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  • Finde des Thread ebenfalls sehr spannend - ich wollte mich schon länger in das Thema einlesen, aber kam nie dazu.

    Deswegen, Danke an woodpecker , dass du die grundlegenden Begriffe erklärt hast.


    Ich bin ja Landwirt und möchte deswegen, ergänzend, auf eine weitere Möglichkeit hinweisen um CO2 zu speichern. Und zwar durch Humus-Aufbau auf den Ackerflächen. Man geht davon aus, dass eine Erhöhung um 1 Prozentpunkt (innerhalb der obersten 25cm Bodenschicht) ca. 40to CO2 bindet.


    Aus Erfahrung kann ich berichten, dass wir innerhalb der letzten 20 Jahre unseren Humusgehalt um 3 Prozentpunkte erhöht haben. Hauptsächlich durch die Düngung mit Kompost. Dadurch wurden 120to CO2 gebunden. Sprich ca. 6to CO2 pro Jahr. Wenn man das mit den 1.32mio ha Ackerfläche in Österreich multipliziert, kommt man auf ~8mio to CO2 Bindung pro Jahr. Das entspricht 10% des Ausstoßes von Österreich.


    Wie weit man den Humus noch Aufbauen kann, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Deswegen finde ich auch Technologien sinnvoll die CO2 speichern.

    Ich wollte damit nur aufzeigen, dass es auch ganz "einfache" und natürliche Methoden gibt um CO2 zu speichern - und die jetzt schon funktionieren (neben den erwähnten Bäume pflanzen und Steine von MMI)


    Wen das Thema interessiert - anbei ein PDF.


    PS: Man kann sogar schon als Landwirt CO2 Zertifikate verkaufen.

    Ganz einfach: Humusgehalt messen lassen, dann Humus aufbauen und 5 Jahre später erneut messen lassen. Dann erhält man ein Zertifikat über die gespeicherte Menge, welches man handeln kann. (bzw. man erhält gleich das Geld)


    Eine ganz interessante Story istz.B. Pyrum die es geschafft haben Auoreifen vollständig zu recyceln. Die haben gerade eine Art "stealth IPO" in Norwegen gemacht und handeln ab 29. September.

    Gibt es ein Prospekt oder sonstiges Informationsmaterial dazu? Ich habe keinerlei Informationen gefunden


    Es gibt noch eine andere Firma die annähernd das Selbe macht: Quantafuels

    Sie behaupten von sich selbst, dass sie die Ersten sind und sprechen von first-mover-advantage.

    Trotzdem trat der CEO (der 2.5% hält) vor Kurzem zurück. Nachfolger gibt es noch keinen - der Rücktritt kam anscheinend überraschend für das Unternehmen?

  • PS: Man kann sogar schon als Landwirt CO2 Zertifikate verkaufen.

    Ganz einfach: Humusgehalt messen lassen, dann Humus aufbauen und 5 Jahre später erneut messen lassen. Dann erhält man ein Zertifikat über die gespeicherte Menge, welches man handeln kann. (bzw. man erhält gleich das Geld)

    Ich finde Humusaufbau Klasse, im Biolandbau findet das schon immer statt. Allerdings sind das meines Wissens eher privatwirtschaftliche Kohlenstoffdioxid-Zertifikate, die von den Herausgebern zur Werbung für ihre nachhaltigen Produkte genutzt werden und haben mit dem offiziellen Zertifikatehandel nichts zu tun. Ansonsten müssten Landwirte, die Humus abbauen, die Zertifikate wieder zurückkaufen. Trotzdem Top und zudem belohnt durch eine schöne Einnahmequelle.

  • CCS steht in der EU bei Zement und Kalk bevor. Bei der Herstellung von Zementklinker, dass ist die Hauptzutat für Zement, wird beim Brennen Co2 aus den Grundstoffen frei. Dieser Anteil ist höher als der Anteil durch die Erzeugung der Hitze fürs Brennen (>1400°C) durch Autoreifen und andere Ersatzbrennstoffe (und KOhle etc.) Diese Emssionen kann man nicht umgehen sondern nur mit CCS/CCU begrenzen.

    Für die Herstellung von Branntkalk gilt das gleiche.


    Wenn die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten in der EU ausläuft, wird entweder CCS kommen mit der Grenzausgleichsabgabe für Importe oder die Zementproduktion wird gehen. Aber der operative Beginn wird nicht vor in 4 Jahren sein.

  • Stimmt

    "Es ist nicht der Stärkste, der überlebt, auch nicht der Intelligenteste, sondern der, der sich am besten anpassen kann" - nach Charles Darwin

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