KCIr10 - MMIs neuer Indikator

  • Ein etwas reißerischer Aufmacher, aber ich denke mal ich habe einen (zumindest für mich) sehr interessanten Indikator entwickelt.



    Mein Grundproblem war folgendes:


    Unter den aktuellen Bilanzierungsregeln gibt es ja leider keine Kontinuität mehr beim Eigenkapital.


    Früher galt ja: Eigenkapital t-1 + Gewinn lfd. Jahr - Divd. = Eigenkapital t


    Als Aktionär war klar, mein Eigenkapital hat sich um den Gewinn erhöht und wird entweder thesauriert oder als Dividende geschüttet.


    Mittlerweile werden aber so viele Vorfälle direkt ins Eigenkapital gebucht, dass dies v.a. bei Finanzfirmen aber auch in anderen Fällen die Gewinnzahlen relativ beliebig erscheinen lässt.


    In den IFRS Berichten gibt es eine nachrichtliche Zeile die gerne überlesen wird, das sogenannte "Comprehensive Income", das den Gewinn plus Eigenkapitalveränderungen zeigt, dies juckt aber meistens niemanden.


    Das hat natürlich auch Auswirkungen auf ansonsten sehr gute Kennzahlen wie KGV 10. So ist momentan das KGV 10 für Werte wie Allianz und Co. relativ günstig, trotzdem hat man als Aktionär nicht mehr Anteil am Eigenkapital wie vor 10 Jahren (inkl. Dividenden).


    In einem Ersten Schreit errechne ich jetzt mit einem entsprechenden Screener für meine Werte statt dem KGV 10 jetzt einen Wert den ich "KCI10" nenne, also der aktuelle Kurs geteilt durch das durchschnittliche Comprehensive Income über die letzten 10 Jahre.


    (P.S. Das historische Comprehensive Income errechne ich mir über BW t -BW t-1 + Div t)



    Bei der Deutschen Bank ergibt sich z.B. ein KGV 10 von 7,5, mein KCI 10 ist mit 12,5 schon deutlich höher. Bei der Deutschen Telekom wird aus einem KGV 10 von 19.8 ein KCI von -67.



    Man muss zwar bei der Zahl aufpassen, wenn z.B. die Accounting Methode wechselt, aber um diese Spezialeffekte zu zeigen funktioniert es schon ganz gut und erleichtert Vergleiche zwischen verschiedenen Industrien.


    In einem zweiten Schritt habe ich mir noch überlegt, wie man die Ergebnisvolatilität bzw. die unterschiedlichen Risikoprofile der Firmen systematisch in diese Kennzahl einrechnen kann.


    Dazu ist mir (ohne größere wissenschaftliche Untersuchung) folgendes eingefallen:


    Als "Eigentümeraktionär" wünsche ich mir eine möglichst stabile und positive Gewinn bzw. CI Entwicklung. Im Prinzip ist mir egal ob das als Dividende oder Erhöhung des Eigenkapitals passiert. Eine relativ stabile Gewinnentwicklung über einen 10 Jahres Zeitraum (insbesondere 2000-2009) müsste Annahme gemäß mit einem relativ risikoarmen Geschäftsmodell einhergehen, sei es durch niedrige Verschuldung, starke Marktposition oder beides.



    Ich rechne nun für jedes einzelne Jahr die Rendite des CI vs. das jeweilige Eigenkapital. Dann errechen ich eine Art Sharpe Ratio, d.h. die durchschnittliche Rendite geteilt durch die Standardabweichung der jährlichen CI Renditen.


    Zu guter letzt teile ich dann das KCI Ratio durch diesen Risikofaktor und erhalten dann mein KCIr.


    Eine hohe Durchschnittsrendite und eine niedrige Standardabweichung senkt also das KCIr, demnach je kleiner der Wert desto interessanter die Aktie.


    Um das Ganze mal ein bisschen empirisch zu testen habe ich mir einen Screener mit bislang rund 300 Aktien gebastelt um das Ganze durchzurechnen, u.a. die meisten hier im Board diskutierten Aktien.


    Ein gutes Beispiel für eine negative Überraschung ist die Eifelhöhenklinik,. Hier wird aus einem KGV10 von ca. 7.8 ein KCI10 von 16.5 und ein KCIr 10 von 39. D.h. zum einen scheint EIF in der Vergangenheit einige negative Effekte direkt im EK erfasst zu haben, zum anderen war die Volatilität des CI im Vergleich zur Höhe relativ schlecht (3.63% p.a. CI, 8,6% Stabw).


    Gegenbeispiel wäre AS Creation: Ausgehend von einem KGV10 von knapp 11 kommt man auf ein KCI10 von 10,4 und auf ein sensationelles KCIr10 von 3,0. Das liegt daran, das AS Creation ca. 13,3% CI per annum schafft, aber nur eine ganz geringe Stabw von 3,8% und das über 2 Wirtschaftskrisen....


    Spaßeshalber habe ich mal ein paar "Buffetaktien" in den Screener aufgenommen, und siehe da, einige Werte z.B. Coca Cola oder Johnson & Johnson schneiden deutlich besser ab als man auf den ersten Blick glaubt.


    Wie setzt man diesen Indikator am besten ein? Ich denke, er ist am besten geeignet um "günstige langweilige" Aktien zu finden, die ohne allzu große Risiken Jahr für Jahr ihre Renditen erzielen ohne große Schwankungen und dafür recht preisgünstig sind.


    Nicht erwischen wird man damit z.B. Unternehmen die nach langer Durststrecke einen Turnaround hinlegen. Aber für das muss man glaube ich ohnehin andere Zahlen anschauen.



    Eine entsprechende Liste der "Top Werte" nach dieser Kennzahl kommt in Kürze...


    MMI


    P.S. Kommentare zur Vorgehensweise sind natürlich hochwillkommen!!!!

  • Anbei mal eine leider unformatierte Liste der Top 30 Werte:


    Name KGV 10 KCI10 CI% p.a. Stabw "Sharpe KCIr10



    BRICORAMA SA 8.33 8.40 14.29% 3.8% 3.798295752 2.21
    SAMSE SA 9.87 8.73 19.09% 4.9% 3.917477749 2.23
    BELL HOLDING AG-REG 14.16 15.23 11.17% 2.0% 5.685644618 2.68
    FOMENTO DE CONSTRUC Y CONTRA 6.21 7.58 16.22% 5.9% 2.744834445 2.76
    BANCO POPULAR ESPANOL 6.82 6.60 19.08% 8.1% 2.350440199 2.81
    BARRATT DEVELOPMENTS PLC 2.82 1.98 23.80% 33.8% 0.70378994 2.82
    ENEL SPA 7.58 7.39 12.61% 4.8% 2.616436908 2.83
    PISCINES DESJOYAUX SA 8.84 8.57 17.32% 5.7% 3.040017536 2.82
    CEMENTOS PORTLANDVALDERRIVAS 2.89 3.90 11.69% 8.5% 1.369691314 2.85
    AS CREATION TAPETEN 10.83 10.29 13.28% 3.8% 3.484510195 2.95
    BUZZI UNICEM SPA-RSP 3.58 4.33 14.21% 12.6% 1.130195737 3.83
    LANNEN TEHTAAT 15.30 12.25 8.00% 2.7% 2.988427655 4.10
    GAS NATURAL SDG SA 8.82 10.83 13.25% 5.2% 2.561458284 4.23
    ENI SPA 8.00 8.76 19.06% 9.3% 2.03929045 4.30
    GROUPE GUILLIN 11.88 9.96 18.42% 8.0% 2.310366227 4.31
    SACYR VALLEHERMOSO SA 4.58 4.48 13.55% 13.1% 1.031676541 4.34
    SCHLOTT GRUPPE AG 3.39 2.47 6.75% 12.0% 0.561469938 4.40
    TSAKOS ENERGY NAVIGATION LTD 7.16 5.62 18.36% 14.5% 1.269411227 4.43
    HORNBACH BAUMARKT AG 13.39 11.18 13.13% 5.6% 2.349124424 4.76
    PIERRE & VACANCES 8.89 8.64 23.02% 13.2% 1.740900326 4.96
    ANDREAE-NORIS ZAHN AG 10.28 8.77 10.17% 5.8% 1.759288208 4.99
    GEVELOT SA 5.79 4.31 7.61% 8.9% 0.850221207 5.07
    LACROIX S.A. 8.38 7.02 14.30% 11.3% 1.262840194 5.56
    DONEGAL CREAMERIES PLC 7.71 6.26 11.95% 10.9% 1.091788321 5.73
    SIXT AG - PRFD 6.58 9.03 12.98% 8.3% 1.565165275 5.77
    GAME GROUP PLC 7.83 7.38 16.45% 12.8% 1.281021085 5.76
    A2A SPA 11.59 10.06 12.44% 7.2% 1.722501709 5.84
    OMV AG 8.89 9.20 20.51% 13.1% 1.565524696 5.87
    RENK AG 14.80 15.80 20.40% 7.7% 2.645416222 5.97
    TOTAL SA 9.65 13.12 16.41% 7.6% 2.165503255 6.06



    Einige auch hier im Board sehr bekannte Namen sind dabei. Zum Glück auch ein paar von meinen Werten.


    Edit : grundgesamtheit momentan gut 265 Aktien, wird laufend erweitert ;-)
    MMI

  • *ListemitTopwertenhabenwill*


    Nein ehrlich eine hervorragende Idee um gute interessante Werte zu filtern.


    Ich habe bei mir im Screening-Modell eine Variable eingebaut die ähnlich funktioniert. Sie schaut im Grunde wie sich der Buchwert+Dividenden im Verhältnis zu den Gewinnen entwickelt hat. Gibt es große Abweichungen vom "SollBuchwert" zum "IstBuchwert" gibt's Minuspunkte sonst Pluspunkte.


    Problem bei meinem Screeninmodell ist natürlich der halbmechanische Ansatz - ich kann "nicht eben" 300 Aktien screenen ;D



    Ist daher allerdings nicht ganz so ausgefeilt wie bei Dir.


    Könnte aber trotzdem dazu führen, dass bestimmte Werte bei mir nicht wollen und andere eben schon.


    Ich bin ja auch total long ASCreation und hatte meine Bedenken bei den Eifelhöhenkliniken...
    -->
    (Eifelhöhenkliniken -->http://www.antizyklisch-invest…ight=&hilightuser=&page=3))


    Quote

    Original von Matze zu EHK
    ...
    1) Gewinnentwicklung - die ist zwar seit 1998 in Ordnung - wenn man sie aber ab 1999 vergleicht hat sich überhaupt nichts getan; An sich wachsen die nicht - sondern erzielen gerade so viel, dass sie Dividende zahlen können; Wenn man bedenkt, dass sie nicht 100% ausschütten, hätte sich wenigstens der Buchwert über die Jahre hinweg steigern müssen;
    --> 1$ Prämisse (1$ Gewinn geht zu 1$ ins "Eignervermögen" (Buchwert oder EK) ist hier grandios verfehlt worden; (von einem verdienten Euro kamen nur 42 Cent beim Eigner an)

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klaman

  • #raynar,


    ja, alles auf Werte pro Aktie gerechnet.


    #Matze,


    ich arbeite noch an einer Google Version wo ich dann ab und zu mal eine aktuelle Tabelle reinstellen werde...



    Etwas stört mich z.B., dass Schlott in den Top 30 auftaucht, die haben erfolgreich noch die Goodwillabschreibung vermieden...



    Ansonsten noch ein paar interessante Werte:


    Eine Fuchs kommt ungefähr auf einen Wert von 22, also relativ schlecht, eine Coca Cola dafür auf 9 und WalMart sogar auf 6,8.


    Das liegt daran, dass bei den Amis die Entwicklung pro Aktie unheimlich stabil sind. Da können natürlich auch Accounting Gimmicks eine Rolle spielen, spannend finde ich aber schon, dass die Buffet Aktien hier so gut abschneiden....



    Als nächste muss ich mir aber mal die beiden Franzosen anschauen...


    MMI

  • Jetzt untersteh dich, das was ich als Kunst der individuellen Aktienauswahl hochhalten will mit einem mechanischen Indikator zu erfassen.
    Der Vergleich EIffelhöhen mit AS ist jedenfalls hoch spannend.

    Das Drehbuch für den Untergang steht fest - es geht nur noch um den Preis für die beste Maske (H. v. Buttlar)

  • Ich bin positiv überrascht, einen weiteren Mechaniker im Kreis begrpßen zu dürfen ;)
    Freut mich auch, daß ein paar meiner Aktien in die Liste aufgenommen wurden und sich platzieren konnten.


    Die Idee ist theoretisch gut - ich würde meinen, daß für ein einzelnes Jahr der Gewinn aus der GuV bessere Prognosen zuläßt, wenn man einen Anker braucht, weil man sonst wahrscheinlich Sondereffekte fortschreiben würde. Aber über eine lange Zeit wie zehn Jahre sollte sich das vielleicht ausgleichen. Wobei ich es schwer abschätzen kann, ob es einzelne große "Sondereffekte" geben kann, die nennenswert auf das 10-Jahres-Mittel durchschlagen, aber eben für sich alleine eher als Sondereffekte gelten sollten, oder ob es sich tendenziell eher um viele und kleine Effekte handelt, die sich erwartungsgemäß ausgleichen müßten.
    Außerdem gibt es auch Erklärungen für die Diskrepanzen im Eigenkapital, wie z.B. für die Eifelhöhenklinik die Umstellung von HGB auf IFRS. Da ist dann doch der jährlich ausgewiesene Gewinn aus der GuV zuverlässiger.


    Da ich immer alles ganz genau nehme, sehe ich aber ein paar gravierende praktische Probleme:
    Wie gehst Du mit Kapitalerhöhungen und Aktienrückkäufen um? Das Eigenkapital, auch der Buchwert pro Aktie, kann sich nämlich durch Kapitalerhöhungen verändern. Beispiel: EK 2 M¤, #Aktien 1 M, Kurs 1 ¤, Buchwert pro Aktie: 2 ¤. Es werden weitere 1 M Aktien zu 1 ¤ ausgegeben. Danach: Buchwert 3 M¤, #Aktien 2 M, Kurs 1 ¤, Buchwert pro Aktie: 1,5 ¤. (Das KBV verschlechtert sich, wenn die Firma zu so ungünstiger Bewertung Aktien verkauft). Bei hohem KBV verbessert sich dagegen der Buchwert pro Aktie und das KBV. Das ist nicht hinnehmbar. Man sieht im Nachhinein nur die Veränderung des EK, wobei der Effekt der Kapitalerhöhung dabei nicht genau bestimmbar ist (neben den anderen Einflußgrößen), und die Veränderung der Anzahl der Aktien. Den Ausgabepreis kennt man nicht. Man bräuchte die Summe, die bei der Kapitalerhöhung zugeflossen ist. Ich wüßte gar nicht, woher ich die überhaupt nehmen sollte.
    Noch komplizierter sind Aktienrückkäufe. Auch hier bräuchte man doch die Summe, die dafür ausgegeben wurde. Die wird aber doch nirgends systematisch erfaßt, oder? M.W. vermindern die gehaltenen eigenen Aktien das Eigenkapital; ich glaube, um die dafür ausgegebene Summe, weil sie auf der Aktivseite nicht bilanziert werden dürfen? Müßte man nochmals genau beleuchten. Jedenfalls bräuchte man daneben dann ggf. auch noch die historische Anzahl der ausstehenden Aktien, also alle minus die jeweils selbst gehaltenen. Hat es einen bilanziellen Effekt, wenn die eigenen Aktien eingezogen werden?


    Der ausgewiesene Gewinn ist meines Wissens von solchen Effekten unbeeinflußt.


    Dann habe ich eine Frage zur Berechnung, nur sicherheitshalber:

    Quote

    Ich rechne nun für jedes einzelne Jahr die Rendite des CI vs. das jeweilige Eigenkapital


    Du berechnest das KCIV10 schon als das Mittel der einzelnen CIs geteilt durch den aktuellen Kurs? Die obige Formulierung klingt nach etwas anderem, nämlich einer Art gemittelter Eigenkapitalrendite. Das gilt vermutlich nur für das "Sharpe Ratio"?


    Zu diesem: Ich finde die Berechnung nicht so glücklich, denn dabei ist zu viel in einer Zahl verwurstet, und das Ergebnis nicht mehr klar interpretierbar (z.B. zwei Aktien können sich in der Rangfolge unterscheiden, je nach dem, was man als Schwankungsmaß nimmt, Standardabweichung, Varianz, ..., und das darf auf keinen Fall sein). Ich würde in dem Fall eher das KCIV10 und ein Maß für die Schwankung (z.B. Standardabweichung) separat betrachten.

  • #winter,


    danke für das feedback.


    Sondereffekte:
    M.E. benutzen viele Firmen sog. Sondereeffekte systematisch um alle paar Jahre mal ein Verlustblutbad zu genrieren und dann wieder 5 Jahre schöne Gewinne zu zeigen. So etwas möchte ich zumindest "bestrafen" gegenüber Firmen die das nicht notwendig haben.


    Kapitalerhöhungen:
    Das mit den Kapitalerhöhungen muss ich nochmal überlegen. Normalerweise müsste das in den "per share daten" die ich nutze berücksichtigt sein. Ich müsste nur nochmal checken, ob ich die Bezugsrechte richtig verarbeite, das ist ja quasi cash back an den Aktionär.


    Zur Berechnung


    In der Tat verwurste ich die durchschnittliche EK Rendite nochmal in der "sharpe ratio", vielleicht sollte ich mir nochmal die Formel aufschreiben. Intuitiv erscheint es mir aber sinnvoll.


    Allerdings war mein Ziel explizit eine volatilitäts adjustierte Kennzahl zu ermitteln. Irgendwie muss ich ja entscheiden, ob ich ein Investment mit KCI von 8 und einer STandarabw. von 10% oder eines mit KCI von 10 und stabw von 5% bevorzuge.


    In vielen Modellen wird das dann subjektiv zusammengewichtet. M.e. ist da das "sharpe ratio" eleganter.


    Aber schon mal vielen Dank für das Feedback, ich denke der Screener wird ein "evolutionäres" Projekt sein.



    MMI



    P.S:: Um nicht zu große Freude aufkommen zu lassen, ich werde sicher nicht mechanisch investieren, das ist wie gesagt nur eine Art "Preescreener". Wenn ich eine Aktie aus anderen Gründen gut finde (Sondersituation), werde ich mich nicht vom Screener abhalten lassen ;-)

  • Eine Sache die mir gerade aufgefallen ist:


    z.B. ISRA Vision bekommt nach meinem Modell einen sehr guten Wert von ca. 4.7.


    Der Buchwert besteht hier aber hauptsächlich aus Goodwill und aktivierten Entwicklungkosten die schön nach oben gehen, die Entwicklung des "tangible Book Values" sieht deutlich unschöner aus.


    Da ih die Entwicklung des Tangible Bookvalues leider nicht wirklich gut abrufen kann über einen 1 Jahres Zeitraum, werde ich mich wohl hier mit einer Art "Roten Flagge" behelfen müssen, wenn hier ein hoher Wert an Intangibles in der Bilanz ist.



    MMI

  • Quote

    Das mit den Kapitalerhöhungen muss ich nochmal überlegen. Normalerweise müsste das in den "per share daten" die ich nutze berücksichtigt sein. Ich müsste nur nochmal checken, ob ich die Bezugsrechte richtig verarbeite, das ist ja quasi cash back an den Aktionär.


    Ich verstehe nicht, wie das berücksichtigt sein könnte? Daß bei Kapitalerhöhungen Bezugsrechte ausgegeben werden, dürfte nicht der Normalfall sein. Es gibt Kapitalerhöhungen, die nur ein Großaktionär zeichnet, unter Ausschluß des Bezugsrechts der anderen Aktionäre.

  • Ich habe gerade eben erst diesen thread entdeckt. Klingt sehr spannend, aber leider habe ich ein grundlegendes Verständnis-Problem mit folgendem Absatz, weil ich kein Bilanz-Spezialist bin:


    Quote

    Als Aktionär war klar, mein Eigenkapital hat sich um den Gewinn erhöht und wird entweder thesauriert oder als Dividende geschüttet.
    Mittlerweile werden aber so viele Vorfälle direkt ins Eigenkapital gebucht, dass dies v.a. bei Finanzfirmen aber auch in anderen Fällen die Gewinnzahlen relativ beliebig erscheinen lässt.


    Was ich nicht verstehe: Was kann ins EK gebucht werden, ohne in der GUV zu erscheinen? Die üblichen GuV-Spielverderber wie goodwill oder Restrukturierungsaufwendungen können es nicht sein, weil die ja bei der GuV berücksichtigt werden. MMI: hast du da mal ein konkretes Beispiel?


    Kapitalerhöhungen bzw. Aktienrückkäufe sehe ich dagegen nicht als Problem, außer, dass sie natürlich den Recherche- und Rechenaufwand massiv erhöhen können.


    Womit ich aber ein grundsätzliches Problem hätte, ist die Ableitung eines "Risikomaßes" á la Sharp-Ratio mit der Standard-Abweichung. Damit vertreibst du nicht nur turn-around-Kandidaten aus der Datenbank, sondern wohl auch sämtliche Zykliker mit schwankenden Gewinnen. Ich finde, es gibt für einen Antizykliker nicht Schöneres, als beim größten Konjunkturpessimismus ein paar Zykliker als Schnäppchen abzugreifen. Mit der dann folgenden Volatilität beim Konjunkturaufschwung hab ich überhaupt kein Problem... ;o)

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

  • Meinst du dort deine Bemerkung vom 17.05.2010?


    Quote

    Auch 2009 gibt es wieder jede Menge nicht im Ergebnis erfaßter Effekte, die direkt aufs Eigenkapital durchschlagen, z.B. die bekannten Wechselkurseffekte mit 730T¤, und die Veränderung der Pensionsrückstellungen mit 890T¤. Vermutlich werden letztere deshalb nicht erfaßt, weil sie sich nicht als zur Rechnungslegungs-Periode abgrenzen lassen. Trotzdem merkwürdig.


    Kapier ich auch nicht. Ich kenn das so, dass in multinationalen Unternehmen die Gewinne (bzw. Verluste) im internen Berichtswesen aufgespalten werden in
    a) Mengeneffekte (Absatz)
    b) Preiseffekte
    c) Wechselkurseffekte


    Wie man dann im externen Berichtswesen die Wechselkurseffekte aus der GuV ausschließen kann, sie aber auf den Buchwert durchschlagen, ist mir ein Rätsel.

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

  • #hallo witchdream,


    unter IFRS ist es möglich, eine ganze Reihe von Vorfällen direkt ins Eigenkapital zu buchen.


    Zum Einen werden z.B. Wertveränderungen von Wertpapieren sofern sie in der Kategorie "Available for Sale" geführt werden, erst dann in der GUV erfasst wenn sie verkauft werden. Ein Sinken des Kurses unter den Anschaffungswert löst hier noch lange keine Abschreibung (oder Zuschreibung) aus. Das ist v.a. bei Versicherungen u.ä, relevant.


    Gleiches gilt z.B. wenn man eine Tochterfirma in einem Land mit einer anderen Währung besitzt. Evtl. Wertveränderungen des in Fremdwährung gehaltenen NAVs weren auch direkt über das Eigenkapital verbucht. Das ist dann im Fachjargon die sog. "Währungstranslation".



    Daneben gibt es noch jede Menge anderer Sonderfälle wie z.B. Kauf von Minderheitsanteilen über Buchwert usw. wo plötzlich Eigenkapital "verschwinden" kann ohne dass es einen entsprechenden Eintrag in der GuV gibt.


    Im Comprehensive Income werden zumindest einige dieser Effekte (z.B. Währung und Kurschwankungen) explizit erfasst.


    MMI

  • Quote

    Original von Winter


    Ich verstehe nicht, wie das berücksichtigt sein könnte? Daß bei Kapitalerhöhungen Bezugsrechte ausgegeben werden, dürfte nicht der Normalfall sein. Es gibt Kapitalerhöhungen, die nur ein Großaktionär zeichnet, unter Ausschluß des Bezugsrechts der anderen Aktionäre.


    Winter, in meinen Überlegungen bin ich momentan soweit, dass ich eine Kapitalerhöhung nicht einfach neutralisieren kann.



    Wenn ich eine unterbewertete Aktie besitze, dann ist eine Kapitalerhöhung zum unterbewrteten Kurs eigentlich immer schlecht.


    In der jetzigen Formel funktioniert das dann, wenn eine Kapitalerhöhung unter Buchwert gemacht wird, siehe dieses Beispiel:



    Nehmen wir an, eine Firma hat 10 Aktien ausgegeben, EK ist 50, Ek pro Aktie ist also 5 EUR pro Aktie. Sagen wir mal, der aktuelle Kurs ist 3 EUR pro Aktie. Macht jetzt die Firma eine Kapitalerhöhung von 1 Aktie an einen fremden Dritten ohne Bezugsrecht zu 3 EUR ändert sich die Lage wie folgt:


    EK neu: 53 EUR, Anzahl Aktien: 11 ---> Buchwert pro Aktie 53/11 = 4,81 EUR oder 19 cent weniger als vor der Kapitalerhöhung. Mein Modell würde das dann auch als "Verlust" ausweisen was m.E. korrekt ist, weil man durch die Kapitalerhöhung verwässert wird.


    Problematisch wäre es aber, wenn die Firma eine Kapitalerhöhung über Buchwert macht, z.b. zu 7 EUR.


    Dann hätte man plötzlich 57/11= 5,18 Buchwert pro Aktie und mein Modell würde einen "Gewinn" ausweisen.


    Dazu muss ich mir noch was einfallen lassen.


    MMI


    Edit: Diverse Tippfehler

  • @ MMI:


    Oh Gott, da bin ich - was Bilanzen betrifft - offenbar nicht nur unterbelichtet, sondern auch noch gutgläubig. Wenn man nicht mal mehr dem KBV bzw. Tobins q vertrauen kann, dann verstehe ich langsam, warum das KUV bei O'S die verläßlichste mechanische Kennzahl ist. Danke für diese Nachhilfestunde...


    Vor so einem Hintergrund wirkt dein neuer Indikator extrem elegant, weil er offenbar eine ganze Reihe von IFRS-Absurditäten aushebelt. Meine Vorbehalte in puncto Standardabweichung / "Risiko" stelle ich aber gerne weiterhin zur Diskussion.

    "Manchmal ist nichts zum Thema schreiben auch eine Lösung."

    nixda

  • Ein gutes Beispiel für den Effekt ist auch Jakk's Pacific.



    KGV 10 wirft recht freundliche 9,2 aus, KCI10 allerdings 40,4.


    Das liegt daran, das irgendwie in 2009 -1,92 USD Verlust pro Aktie gemeldet wurden, der Buchwert sich aber von 27 USD pro Aktie auf 13,5 USD pro Aktie halbiert hat.


    Wo genau die fehlenden 12 USD verschwunden sind kann ich aber auch nicht sagen, Sonderdividenden bzw. Aktiensplits gab es keine...


    Für mich ist das erstmal ein Warnsignal.


    MMI

  • nabend mmi,


    ich hoffe, dass 2013 Schaltbau einen oberen Platz in deiner Wertung einnehmen wird.


    Es wäre sicher interessant, den Zeitraum mit 7, 5 oder 3 Jahren zu variieren.


    Spannend auch die Frage, ob man den Hype von Bijou Brigitte mit dem Indikator erwischt oder voll verpasst hätte?


    Fuchs, Fielmann, Gerry Weber, ElringKlinger bewegen sich so nachhaltig, dass sie über den Indikator entdeckt werden könnten, wenn man nicht vorher darauf gestoßen ist.


    Von daher eher ein vielversprechendes Instrument, um Unternehmen im Ausland zu finden, die man bisher nicht auf der watchlist hatte.
    beste Grüße


    panta rhei


  • Bei Wisi stehen 14 $ Verlust pro Aktie in 2009. Die haben da offenbar schon zusammengerechnet, was zusammengehört.


    Kommt also auch drauf an, welche Datenquellen man benutzt.

    Bekanntlich hält man ja nur jene Menschen für normal, die man noch nicht so gut kennt. (SPON)