Story-Stocks

  • Dies ist ein neuer Thread für so genannte Story-Stocks. Darunter verstehe ich im Wesentlichen spekulative Aktieninvestments in Firmen mit wirklich außergewöhnlicher Story, die mir schon einmal ein WOW!!! entlocken können, wenn ich über sie das erste Mal lese. In der Regel sind das Unternehmen, die noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen und sich durch ein einzigartiges Produkt, eine pfiffige Geschäftsidee, eine lukrative Marktnische oder ähnliches deutlich von der breiten Masse der soliden 08/15 Investments abheben. Hohen potentiellen Kursgewinnen stehen bei diesen Aktien naturgemäß erhebliche Risiken gegenüber. Story-Stocks sind ob ihrer riskanten Natur eigentlich nur als kleine Depotpositionen akzeptabel. Da sie sich aber zu absoluten Highflyern entwickeln können, tragen sie oft maßgeblich zur Depotperformance bei, wenn sie sich wunschgemäß entwickeln.


    Bei Story-Stocks ist es wichtig, möglichst früh dabei zu sein. Da man aber meist nur zufällig über entsprechende Investments stolpert und dann eventuell schon wieder zu spät dran ist, ist dieser Thread quasi als Ideensammlung für entsprechende Aktien gedacht. Ich denke, dass jeder von uns wahrscheinlich ein oder zwei dieser Stocks im Hinterkopf hat und sie kurz vorstellen könnte.


    Ich mache den Anfang mit den fünf Story-Stocks, die ich zur Zeit in meinem Depot habe oder bei denen ich mit einer Aufnahme liebäugele. Zwei davon kennt ihr schon und es gibt auch entsprechende Threads, so dass ich nicht mehr intensiv darauf eingehen brauche:



    1. Patriot Scientific (Lizensierung von Basispatenten aus der Chipbranche)


    2. Cardero Resources (Mega-Potential in Kupfer- und Eisenerzexploration)



    Dazu kommen



    3. Bioteq Environmental (A0CAF1)


    Auf BE (Homepage: http://www.bioteq.ca ) bin ich das erste Mal vor etwa zwei Jahren gestoßen. Damals fand ich die Idee der gezielten Abwasserreinigung von Minenbetrieben schon klasse, ein Investment war mir aber noch zu heiß, weil die Finanzierung mehr als wacklig aussah und außer einem Pilotprojekt noch nichts lief. Mittlerweile hat sich aber einiges getan und es sieht recht gut für die Firma aus, insbesondere weil sie in der boomenden Rohstoffbranche tätig ist.


    BioteQ Environmental ist im kanadischen Vancouver ansässig und verfügt über ein Alleinstellungsmerkmal: eine patentierte Technologie zur Entfernung von Metallrückständen aus Wasser. BioteQ nutzt einen biochemischen Prozess unter Verwendung von Wasserstoffsulfid, um einerseits das Wasser zu reinigen und andererseits auch die Metallrückstände herauszufiltern. Letztere können sogar selektiv gefiltert. Als wiederverkaufsfähige "Abfallprodukte" entstehen Metallsulfide, die an Schmelzhütten zur Weiterverarbeitung verkauft werden. Durch den Verkauf werden die Wasserreinigungskosten in der Regel ausgeglichen und teilweise sogar noch Profit erzielt, so dass die Technologie der Kanadier ökonomischer ist und auch auf umwelttechnischer Seite klare Vorteile gegenüber traditionellen Verfahren hat.


    BioteQ hat bisher in vier Minen, unter anderem für Falconbridge und Phelps Dodge, Anlagen installiert und in Betrieb. Weltweit gibt es hunderte weiterer Minen, für die Bioteqs innovative Technik geeignet ist. Mehr als 30 Projekte werden zur Zeit evaluiert. Ab dem nächsten Jahr könnte das Unternehmen in die Gewinnzone kommen.


    Der Chart:





    4. Paion (A0B65S)


    Die deutsche PAION AG ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das sich schwerpunktmäßig mit der Entwicklung von Wirkstoffen zur Bekämpfung des Schlaganfalls und anderer thrombotischer Erkrankungen befasst.


    Highlight der PAION-Produkte ist der Wirkstoff Desmoteplase, der die Schlaganfall-Therapie entscheidend verbessern und das Zeitfenster, das zurzeit auf drei Stunden beschränkt ist, auf bis zu neun Stunden nach Eintreten der Symptome erweitern soll. Wer sich schon einmal mit der Schlaganfallproblematik befasst hat, wird wissen, dass nur wenige Patienten es rechtzeitig innerhalb von drei Stunden in die Klinik schaffen und deshalb lebenslang mit Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen leben müssen. Ein Wirkstoff, der eine deutlich spätere Behandlung erlaubt, hat ein absolutes Blockbusterpotential. Entwicklungspartner sind Forest Laboratories, Inc. und H. Lundbeck A/S.


    Die Grundlage des Wirkstoffes ist ein aus dem Speichel von mittelamerikanischen Vampirfledermäusen isoliertes Protein, das in der Lage ist, Blutgerinnsel aufzulösen. Desmoteplase ist eine nachgebaute Version dieses natürlichen Vorbildes. In einer klinischen Studie der Phase II wurde es bereits erfolgreich zur Bekämpfung der Folgen des ischämischen Schlaganfalls eingesetzt. Dieser wird durch den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn verursacht. Desmoteplase wird aktuell in einer internationalen, multizentrischen Phase III-Studie erprobt. Für die Testung des Arzneimittels erhielt PAION von der US-Zulassungsbehörde FDA den sogenannten Fast-Track-Status. Dieses beschleunigte Zulassungsverfahren wird ausschließlich Arzneimittelkandidaten zur Behandlung von Krankheiten gewährt, für die es keine bzw. bisher nur wenige Behandlungsmöglichkeiten gibt.



    Der Chart:





    5. Altair Nanomaterials (A0B65S)


    Altair ist ein reinrassiges Nanotechnologieunternehmen und entwickelt Nanomaterialien in den Sektoren Energie-, Medizin- und allgemeiner Materialtechnik. Die US-Firma hat insbesondere Lithiumionen-Akkus im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium, deren neues Elektrodenmaterial höhere Spitzenenergiewerte, längere Haltbarkeiten und größere Energiespeicherkapazitäten bietet, inklusive schnellerer Ladezeiten. Die Technik zur Herstellung der neuen Akkus hat sich Altair patentieren lassen.


    Altair Nano will die neuen Batterien z.B. in einen Elektrofahrzeug-Prototyp stecken, den man zusammen mit der kanadischen Firma Boshart Engineering plant. Die neuen Batterien verwenden eine sichere, stabile Struktur, die ihre Lebensdauer dadurch erhöht, dass sich ihre Elektroden nicht ständig ausdehnen und zusammenziehen, wenn sich die spannungserzeugenden Ionen hinein- und hinausbewegen. Genau dies führt derzeit zum mehr oder minder frühen Ableben konventioneller LiIon-Akkus. Zudem kann der Altair-Nano-Akku mit großen Energiespitzen umgehen, die sowohl beimschnellen Laden als auch bei schneller Beschleunigung vorkommen. Gotcher erwartet zukünftig außerdem Fahrzeuge, deren Batterien sich ähnlich schnell laden lassen, wie normalerweise eine Tankbefüllung samt kurzem Snack dauert:sechs bis acht Minuten. Die Kapazität liegt bei der von heutigen Nickel-Metallhydrid-Batterien. Die neuen Batteriematerialien sollen sich zu den gleichen Kosten herstellen lassen wie bisherige LiIon-Akkus, trotz einer Lebenszeit, die zwei- bis dreimal so hoch ist.


    Weitere Anwendungsbereiche liegen z.B. in der Notebook-Technologie. Durch die neuen Akkus ließe sich die steckdosenunabhängige Nutzungszeit der kleinen Rechenknechte enorm verbessern. Allerdings ist Altair Nano ist nicht die einzige Firma, die neuartige LiIon-Akkus verspricht, jedoch ist sie in der Entwicklung der Akkus wohl am weitesten fortgeschritten. Ein erster Prototyp der Energiezellen wird zur Zeit gerade produziert.



    So, das wären meine Vorschläge. Kommentare hierzu sind willkommen, weitere Story-Stock Kandidaten wären toll.


    Gruß, Mickymoto

    An der Börse ist es am klügsten, sich dem Trend anzupassen und nur dann antizyklisch zu handeln, wenn die Situation wirklich extrem ist. (Jens Erhardt)

  • Prinzipiell sind deine Überlegungen zu besonderen Geschichten hinter Aktien natürlich richtig.


    Allerdings, wer sich mal über längere Zeit mit US Werten beschäftigt, speziell welche am OTC gehandelt werden und meißt das Kürzel .ob oder .pk nach dem Symbol besitzen, der weiß auch wie gefährlich diese Story - Buden sind. (die von dir beannten Aktien möchte ich da nicht unbedingt hinzuziehen, vielmehr geht es mir allgemein um das eröffnete Thema)


    Je besser die Story - desto schlechter die Aktie!


    Unbedingt möchte ich hier auch diesen Gedanken loswerden, der viel Geld sparen kann. Hinter einigen kleinen US Unternehmen steckt nicht mehr dahinter, als dass sich gern eben solche Storys ausgedacht werden, um den potentiellen Anleger anzulocken und abzuzocken. Es werden Listings in z.B. den o.g. Börsensegmenten gestartet, die Kontrolle über diese Unternehmen sind meißt sehr luschig, hier kann also gelogen werden das sich die Balken biegen.
    Nach dem Listing werden dann die PR Maschinen angeworfen. Mailverteiler und Beratungsfirmen werden genutzt, um mit angeblichem Research Investoren anzulocken. Besonders beliebt sind dann auch Listings an der Berliner Börse, um speziell den deutschen Anleger mit der tollen US Story zu "beteiligen". Natürlich wird die Nachfrage nach den Anteilen genutzt, um eigene Stücke abzugeben und auf diesem Wege abzusahnen - je besser die Story, desto schlechter die Aktie. Auch zeichnen sich solche "Unternehmen" dadurch aus, dass die Aktienstückzahl wächst, durch eine ständige Ausgabe Neuer Anteile wird dadurch aber nur die Möglichkeit geschaffen, weitere Anteile an den Anleger zu verscheuern, daher ist auch der Freefloat stets sehr hoch. Auch sind Informationsbeschaffungen zum Unternehmen sehr schwierig, außerhalb der PR Schienen.


    Viele Punkte sind hier bestimmt bereits bekannt, aber in diesem Thread sollte speziell darauf hingewiesen sein.


    In Deutschland wird hingegen eine andere Masche gefahren, Stichwort Kulmbach. Hier werden kleine marktenge Werte zu wundersamen Perlen erklärt, in welchen zuvor Positionen aufgebaut worden. Wenn dann durch Empfehlungen (Zeitung, Internet Boards, Mailverteiler, Börsenbriefe) tatsächlich Nachfrage in der jeweiligen Aktie entsteht (deshalb gern Marktenge Werte, da treibt fast jede Nachfrage den Kurs) dann wird der eigene Bestand verkauft, der Kurs zerfällt regelrecht und zurück bleiben verstörte Kleinanleger, die auf eine schöne Story vom Guru gehört haben. (Beispiele gibt es genug, Aqua Societe fällt mir gerade ein)


    Es ist sehr amüsant sich eine extra Watchlist mit derlei Buden anzulegen, dann fällt das längerfristige beobachten leichter, die Masche ist sehr verbreitet.
    Es kann sich hier jedoch lohnen solche Geschichten ab und an, je nach Bauchgefühl dazu, um für 1-2 Tage mit aufzuspringen und ein paar schnelle € zu erzocken, das ist meißt Alles.


    klatti

  • Zu Paion: Proteasen werden auch heute schon zur Behandlung von Verschlußkrankheiten verwendet. Die derzeit auf dem Markt befindlichen Produkte sind Streptokinase, Urokinase und Alteplase (ein gentechnologisch hergestellter "tissue plasminogen activator"). Zur Behandlung des Schlaganfalls ist nur Alteplase zugelassen; Streptokinase und Urokinase werden nur zur Lysetherapie des Herzinfarkts verwendet.


    Der wahrscheinliche Vorteil von Desmoteplase gegenüber Alteplase liegt in der kürzeren Anwendungsdauer (langsame Bolusinjektion statt zweistündiger Infusion) und der angeblich besseren Verträglichkeit. Eine verbesserte Wirkung ist bisher klinisch jedoch nicht nachgewiesen. Auf der Website von Paion (http://www.paion.de/) sind vier klinische Studien mit Desmoteplase aufgeführt, drei an Schlaganfall- und eine an Lungenemboliepatienten.


    Die erste Phase II-Studie (DIAS) beinhaltete 104 Patienten, die entweder mit Placebo oder Desmoteplase behandelt wurden. Dabei wurde bei einer Gabe von 90 µg/kg oder 125 µg/kg eine signifikante klinische Verbesserung gegenüber Placebo erreicht, aber nicht bei höheren Gaben.


    Eine zweite Phase II-Studie (DEDAS) wurde an 38 Patienten durchgeführt. Hier wurde nur mit 125 µg/kg eine signifikante Verbesserung gegenüber Placebo erzielt, aber nicht mit 90 µg/kg.


    Paion führt derzeit eine Phase III-Studie durch (DIAS-2). Es handelt sich um eine dreiarmige Studie, d.h. Patienten werden in drei Gruppen eingeteilt: sie werden entweder mit Placebo, 90 µg/kg Desmoteplase oder 125 µg/kg Desmoteplase behandelt werden. Ein Vergleich mit Alteplase ist nicht vorgesehen.


    Im Gegensatz dazu gibt es eine Phase II-Studie (DEPTH), in der Desmoteplase mit Alteplase bei der Behandlung der Lungenembolie verglichen wurde. Die Behandlung mit Desmoteplase und Alteplase war bezüglich der Effektivität gleichwertig, aber Desmoteplase zeigte etwas geringere Nebenwirkungen als Alteplase.


    Und zu Stories generell: http://www.undervalued-shares.com/ (ohne Wertung)

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer

    Edited once, last by cktest ().

  • @ klatti


    Du hast recht, nicht hinter jeder auf den ersten Blick tollen Story steckt die Investmentchance des Jahrhunderts. Emails mit phantasievollen Titeln wie Megadeal! Internet-Kursrakete hebt ab oder ähnlichen Schlagzeilen habe ich täglich in meinem Postfach. Dieser Thread soll genau dazu dienen, echte spekulative Investmentchancen aus dem Hintergrundrauschen der üblichen Pusherwerte herauszufiltern.


    @ cktest


    Ja, Desmoteplase zeigt im Gegensatz zu Alteplase kaum neurotoxische Nebenwirkungen und ist nicht zuletzt deshalb in einem längeren Zeitfenster einsetzbar. In Bezug auf den Primäreffekt (Auflösung von Blutgerinnseln) sind beide Wirkstoffe wohl in etwa gleichwertig. Das ist wichtig, da Alteplase als bisheriges Mittel der Wahl der sogenannte Goldstandard in der Behandlung von Schlaganfällen ist und neue Medikamente nur eine Chance auf Zulassung (besonders in den USA) haben, wenn sie zumindest so gut wie der Goldstandard sind oder andere gewichtige Vorteile haben.


    Es gibt übrigens noch einen weiteren Wirkstoffkandidaten: Viprinex von Neurobiological Technologies (NTII) stammt aus einer malaysischen Giftschlange und durchläuft momentan ebenfalls die Zulassungsverfahren. Alteplase hat ein Anwendungszeitfenster von 3 Stunden nach Schlaganfall, Viprinex eines von 6 und Desmoteplase angeblich sogar ein Fenster von 9 Stunden.


    Paion ist zurzeit nur auf meiner Watchlist, weil die bisherigen klinischen Studien mich noch nicht restlos überzeugt haben. Ich sammle noch ein paar Informationen, vielleicht steige ich im Laufe des Jahres ein.

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  • Von Viprinex habe ich noch nichts gehört, aber offenbar rekrutieren sie gerade für den dritten Phase III-Trial, nachdem der zweite in die Hose ging. Von der Website der Firma (http://www.ntii.com/products/viprinex.shtml):


    A randomized, double-blind, placebo-controlled U.S. Phase III clinical study was completed in 1998 to evaluate the safety and efficacy of Viprinex" given within three hours after the onset of acute, ischemic stroke in 500 patients. In this study, Viprinex" was shown to be effective in preserving neurological function in this patient population.


    A separate randomized, double-blind, placebo-controlled Phase III study was completed in Europe in 2000, enrolling patients within six hours of onset of acute ischemic stroke. The trial was stopped after a planned interim analysis indicated lack of efficacy and increased incidence of intracranial hemorrhage. The higher dosing levels in the European trial and the use of protocol criteria that permitted entry of patients at higher risk of hemorrhage are thought to have contributed to the trial's failure.

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  • Unter anderem die unterschiedlichen Ergebnisse in den bisherigen klinischen Trials, sowohl bei Viprinex als auch bei Desmoteplase, lassen mich zögern. Kann zwar gut sein, dass nur die Dosierung angepasst werden muss, aber ich habe noch kein richtig gutes Gefühl bei der Sache.


    Obwohl ich in der Biotechnologiebranche tätig bin, habe ich kaum entsprechende Titel im Depot. Liegt wohl daran, dass ich aus eigener Erfahrung weiss, wie oft vielversprechende Wirkstoffkandidaten in den klinischen Tests scheitern.

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    Edited once, last by Mickymoto ().

  • Hallo Micky


    eine für mich interessante Branche ist das Thema Bioethanol und Biodiesel.


    Die letzten gut eine Woche hatte ich mich in die Materie eingelesen. Ein Investment bin ich bislang noch nicht eingegangen. Zu nennen wären hier u.a.


    Archer Daniels Midland: Weltmarktführer im Bereich Bioethanol
    Südzucker: Betreibt eine Anlage in Sachsen-Anhalt, allerdings ist dieses Segment bislang nur Nebengeschäft, dafür aber die Aktie relativ Preisgünstig.
    Agrana: Österreichisches Unternehmen, leider habe ich den GB noch nicht erhalten - und im Netz gibt es keinen
    Abengoa: Spanisches Unternehmen und Europäische Nr. 1 neben dem Ökospirt gibt eine Reihe weiterer Geschäftsfelder wie Solarkraftwerke, Entsalzungsanlagen u.v.m. Die Bewertung steigt allemählich in den Ambitionierten Bereich und das Fremdkapital steigt kontinuierlich an. Ich muss zugeben, die Branche reizt mich, auch wenn ich eigentlich den heißen Stories mit Distanz begegnen möchte. Bei Cardero bin ich mir schon untreu geworden... Der Anfang vom Ende?!


    PS: Danke für die Blumen im "Neue Bijou Brigitte in Hongkong mit KGV 6 ?"-Thread


    Nachtrag fürs Protokol:
    Die letzten Aktienkurse:
    Archer Daniels: 30,60 Euro / 36,85$
    Südzucker: 21,51 Euro
    Agrana: 84,00 Euro
    Abgengoa: 23,92 Euro
    das ganze bei einem Dax-Stand von 5918 Punkten

  • Hi Antares,


    Du hast recht, Bioethanol könnte eventuell die nächste Boombranche nach dem Solarhype werden. Wenn es tatsächlich so kommt, wäre es natürlich schön, wenn man dabei wäre. Solarworld ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich eine entsprechende Aktie im Idealfall entwickeln kann. Mit Antizyklik hat ein so ein Kauf zwar nix zu tun, aber auch zyklische Investments können hochlukrativ sein, wenn man es schafft, relativ frühzeitig ein- und rechtzeitig wieder auszusteigen.


    Ein Problem sind natürlich die mittlerweile ambitionierten Bewertungen in dem Sektor. KGVs deutlich über 20 sind nicht jedermanns Sache. Stimmen die prognostizierten Wachstumsraten in der Branche, wären sie allerdings trotzdem akzeptabel.


    Zu Südzucker kann ich ein paar Worte sagen, weil einer meiner Freund (auf dessen Meinung ich einiges gebe) im Management der Palatinit GmbH arbeitet, die zu Südzucker gehört. Nach seinen Informationen plant Südzucker aktuell eine Ausgliederung der Bioethanolaktivitäten in eine eigenständige AG, der IPO soll relativ zeitnah stattfinden. Es sind erhebliche Investitionen auf dem Sektor vorgesehen. Besonders angetan war er auch vom involvierten Managementteam, das in seinen Augen eines der besten der ganzen Südzucker sein soll. Seiner Meinung nach sollte man sofort beim Börsengang zeichnen.


    Falls Du bei den aktuell börsennotierten Unternehmen einsteigen willst und noch eine relativ günstig bewerte Firma suchst, schau Dir eventuell China Sun Bio-Chem (KYG843801070) an, die ein aktuelles KGV zwischen 10 und 12 haben dürfte. Die Firma wird liquide in Frankfurt gehandelt und produziert, entwickelt und vertreibt stärkehaltige Produkte, hauptsächlich auf Basis von Mais. Auf dem Sektor ist man sogar Marktführer in China. China Sun hat ein seit Jahren stabiles Gewinnwachstum von über 50% p.a. und ist einer der Blue Chips an der Boerse Singapur. Als besonderer Wachstumstreiber kommt hinzu, dass die Firma derzeit eine Ethanol-Produktion mit einer Jahreskapazität von 300 000 Tonnen aufbaut. Sollte man wie erwartet eine der begehrten Lizenzen für die Produktion und den Verkauf von Ethanol-Treibstoff für Gesamtchina bekommen, ist mit erheblichen Kurssteigerungen zu rechnen. Es gibt allerdings auch Konkurrenz in China: China Resources baut eine Produktionsstätte mit 600 000 Tonnen und hat gute Kontakte zum Staat.


    China Sun hat sich bereits etliche Kaufempfehlungen abgeholt, u.a. von CLSA (Credit Lyonnais South East Asia) und DBS (Größte Bank Südostasiens). In Deutschland haben bereits der Emerging Market Investor, Focus Money und Der Aktionär über die Aktie berichtet, was man allerdings auch als Kontraindikator betrachten könnte.


    Gruß, Mickymoto

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  • Stabiles Gewinnwachstum von 50% bei KGV 10 suche ich auch noch. Leider sieht es etwas anders aus:


    China Sun Bio-Chem Technology Group Company Ltd
    Price / Earnings Ratio 14.92 Dividend Yield 0.00%
    Price / Sales Ratio 3.84 Payout Ratio 0.00%
    Price / Book Ratio 3.97 % Held by Insiders 50.05%


    Umsatzwachstum 2003-2005: 208%, 24%, 34%
    Gewinnwachstum 2003-2005 257%,42%,20%
    Gewinn absolut 2002-2005 1,4,5,6 Cent


    Wisi hat Daten erst seit 2002.

    Bekanntlich hält man ja nur jene Menschen für normal, die man noch nicht so gut kennt. (SPON)

  • Die WISI-Daten sind interessant; in den genannten Publikationen waren teilweise andere Werte genannt. Schlecht sind sie trotzdem nicht.


    Fragt sich allerdings, welche Quelle zuverlässiger ist. Einen Geschäftsbericht oder eine andere Primärquelle habe ich mir noch nicht besorgt, wäre aber anzuraten.

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    Edited 2 times, last by Mickymoto ().

  • Ein sicherlich auch interessanter Wert in bezug auf Zucker-Sprit (und Zocker-Sprit?) ist Cosan S.A Industria E Commercio aus Brasilien.


    Website: http://www.cosan.com.br


    Bezeichnet sich selbst als drittgrößten Zucker- und zweitgrößten Ethanolproduzenten der Welt.


    Die Aktie wird zZt nur im BOVESPA in Brasilien (Symbol CSAN3) gehandelt.


    Angeblich fahren dort bereits 80% aller neu zugelassenen Wagen mit Ethanol.



    Gruß


    L

    Auch unsere Gedanken sind wircksame Factoren des Universums. Novalis


    Klimaneutralität ist kommunistische Planwirtschaft in neuem Gewand.

  • Danke Lando, habs auch gerade in der FAZ gelesen.


    Kurzer Nachtrag zu Südzucker: Die Bioethanol-Aktivitäten der Südzucker sollen angeblich unter dem Firmennamen CROP ENERGY an die Börse kommen.

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  • Quote

    Original von Mickymoto
    Danke Lando, habs auch gerade in der FAZ gelesen.


    Kurzer Nachtrag zu Südzucker: Die Bioethanol-Aktivitäten der Südzucker sollen angeblich unter dem Firmennamen CROP ENERGY an die Börse kommen.


    Genau genommen heißt die Südzucker Tochter Crop Energies bzw. im Moment Südzucker Bioethanol GmbH. Ich persönlich stehe IPOs eher skeptisch gegenüber, i.d.R. werden die Aktien in positivem Börsenumfeld zu teuer an den Mann gebracht.


    Bioethanol hat in Brasilien als Kraftstoff wahrscheinlich deshalb eine so hohe Verbreitung, weil Ethanol dort aufgrund des billigen Rohrzuckers sehr günstig produziert werden kann.
    Ob das in Deutschland auch so sein wird, hängt wahrscheinlich von den Auswirkungen der Zuckermarktreform ab und davon, ob der Rohstoff Zucker in Europa aus Zuckerrüben ähnlich günstig gewonnen werden kann wie in Brasilien aus Zuckerrohr (wahrscheinlich eher nicht). In Nordamerika hat Mais eine starke Bedeutung für die Herstellung von Bioethanol, in Europa (neben Zuckerrüben) Kartoffeln und Getreide. Im Moment ist in Deutschland Ethanol als Kraftstoff ähnlich teuer wie traditionelles Benzin.


    Wie bei Windkraft oder Solaranlagen hat mit Sicherheit auch wieder das politische Umfeld starken Einfluss ((Steuer-)Subventionen, Maßnahmen zur Erfüllung des Kyoto-Protokolls).

  • caedmon
    zumindest bei der Südzucker wird das Ethanol größtenteils aus Weizen gewonnen. Einigen Quellen aus dem Internet besagen, dass das Ethanol sich bei einem Preis von über 50 Dollar je Barrel auch ohne Steuerbegünstigen rechnen. Die Zahlen lasse ich mir derzeit von den IR-Abeilungen bestätigen, da ich den Quellen im Internet nicht immer traue.


    Die Fragen die sich daran anhängen sind folgende. Bleibt der Ölpreis nachhaltig über 50 Dollar? Ich meine ja und stütze diese These aufs Stichwort Peak Oil und steigende Nachfrage in den nächsten Jahren.
    Die nächste Frage die sich stellt ist, die, ob nicht rasend schnell ein Überangebot an Bioethanol vorhanden sein wird. Hier sehe ich die Sache schon skeptischer. Einigen Zahlen auf der Abengoa-HP sieht's zumindest die nächste Zeit noch nicht so aus. Da hängt allerdings so gut wie alles an den Beimischungsquoten beim Benzin.


    Gehört zwar nur am Rande zum Thema, kann Dir aber sagen, dass laut Südzucker-GB der Rübenzucker in der Tat einiges teuerer ist wie der Rohrzucker.

  • Antares


    Ein Überangebot an Bioethanol kann ich mir nicht so richtig vorstellen. Im Gegenteil sind sogar große Mengen nötig, damit es als Kraftstoff erfolgreich ist.
    Normale Motoren vertragen bis zu 10% Ethanolbeimischung im Benzin, alles darüber braucht einen speziellen Motor. Bioethanol muss also in ausreichend großen Mengen flächendeckend verfügbar sein (außerdem muss der Bioethanol-Kraftstoff günstiger sein als herkömmliches Benzin), damit sich die Verbraucher Autos mit einem für Ethanol geeigneten Motor kaufen.
    Für mich stellt sich eher die Frage, ob preisgünstig genug Rohstoff für die Bioethanolherstellung bereitgestellt werden kann. Hier spielt über Subventionen möglicherweise wieder die Politik eine Rolle, zudem könnten andere Länder gegenüber Deutschland Vorteile haben, weil sie offener gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen sind. Damit wäre dort der Anbau von beispielsweise Mais oder Getreide mit höherem Stärkegehalt möglich.


    nixda


    Solchen Unternehmen stehe ich ziemlich skeptisch gegenüber. Vor Ewigkeiten war mal ein Artikel im Spiegel über ein Unternehmen, dass aus Abfall Erdöl gewinnen wollte. Erdöl ist letztendlich auch nur aus organischer Masse entstanden. Dieses Unternehmen hat nun Reaktoren entwickelt, mit denen dieser Prozess nachgebildet werden sollte, nur eben in Kurzzeit, und nicht in Jahrmillionen. Mit den Schlachtabfällen aus einer großen Geflügelschlachterei soll das schon funktioniert haben, gehört hab ich von der Firma aber nie wieder etwas.


    Das Problem bei solchen Anlagen ist: man brauch relativ "reine" Abfälle, kann also nicht einfach den Inhalt eines Müllwagens in die Anlage kippen und hinten kommt Biokraftstoff raus. Zu den Verfahren von Choren kann ich nicht viel sagen, hört sich aber alles ziemlich aufwändig an. Zudem sehe ich ein Problem bei solchen Anlagen: das Transportproblem. Die Bereitstellung großer Mengen Biomasse um eine Anlage, die eine ausreichende Größe hat um wirtschaftlich zu arbeiten, auszulasten, könnte ein ziemliches logistisches Problem sein. Mag sein dass die den großen Hit landen, mir wäre sowas aber zu spekulativ.

  • Quote

    Original von caedmon
    Vor Ewigkeiten war mal ein Artikel im Spiegel über ein Unternehmen, dass aus Abfall Erdöl gewinnen wollte. Erdöl ist letztendlich auch nur aus organischer Masse entstanden. Dieses Unternehmen hat nun Reaktoren entwickelt, mit denen dieser Prozess nachgebildet werden sollte, nur eben in Kurzzeit, und nicht in Jahrmillionen. Mit den Schlachtabfällen aus einer großen Geflügelschlachterei soll das schon funktioniert haben, gehört hab ich von der Firma aber nie wieder etwas.



    Doch, so Firmen gibt es, zB Clyvia Inc a0f59x; zumindest bieten sie Aktien auf irgendwas, wozu ich aber nicht rate.


    In den USA oder Kanada laufen angeblich schon Anlagen, http://www.changingworldtech.com



    Gruß


    L

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  • Genau, Putenschlachtabfälle - ich glaube das war dieses Unternehmen.


    What other feedstocks can you process besides turkey waste?


    The Thermal Conversion Process (TCP) can transform a wide variety of waste streams into renewable sources of oil to meet our transportation, electricity, and heating requirements; and minerals from organic waste to be used as fertilizer. Some of the renewable feedstocks that have been tested include:


    * Food Processing / Agricultural
    Poultry (Offal, Feathers, Bones, Litter, Manure, Protein Meal); Beef (Offal, MDM, Paunch, Bone Meal); Pork (Offal, Manure, Grease); Fish; Hay and other Natural Grasses; Corn Sludge; Spent Hens; Egg Waste; Mushroom Substrate; Onion Skins; Soybean Oil Soapstock


    * Municipal
    Municipal Sewage Sludge (MSS), Municipal Solid Waste (MSW), Dissolved Air Floatation (DAF) Sludge


    * Industrial
    Shredder Residue, Tires, Mixed Plastics


    Das gleiche Problem: die organischen Abfälle sind nicht lagerbar, gammeln schnell und müssen aus dem halben Land rangekarrt werden. Ob man kleine, wirtschaftlich arbeitende Anlagen dort bauen kann, wo der Abfall anfällt, ist fraglich.
    Dafür, dass die Idee, aus Abfall Öl herzustellen der Renner des Jahrtausends sein müßte, hört man zuwenig darüber, was die Vermutung nahelegt, dass der Betrieb solcher Anlagen Probleme aufwirft, bzw. nicht so recht rentabel ist. Ich mag mich irren, aber um in solche Firmen zu investieren bin ich nicht risikofreudig genug.

  • Ich meine mich dunkel zu erinnern, im Smart Investor eine eindringliche Warnung vor diesen Bioölaktien gelesen zu haben (Rubrik Buy/ Good bye).

    Das Drehbuch für den Untergang steht fest - es geht nur noch um den Preis für die beste Maske (H. v. Buttlar)