KGV, KBV, KCV & andere Kursrelevante Zahlen

  • Es gibt hierzu ja im weiteren Sinne nur den O'S-Thread.
    Auch wenn ich "die Bibel" schätze, so ist sie natürlcih nicht die alleinige Wahrheit.


    Zu den Kursrelevanten Kennzahlen gehört:
    KUV
    KCV
    KBV
    KGV
    Divi%
    RS
    KGV10
    Marktkapitalisierung
    ...und was auch immer eben die Variable Kurs beinhaltet.


    Und hier meine erste Ftage (ich habe natürlich auch schon eine Meinung dazu):
    Wer benutzt z.B. folgende Strategie?
    Bedingung zur Auswahl:
    gutes KBV, schlechtes KGV?
    alternativ: gutes KBV, schlechtes KCV?


    (Schlechtes KGV im Sinne von hohem KGV bzw. negativem KGV, gutes KBV im Sinne von "unter Buchwert notierend")


    Gruß, Joe

  • KGV als alleiniges Kriterium: Aktien mit günstigem KGV sind besser als solche mit schlechtem. Das ist ziemlich sicher.


    Aktien mit sehr guter Marge neigen zur "Reversion to the mean". Verschiedene Quellen legen dies nahe und ist irgendwie auch logisch. Gäbe es ein Produkt, dass einem eine dauerhaft hohe Marge verspricht, dann wären doch alle blöd, die ein anderes Produkt herstellen. Schließlich würde es auf der Welt nur noch ein einziges Produkt geben, nämlich jenes mit der höchsten Marge. Trotz des Titels dieses Threads muss ich auf diesen Margensachverhalt zurückkommen, man bedenke aber dabei auch, dass das Verhältnis KUV/KGV = Marge ist.


    Wenn also Aktien überdurchschnittliche Gewinne einfahren, dann haben sie eine überdurchschnittliche Marge. Mit hohen Gewinnen ist aber auch das KGV tendenziell besser.
    Meine Schlussfolgerung: Nun wird das gute KGV nicht deshalb langfristig so gut abschneiden, weil man damit Firmen kauft die gute Gewinne haben, sondern deshalb, weil das KGV die Kurskomponente berücksichtigt. Kommt also ein sehr gutes KGV deshalb zustande, weil die momentane Gewinnsituation ein Rekordgewinnergebnis darstellt, so ist das nicht so gut, als wenn das KGV dadurch zustande kommt, weil der Kurs so niedrig ist.
    Obwohl einen als Aktionär letztendlich interessiert wie viel man Gewinn mit dieser Aktie macht, so zeigt sich, dass das KGV als alleiniges Kriterium zwar gut, aber nicht sehr gut ist.
    Ich nehme an, dass es nicht so sehr daran liegt, dass die Gewinne leichter manipulierbar sind als andere Kennazahlen (reine hypothetische Spekulation von mir), sondern es an dem Widerspruch liegt weshalb das KGV günstig ist:
    a) weil der Kurs so niedrig ist (=Gewinnsituation zwar positiv aber nicht Rekordgewinn)
    b) weil die Gewinnsituation derzeit gerade Rekordgewinn anzeigt (Kurs also nicht billiger geworden ist, sondern die Marge ausserordentlich hoch ist).


    Tatsächlich habe ich bei den Analysen von LSV gelesen, dass die Kombination KBVxKGV zwar gute Werte anzeigt wenn sowohl KBV als auch KGV gut ist.
    Allerdings zeigte die Analyse auch, dass die Kombination schlechtes KGV und gutes KBV auch eine starke Überrendite bringt.
    Das ist erstaunlich. Nur Datamining?
    Aber auch beim schlechten KCV und gutem KBV zeigt sich das gleiche Bild. Immer noch Datamining?
    Da KCV und KGV ähnlich sind (beide orientieren sich am Gewinn, nur beim Cashflow sind noch nicht Abschreibungen rausgerechnet), so wundert mich auch ein ähnliches Ergebnis nicht.


    Nun glaube ich, dass es noch besser wäre, wenn man die Kombination nimmt: Marge unterdurchschnittlich zum langjährigen Durchschnitt, KBV niedrig.
    Ich hätte mir nie träumen lassen, nocheinmal Gedanken zur Marge zu verschwenden.


    Dieser Ansatz wäre auch dem Forumsnamen gerecht. Antizyklisch investieren: Günstige Aktien (gefunden mittels KBV), die gerade unterdurchschnittlich Gewinn machen. Dann wartet man nur noch ab, bis ein überdurchschnittliches Jahr vorbeikommt, und schon ist der Turnaround geschafft.
    Zu dieser Strategie muss die Firma aber fähig sein, eine Durststrecke durchstehen zu können. Ich würde als nicht zu starke verlustschreibende Firmen suchen, sondern evtl. solche, die zwar Gewinn machen, dieser aber unterdurchschnittlich ist, oder zumindest deren Verluste nicht gleich Herzklopfen verursachen. Hier wäre auch eine hohe EK-quote hilfreich.


    Wem das mit der Marge zu schwierig ist, kann stattdessen auch lieber die Kombination KGV10 + KBV nehmen. Durch das glätten der Gewinne werden Rekordgewinne in der Bewertung abgeschwächt. Ein KGV10 ist vielmehr immer dann günstig, wenn es am günstigen Kurs liegt, und weniger beeinflusst durch die aktuellen Rekordgewinne.
    Oder einfach nur prüfen, ob das aktuelle KGV deshalb so günstig ist, weil der Gewinn so hoch ist.


    Gruß, Joe

  • Quote

    Original von Joe
    ... Gäbe es ein Produkt, dass einem eine dauerhaft hohe Marge verspricht, dann wären doch alle blöd, die ein anderes Produkt herstellen. ...


    Das sehe ich nicht so! Es gibt immer wieder Unternehmen, die es schaffen weit über der Durchschnittsmarge zu wirtschaften.


    Bsp.


    Schlecker ist bald an jeder Ecke zu finden, nur damit es sich für die anderen Ketten nicht lohnt. Ich denke nicht das Schlecker eine sehr hohe Marge hat, deshalb sind die Löhne auch sehr bescheiden!


    Brigitte Bijou hingegen, expandiert sehr behutsam und schließt auch Filialen die ihre Marge nicht schaffen.


    Desweiteren gibt es Firmen die aus einem Spezialisten einen Gemischtwarenladen machen, die machen dann alles aber nichts richtig!


    Quote

    Original von Joe
    ... Kommt also ein sehr gutes KGV deshalb zustande, weil die momentane Gewinnsituation ein Rekordgewinnergebnis darstellt, ...


    Meiner Meinung nach, wird eine Aktie zu einem niedrigen KGV gehandelt, wenn kein Interesse da ist bzw. die Gewinnaussichten nicht sehr hoch sind.
    Bei den Aktien mit hohem KGV sind die Gewinnaussichten hoch oder die Aktie ist "in".


    Es gibt genug Aktien die bei steigenen Gewinnen fallen und auch genug Aktien bei denen das KGV garnicht existiert, aber die Aktie "explodiert"!


    Quote

    Original von Joe
    ...
    Ich hätte mir nie träumen lassen, nocheinmal Gedanken zur Marge zu verschwenden.


    Meiner Meinung nach, liegt aber hier der Schlüssel!
    Wenn eine hohe Marge und ein günstiges KGV, KBV oder KUV zusammentreffen und die Firma langfristige Erfolge vorweisen kann, dann könnte es eine gute Gelegenheit sein zu investieren!


    Ein niedriges KGV ist erstmal gut, aber wenn die Firma langfristig nicht wächst, dann kann es sein das der Kurs explodiert ("in"-Firma) oder auch das nix passiert!
    Wenn man aber in eine Aktie mit Wachstum und niedrigem KGV investiert, dann erhält man zwei Chancen. Das Sie in wird und das Wachstum den Kurs schiebt, weil das KGV niedrig bleibt!


    Bei einem hohen Buchwert, sind auch Sprünge möglich, aber auch das das Geschäft den Buchwert frisst.


    Und Umsatz ohne Marge? - Neuer Markt ;-).


    Bei der Analyse sollte man auf Umsatz, Gewinn (Marge), Eigenkapital und Dividende achten.
    Meiner Meinung gibt es da keine Kennzahl die den Unternehmenswert allein wiederspiegeln kann!


    Ohne Marge, kein Gewinn. Ohne Umsatz, keine Marge. (KGV/KUV)
    Viel Gewinn, viel Eigenkapital. Das Eigenkapital kann man durch Dividende verringern. (KGV/KBV/DivRend.)


    Es kommt meiner Meinung mehr darauf an was mit dem Gewinn passiert.


    - neu Investiert, mehr Umsatz, (wohin geht die Marge)
    - Eigenkapital wird gehortet (viel ungenutztes Kapital) - Dividende ist dann besser


    Man kann also an vielen Schrauben drehen um eine Firma günstige Kennzahlen zu verpassen. Es gibt Jahre da schaffen die meisten Unternehmen gute Kennzahlen und Jahre da schaffen es nur wenige!


    Das sieht man zur Zeit bei den Banken ganz gut - im Prinzip machen ja alle das selbe! ;-)


    Quote

    Original von Joe
    ... Dann wartet man nur noch ab, bis ein überdurchschnittliches Jahr vorbeikommt, und schon ist der Turnaround geschafft. ...


    Und wenn das Jahr nicht kommt, dann get es weiter in den Keller und mit jedem Wartejahr fällt die Rendite!



    Ich denke es ist einfacher, aber langweiliger auf Unternehmen zu setzen die langfristig ihre Gewinn über 10% p.a. steigern und dabei ihre Kennzahlen stetig verbessern! (Nicht jedes Jahr, aber stetig)


    Dann kann man auch Durststrecken mit schlechtem KGV überstehen, denn der Kurs wird dann vom Gewinn geschoben - bei gleichem KGV.

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.«
    Buffett

  • Quote

    Marge unterdurchschnittlich zum langjährigen Durchschnitt, KBV niedrig. Ich hätte mir nie träumen lassen, nocheinmal Gedanken zur Marge zu verschwenden.


    Nana, Joe, Du kennst die Lösung, auf die ein sehr schlauer Kopf gekommen ist ...


    Ich den Gedanken gut nachvollziehen - ich dachte schließlich genauso. Eine Aktie, die mit KGB 0,5 notiert, ist eigentlich immer billig, egal, was witchdream mir weismachen will (Ob sie aussichtsreich ist, ist wieder eine andere Frage, denn mit hohen Verlusten ist die Aktie zweifellos riskanter als mit Gewinn).
    Jedoch: Kann eine Aktie schlechter sein, wenn zusätzlich, also bei gleichem Kurs, noch Gewinn gemacht wird? Zwei sonst gleiche Aktien: Die eine mit KGV 8, die zweite mit KGV 32. Das heißt doch aber nichts weiter, als daß das zweite Unternehmen den Gewinn verdoppeln muß, um erst normal bewertet zu sein, und das zweite umgekehrt einen Einbruch haben darf.
    Mehr geht aus diesen Zahlen nicht hervor! Selbst wenn die Normalisierung der Gewinne kommt - sie ist exakt vorweggenommen (und zwar bezogen auf die Eigenkapitalrendite, bei der am ehesten eine Normalisierung zum gleichen Mittelwert zu erwarten ist - und zwar vorweggenommen wegen des gleichen Buchwerts; über die Umsatzrendite dagegen wissen wir nichts). Und bevor ich auf eine nur mögliche Normalisierung spekuliere, von der ich noch gar nichts habe, nehme ich doch lieber den Spatz in der Hand - auch wenn mir ein niedriges KGV alleine nicht ausreicht. Ich glaube also nicht, daß jemand mit Dir hier über "gutes KBV, schlechtes KGV" diskutieren möchte.
    Bei KGV von 5 kann man schon schwach werden, aber ich kaufe dennoch auch ungern Aktien, die gerade einen Rekordgewinn hingelegt haben. Das tendiert definitiv nicht dazu, sich zu verbessern. Und das zeigt sich immer und immer wieder: Die große Chance ist, wenn der Gewinn gerade nicht so gut ist.


    Also die Umsatzrendite betrachten. Nicht absolut (=im Verhältnis zu anderen Unternehmen), da die Marge sich in verschiedenen Branchen unterscheidet, sondern im Verhältnis zur eigenen Geschichte. Und schwupp, ist man bei Winters formidabler Geheimzahl. :)
    Dann steht das aktuelle KGV auch überhaupt nicht mehr im Widerspruch dazu, jedenfalls nicht systematisch wie bei allen anderen Betrachtungen.

  • Winter :
    Der Befund "gutes KBV, schlechtes KGV" ist nuneinmal, dass es hier eine starke Überrendite gab.
    Nur das mit dem schlechten KGV in Verbindung mit gutem KBV ist analog wie Dein Beispiel: "Menschen mit großen Füßen verdienen mehr als Menschen mit kleinen Füßen." Ursache ist aber eigentlich eine andere, nämlich dass Männer größere Füße als Frauen und Kinder haben, die weniger als Männer verdienen.


    Ich weiß selber noch nicht so genau, auf was ich hinausmöchte, kann euch aber an meinen Gedanken teilhaben lassen:
    ein Mehrfiltersystem dass aus so klar offensichtlich "guten" Kennzahlen wie KBVxKGV bzw. KBVxKCV besteht, kann einen aufs Glatteis führen.
    Nehme ich z.B. ein System "A" wie folgendes:
    (KBV_Rang + KGV_Rang)/2 = Rang_des_Systems_"A"
    --> dann könnte das System nur mittelprächtig funktionieren. Die Spreizung von oben nach unten ist keine Eindeutige. Bei den Largestocks ergab ausgerechnet "gutes KBV, schlechtes KGV" die größte outperformance, bei Allstocks nimmt es sich nicht viel ob ich nun "gutes KBV, schlechtes KGV" oder "gutes KBV, gutes KGV" kombiniere.
    Da könnte man genausogut möglicherweise auf das KGV verzichten und besser nur KBV nehmen.


    b) Ich nehme an, dass die Komponennte "Kurs" im puren ein-Filter-System KGV mehr "Gewicht" hat als die Komponente "Gewinn". Ich vermute, dass die Gewinne nicht so schwanken wie es der Kurs tut. Wir hatten einmal spaßeshalber das KMV diskutiert (Kurs-Mitarbeiter-Verhältnis). Diese Kennzahl würde vermutlich auch funktionieren, vermutlich insbesondere wegen der Kurs-Komponente. Ich habe den Verdacht, dass es beim KGV nicht anders ist. Ein hoher Gewinn ist nicht vorteilhaft im Sinne des Überraschungs-Aspektes. Der Überraschungsaspekt ist jedoch der Grundgedanke des Valueorientierten Ansatzes. Man kann Überraschungen nicht planen, und wir hatten ja erst kürzlich die Diskussion, ob es noch Sinn macht, ein Rangsystem zu entwickeln, dass den kleinsten Huster noch auf die Waage legt.
    Ein hoher Gewinn birgt vermutlich kein großes Überraschungspotential. Warum also ist dann ein günstiges KGV dann dennoch erfolgversprechend? Ich denke, dass es nicht am guten Gewinn, sondern am niedrigen Kurs liegt.



    dev : einzelne Unternehmen können sicherlich eine Ausnahme bilden (z.B. monopolartige Unternehmen).
    Für eine Mechanische Strategie die versucht 50 günstige Aktien zu filtern, da zeigt sich statistisch erwiesen, dass es im großen und ganzen ein Reversion to the mean gibt. Das kann man nicht wegargumentieren.
    Man kann allenfalls Ausnahmen finden, das dann schon.
    Nur rede ich hier von dem vollen Aktienuniversum, oder zumindest von Aktien deren Marktkapitalisierung über dem Durchschnitt liegt. Also geht es hier um Durchschnittswerte von einer erheblich großen Zahl.


    folgendes von Dir geht auch schon sehr in meine Denkrichtung:

    Quote

    Meiner Meinung nach, wird eine Aktie zu einem niedrigen KGV gehandelt, wenn kein Interesse da ist bzw. die Gewinnaussichten nicht sehr hoch sind.
    Bei den Aktien mit hohem KGV sind die Gewinnaussichten hoch oder die Aktie ist "in".


    Die Frage ist nur, wann ist das Überraschungspotenzial im positiven Sinne höher? Schlussfolgerung wäre dann so oder so, Aktien mit niedrigem KGV zu kaufen.
    Und was ist in dem Fall, wo eine Firma einen Rekordgewinn hingelegt hat, das KGV aber dennoch niedrig ist? Die Gewinnaussichten werden dann immer noch für niedrig gehalten. Trifft es dann tatsächlich ein, was man erwartet (nämlich niedrigere Gewinn), dann sehe ich darin aber keine Überraschung. Hingegen ist die Wahrscheinlichkeit das solche Aktien noch höhere Gewinne in Zukunft abwerfen auch nicht so gut zu sein, wegen dem Reversion to the mean Gedanken. Im Jahr 2003 war es tatsächlich so, dass das KGV ziemlich schlecht war, heute im Jahre 2007 hingegen erscheinen die KGVs relativ günstig. (Anders ist das natürlich bei der KGV10-Betrachtung)



    Gruß,
    Joe
    P.S. Winter :

    Quote

    Ich glaube also nicht, daß jemand mit Dir hier über "gutes KBV, schlechtes KGV" diskutieren möchte.


    Abwarten! Es gab weiß gott schon dümmere Themen, so uninteressant finde ich es nicht. Mehrfiltersystem dürften einige hier im Forum benutzen, die sind schwer getroffen, auch wenn es ihnen möglicherweise nicht klar ist.

  • Quote

    Original von Joe
    Und was ist in dem Fall, wo eine Firma einen Rekordgewinn hingelegt hat, ...


    Ich finde es Interessant das du dir Aktien ins Depot legen willst, die nur durch eine Überrachung an Wert gewinnen können!

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.«
    Buffett

  • Ich möchte noch hinzufügen: Ich kann Deine Überlegungen nachvollziehen und nichts darin entdecken, wo ich anderer Meinung wäre. Würde auch schwerfallen, denn Du hast mich beim Wort genommen, als ich schrieb, daß man solche Befunde nicht ignorieren könne, und hast auch die richtigen Zahlen herausgegriffen. (Eine Anmerkung muß ich noch machen, der Vollständigkeit halber: In der von witchdream zitierten Studie sind nicht alle Unterteilungen gleich groß, die zweite Kennzahl bezieht sich glaube ich nicht auf die vorherige Einteilung nach der ersten Kennzahl, sondern wiederum auf die Grundgesamtheit.)


    Nur in einem Punkt möchte ich korrigieren: "Der Überraschungsaspekt ist jedoch der Grundgedanke des Valueorientierten Ansatzes."
    Der Grundgedanke des antizyklischen Ansatzes - reine Value-Investoren hätten sicherlich nichts gegen gute Gewinne! Antizykliker natürlich auch nicht - aber möglichst erst nach dem Kauf.


    Die von mir angebotene Lösung erklärt zwar nicht genau den vorliegenden Befund, weist aber in die "richtige" Richtung, in ursächlicher Betrachtung. Ich habe dargelegt, warum eine rein gegenwartsbezogene Betrachtung mit (schlechtem) aktuellem KGV nicht zielführend sein wird. (oder?)
    Was Du forderst, ist doch: Die Rendite soll aktuell unterdurchschnittlich sein; es soll noch Potential vorhanden sein. Und die Aktie soll "billig" sein.
    Beispiel: Eine Aktie, deren Gewinn in einem Jahr eingebrochen ist, und deren Kurs soweit gefallen ist, daß er nur noch das vierfache des früheren Gewinns beträgt, ist billig, egal wie hoch das aktuelle KGV ist. Wenn der Kurs soweit gesunken ist, daß selbst das aktuelle KGV noch billig ist, trotz des Minigewinns, dann um so besser.


    Für mich ist das alles nichts prinzipiell Neues. Lediglich die Zusammenstellung der konkreten Kriterien kann noch neu sein, da bin ich noch nicht festgelegt. Es gibt mehrere Möglichkeiten, den beiden Kriterien genüge zu tun.


    Das KMV ist doch gar nicht so absurd. Genauer könnte man auch die Personalkosten nehmen, aber der durchschnittliche Verdienst wird gar nicht so dramatisch unterschiedlich sein in der Großzahl der Betriebe, außer vielleicht in ganz kleinen Beratungsunternehmen oder Steuerkanzleien oder so, mit wenigen hochspezialisierten Kräften. Die Mitarbeiteranzahl ist also ein guter Proxy dafür. Und mit Karl Marx könnte man argumentieren, daß der Mehrwert schließlich maßgeblich der menschlichen Arbeitskraft entspringt. Man würde also darauf setzen, daß in der Tendenz die Mitarbeiter gleich viel zum Gewinn beitragen werden, oder daß die Mehrwertrate zum Mittelwert tendiert. Dieses Karl-Marx-Verhältnis halte ich für sogar aussagekräftiger als den Umsatz. Unschärfen gibt es bei allen anderen Kennzahlen schließlich genauso. Natürlich wird die Finanzierungsstruktur (Schulden) dabei (auch) nicht berücksichtigt.


    Es gibt übrigens noch eine weitere kursrelevante Kennzahl, die wirklich absurd ist, nämlich die Verschuldung gemessen im Verhältnis zum Kurs. Und man ahnt es schon: auch hier war der niedrige Kurs vorteilhaft. Manche haben das so interpretiert, daß Verschuldung, die auf diese Weise gemessen wird (hohe Verschuldung relativ zum Börsenwert), positiv sei. Das ist mit Sicherheit nicht der springende Punkt. Die Ursache wird im niedrigen Kurs zu suchen sein.

  • Quote

    Original von Joe
    Dev, hast du Dir schon mal Gedanken zum Namen dieses Forums gemacht?


    Antizyklisches Verhalten bezeichnet Vorgänge, die sich entgegen der allgemeinen Erwartung oder entgegen den üblichen Verhaltensmustern bewegen.


    Hier im Forum ist eine schöne Bunte Mischung aus allen Bereichen ;-).

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.«
    Buffett

  • Antwort auf Paeda's Frage im Depotthread Donglengcha:


    Quote

    Original von paeda
    Wie berechnet ihr eigentlich die Kursziele?


    Also zumindest bei mir ist das erheblich unwissenschaftlicher als es klingt:


    Für die entscheidenden Value-Kennzahlen
    KBV, KGV, K(FCF)V, KUV, Divi-Rend. und KPV5 habe ich einmal jeweils das m.E. "faire" Multiple festgelegt, inspiriert durch Diskussionen hier und durch diverse Literatur.


    Daraus ergibt sich je Kennzahl nun ein Kursziel.
    Diese werden nach der speziellen Woodpeckerschen Rezeptur gewichtet und zu einem Kursziel vereint.


    Darauf angewendet werden nun gewissen Modifikatoren, und zwar teilweise nach festem Schema (z.B. RS, EKQ, Verschuldung, hoch, mittel, niedrig, Eigentümergeführt usw.), teilweise händisch bzw. nach Bauchgefühl (Abschläge für fies schauende Vorstände, Eierfirmen im Osten usw.).


    Fertig ist das finale Kursziel.


    Daneben gibt es noch ein paar rote-Ampel-Flags, mit denen ich versuche value traps auszusortieren.


    Alles in allem würde ich nicht behaupten, dass meine Kursziele wirklich exakt den wahren Wert einer Aktien widerspiegelt. Aber ich denken im Mittel kommt das ganz gut hin, und das ist alles was bei meiner Stategie zählt.


    Vorallem habe ich festgestellt, dass es mir erheblich leichter fällt, eisern zu halten oder zu verkaufen, wenn ich ein Kursziel vor Augen habe. Grade bei einer großen Anzahl von Werten muss man sich da disziplinieren und automatisieren, es wäre da nicht machbar und sehr fehleranfällig sich ständig eine neue Meinung zu bilden.


    Und die Automatisierung des Verkaufs hat noch den Vorteil, dass sie die eigenen behavioral Effekte zumindest teilweise ausschaltet, habe gemerkt dass das mir persönlich sehr hilft.


    Gruß,
    wp

    "Calm seas never made a good sailor"

    "I am not at all cynical, I have merely got experience, which, however, is very much the same thing" - Oscar Wilde


  • Hallo woodpecker,


    leider eine späte Rückmeldung meinerseits, jedoch stecke ich gerade im Prüfungsstress und habe kaum Zeit für die Aktien.


    Deine Vorgehensweise finde ich sehr spannend.
    Ich bin zwar noch nicht so weit wie einige hier im Board aber mein langfr. Ziel ist ebenfalls so viel wie möglich zu automatisieren um die emotionale Belastung zu reduzieren.


    Nächstes mal wieder ausführlicher : - )