Gestresste Aktien

  • Auch in anderen Threads wurde ja schon häufiger der Kauf von Aktien unter akutem Stress als antizyklische Strategie diskutiert.


    Die Kunst dabei ist, fundamental solide Unternehmen, die gerade wg. schlechter Nachrichten massiv überverkauft werden, zu identifizieren und zu kaufen, um von dem anschließenden Rebound-Effekt zu profitieren.
    Das kann natürlich sehr riskant sein, wenn die ganze grausame Wahrheit nur langsam ans Licht kommt (wie z.B. bei Bilfinger - 4 Gewinnwarnungen in Folge).


    Aktuell z.B. scheint mir Schaltbau so ein Kandidat zu sein - eine Gewinnwarnung wg. und Ankündigung einer routinemäßigen Kontrolle wg. Insiderhandel, wohl weil kurz vor der Warnung ein Aktienrückkaufprogramm angekündigt wurde. Langfristig scheint mir das Unternehmen aber durchaus solide zu sein.


    Wie ist Eure Meinung zu dem Thema?

    Vor die Wahl zwischen zwei möglichen Alternativen gestellt, wähle die Dritte!

  • ist einer meiner bevorzugten Strategien und meistens ist es eine prima Sache, braucht "nur" Geduld und Nervenstärke. Und klappt leider nicht immer.
    Positive Beispiele:
    * Bayer nach Lipobay gekauft (damals ~20 EUR)
    * Orascom Construction während der Ägyptischen Revolution gekauft (und vor Wahl der Muslim-Brüder wieder abgegeben)
    * Converium nach vernichtender Gewinnwarnung gekauft (wurde später durch Scor übernommen)
    * Gagfah während der Finanzkrise (~2-3 EUR) als alle glaubten die (und Fortress) sind Toast, der NAV ist geschönt (schrottimmobilien) und die kriegen keine Refi hin (inzwischen sind sie sogar günstiger refinanziert und haben den NAV gesteigert)
    * Immofinanz nach Petrikovics & co. (~0.80 EUR)
    * AS Creation nach den Kartellvorwürfen (inzwischen schon lange wieder verkauft - zum Glück, Verkaufssignal war für mich der HV-TOP "Freistellung von Vorstand und AR von Bußgeldzahlungen, zu Lasten der AG")
    * Einen ganzen Strauss japanischer Aktien nach dem Tohoku-Erdbeben (vor ein paar Tagen sind die letzten davon abgegeben worden)


    Negative Beispiele:
    * Yukos. Ein Desaster.
    * Espanola del Zinc - unter sehr dubiosen Umständen von heute auf morgen Handel eingestellt und in die Insolvenz geschickt.
    * Rentokil - kein besonders erfolgreicher Turnaround
    * ATP Oil&Gas - bei zuviel Schulden ist die kleinste auch unverschuldete Unvorhergesehenheit (BP Macondo) tödlich.


    derzeit noch offen:
    * Südzucker (Bestand hochfahren wenn die Rübenbauern ihren Anteil erhöhen bzw. zukaufen)
    * Frontline (erwarte Merger mit Frontline 2012 innerhalb von 6 Monaten)
    * Nintendo (mal schauen wie das Weihnachtsgeschäft wird)
    * E.ON & RWE


    Goldminen schaue ich mir gerade ein paar an - Sandstorm Metals, Newmont Mining usw. - Sieht sehr "überverkauft" aus.

  • Im Prinzip mache ich das auch gerne, aber Bayer ist ein schlechtes Beispiel. Der Lipobay Absturz begann ja 2001, wer also beherzt bei 35-40 Euro gekauft hatte, mußte bis 2006/7 auf eine Bestätigung durch den Markt warten.


    Das geht aber nur mit Hoffnung und einem hinreichend großen Anfangsvermögen. Da halte ich es lieber mit der Weisheit: "Hoffnung ist der Feind des Kaufmanns". Und antizyklisch ist nicht gleich Kamikaze ;-) .


    Ich hatte Bayer damals nämlich auch gekauft und daraus für mich die Lehre gezogen: "Ein erster Absturz kommt selten allein".


    Viel antizyklischer wäre es gewesen, Bayer erst 2003/2004 zu kaufen. @value meinte mal, Kaufsignal sei ein Tief plus positives 26 Wochen Momentum oder so.

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Klimaneutralität ist kommunistische Planwirtschaft in neuem Gewand.

  • oh, dann habe ich das falsch in Erinnerung. Ich habe Bayer 2003 gekauft - habe gerade in meine Abrechnungen geschaut: am 04.08.2003 zu 20.65 EUR. Ich meinte da war Lipobay noch hochaktuell und meine Einschätzung war meine ich damals, dass das dann doch etwas übertrieben wurde. Ist aber schon mehr als 10 Jahre her, da verblasst die Erinnerung natürlich ein wenig ;o)

  • AS Creation hatte ich damals auch aus demselben Grund gekauft.


    Olympus (Bilanzskandal) war bei mir auch ganz erfolgreich (obwohl es fast schief gegangen war, da mir die Besonderheit der Tokyoter Börse - automatischer Handelsstop bei starker Kursbewegung) zunächst nicht bekannt war.
    Blackberry (Januar - schlechte Verkaufszahlen für Smartphones, obwohl sie das Geschäft eher in richtig Software verlagen, wo sie ganz erfolgreich sind; sind aber auch schon wieder drausen).


    Allerdings fokusiere ich eher auf Aktien, die ich schon länger im Auge habe, um halbwegs einschätzen zu können, ob es wirklich um eine Übertreibung handelt (und nicht die lange notwendige Korrektur).

    Vor die Wahl zwischen zwei möglichen Alternativen gestellt, wähle die Dritte!

  • Delticom nach der überteuerten Tirendo Übernahme.


    Aktien, die von einem Strukturwandel (Energieversorger) oder von politischen/gesetzlichen Veränderungen (Südzucker) betroffen sind, würde ich nicht zu dieser Kategorie zählen, da hier Erfolgsfaktoren dauerhaft wegfallen.

  • Ganz aktuell: Absturz von BYD ohne ersichtlichen Grund: http://www.n-tv.de/wirtschaft/…ruck-article14185426.html


    Allerdings ist der Rebound wahrscheinlich schon durch (hab's leider auch zu spät gesehen):



    und zumindest kurz- bis mittelfristig eher kein guter Kandidat für ein Investment.

    Vor die Wahl zwischen zwei möglichen Alternativen gestellt, wähle die Dritte!

  • Wow!!!

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Mit dem (mittlerweile beidseitig dementierten) Angebot im Bereich von 13,35-15,49$ ändert sich mein Blick auf Blackberry komplett.
    Blackberry hat mit seiner Ablehnung gezeigt, dass es daran nicht interessiert ist, sondern mit der Sanierung noch mehr Werte schaffen will.
    http://www.golem.de/news/kurss…ernehmen-1501-111712.html


    Unterschied zum März 2014: Damals hing eine "Eisbergorder" von Watsa im Bereich von etwa 10$ im Raum, die den Kurs nach oben deckelte.
    Jetzt liegt ein (dementiertes) Angebot von Samsung im Raum, die für das Inventar alleine (Interesse angeblich primär für Patente, und die verfallen nicht so schnell) 13 -15 $ bietet, was ich mitelfristig als stabilen Unterboden ansehe.
    Das ändert für mich alles, klarer Kauf bei einem Preis von derzeit etwa 12 US$.

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Das Dementi sagt m.E. nicht mehr und nicht weniger aus, dass die Idee von Samsung nicht mehr weiterverfolgt wird.
    Der Informant von Reuters behauptet, Einblick in die Planspiele gehabt zu haben, das klingt für mich glaubhaft (muss man aber nicht glauben). Aber wenn Blackberry und die Aktionäre (derzeit) nicht verkaufen will, dann kann Samsung den Versuch einer friedlichen Übernahme begraben, und feindlich wollten sie anscheinend nicht.
    Bei der langen Laufzeit von Patenten denke ich, der Wert (= Insolvenzwert) verfällt nicht so schnell, daher halte ich das für eine mittelfristig stabile Untergrenze. Jedenfalls wenn man daran glaubt, dass Reuters die Verlässlichkeit des Informanten gecheckt hat und dass dieser die Wahrheit erzählt hat.


    BlackBerry entlang der Hardware zu bewerten geht m.E. eh in die Irre. Die Software ist m.E. der spannende Part.

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • ...
    Blackberry hat mit seiner Ablehnung gezeigt, dass es daran nicht interessiert ist, sondern mit der Sanierung noch mehr Werte schaffen will...


    Spricht das für die Chancen des Unternehmens oder eher für den Größenwahn des Managements?

    "Hey Du, möchtest Du ein A kaufen?" Standard & Poor's (zitiert aus: Marc-Uwe-Kling: Der falsche Kalender - 365 falsch zugeordnete Zitate)

  • Merkwürdig: Bombardier bricht ein, weil sie einen Businessflieger einstellen.
    Hey, denke ich mir, klingt gut für Embraer. Weniger Konkurrenz, Sieg auf ganzer Linie. Aber siehe da: Embraer heute auch bricht ein, weil sie einen negativen Cashflow bieten.
    Wem geht e in der Branche denn richtig gut? Boeing und Airbus scheinen ja auch so ihre Probleme zu haben...

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)


  • Trotz Dementis ist die nächste Zeitung mit mehr Details in das Thema eingestiegen:
    http://crackberry.com/rumors-s…buy-blackberry-refuse-die
    http://business.financialpost.…purchase/?__lsa=d674-8f21

    "(vii) His first priority would be reservation of much time for quiet reading and thinking, particularly that which might advance his determined learning, no matter how old he became; and
    (viii) He would also spend much time in enthusiastically admiring what others were accomplishing."


    (Ausschnitt aus Charlie Mungers Jobbeschreibung für den Chairman von Berkhire Heathaway, BH-Aktionärsbrief anno 2015)

  • Es ist nicht unüblich, dass beteiligte Investmentbanken versuchen, über diesen Weg Druck zu erzeugen......


    Der Artikel sagt das ja ganz deutlich:


    Quote

    A document obtained by the Financial Post, prepared for Samsung by New York-based independent investment bank Evercore Partners, outlines the case for, and the potential structure of a possible
    purchase of BlackBerry.


    Damit will man Druck auf andere potentielle Interessenten machen um möglichst schnell zu einem Deal zu kommen. Klappt manchmal, aber nicht immer.


    Edit:


    ich betätige mich mal als Übersetzer:


    Quote

    “I can tell you Samsung is contemplating a purchase,” said the source, who asked to remain anonymous because of the sensitive nature of the talks.


    Übersetzt heisst das: "Wir haben von Blackberry den Auftrag bekommen, die Firma so schnell wie möglich zu verticken, leider will Samsung nicht das Zahlen was wir uns vorstellen"


    Quote

    “It’s still being pursued right now. Samsung is still evaluating their options. So it’s still very much an open deal.”


    Übersetzt heisst das: Samsung würde es eventuell zu einem niedrigerem Preis machen, deshalb müssen wir jetzt ordentlich trommeln. Vielleicht finden wir ja noch einen Japaner oder Chinesen der Interesse hat.