"Investment-Grade"-Weine - oder besser versaufen?

  • Lange nicht mehr so gelacht wie bei diesem Artikel aus der FAZ über Weine als Investment (Weblink).
    Zitate daraus:


    Der Fonds hat nur ein Volumen von 2,5 Millionen Euro, von denen er marktüblich 154.000 Euro als Vergütung einbehielt.


    Ob man das Geld nicht besser gleich versoffen hätte, wenn der Fondsmanager gleich mal mehr als 6% einbehält?


    ... der Anlageerfolg mit "Investment-Grade-Weinen" liege deutlich über dem FTSE 100, dem Leitindex der Londoner Börse ...


    Mmh. Wenn es so ist wie bei Anleihen: welche Renditen wären dann erst mit Junk-Wines möglich? Dann sollte ich meine 2-10 Euro-Weine besser schonen. Also diese Villa-Antinori-Weine vom Handelshof haben schon 30% zugelegt, von 10 auf 13 Euro. Oder ist das nur Inflation ???
    Vielleicht sollte man long gehen in ungarischer Mädchentraube? ;D


    Das Beste zum Schluß:
    So soll eine Investition in Wein das Vermögen weniger abhängig von den Finanzmärkten machen.

  • Ich denke die Wertentwicklung bei Wein korreliert ähnlich wie die von Kunst mit den Börsenkursen. Wenn die Leute zuviel Geld haben kaufen sie halt scheinbar unnötige Dinge. Wenn sie kein Geld übrig haben lassen sie es und folglich sinkt der Preis. Ich bin mir relativ sicher, dass es da Korrelationen gibt.

    They did not know it was impossible, so they did it! --Mark Twain

  • @ Spud Du hast absolut Recht.


    Im Dezember war in der Welt ein interessanter Artikel:


    Wein-Index gibt Rezessionssignal


    Preise von Spitzengewächsen sind guter Gradmesser für die Weltkonjunktur
    Berlin - Mittlerweile interessieren sich Börsianer schon von Berufs wegen für Spitzenweine. Denn erstrangige Gewächse (Premier Crus) aus den führenden französischen Anbauregionen Bordeaux und Burgund sind zum Gradmesser für die Stärke der Weltkonjunktur geworden. Vermögenden rund um den Globus gelten die edlen Tropfen als Inbegriff mondäner Trinkkultur. Woraus folgt, dass jeder, der sich zu den oberen Zehntausend zählt, mit einem Château Lafite Rothschild, einem Latour oder einem Pétrus auf dem Mahagonitisch aufwarten will. Je mehr Wohlstand auf der Welt, desto begehrter werden die edlen Roten und desto höher klettern die Preise.Taugen die Bordeaux-Notierungen als Indikator, ist für Anleger Grund zur Vorsicht geboten. Denn während sich die Aktienbörsen langsam von ihren Novembertiefs erholen, sendet der Markt für Premier Crus Warnsignale. "Zum ersten Mal seit vier Jahren ist es diesen Herbst zu einem spürbaren Rückgang der Preise gekommen", hat Frank Schallenberger, Investmentexperte bei der LBBW, beobachtet. Denn was reiche Liebhaber für eine Bouteille zu bezahlen bereit sind, hängt inzwischen nicht mehr nur von der Qualität des Jahrgangs ab: "Der Markt für erstklassige Bordeaux verhält sich fast schon wie der Aktienmarkt. Rezessionsangst schlägt sich in fallenden Preisen nieder." Abzulesen ist der Einbruch am Spitzenwein-Index Liv-Ex 100. Ähnlich wie der Dax die Wertentwicklung der wichtigsten deutschen Aktien wiedergibt, misst dieses Premier-Cru-Barometer die Preisausschläge von 70 der besten Weine. Zu den darin repräsentierten Rotwein-Bluechips zählen zum Beispiel der Lafite 1982, der Margaux 1986 oder der Pétrus 1990 - Namen, die Weinkenner in aller Welt mit der Zunge schnalzen lassen.Tatsächlich waren die Edelgewächse in den vergangenen Jahren so gefragt, dass die Preise kein Halten mehr kannten. Bis zum Beginn der Korrektur im August hatte sich der Rebensaft der Superlative fast um die Hälfte verteuert - wohlgemerkt seit Januar. Seit Ende 2006 sind die Preise sogar um mehr 120 Prozent nach oben geschossen. Das ist dreimal so viel, wie der Dax im gleichen Zeitraum zulegte. Bei einzelnen Weinen kann von einer regelrechten Manie gesprochen worden. Eine Bouteille des Jahrgangs Lafite 1986 wechselt heute locker für 1000 Euro den Besitzer. Noch zur Jahrtausendwende wurde dafür gerade einmal ein Viertel gezahlt. "Im Rückgang der Preise schlägt sich bereits nieder, dass sich die konjunkturellen Perspektiven in den USA als wichtigem Abnehmerland verfinstern", sagt Schallenberger, der sich in den vergangenen Jahren nicht nur als Anlagestratege, sondern auch als Kenner der Weinwelt einen Namen gemacht hat. "Die Bordeaux-Preise könnten durchaus noch stärker ins Rutschen kommen", befürchtet er. Manche Auguren sprechen nach der Euphorie sogar von Crash-Gefahr bei Spitzengewächsen, was ein Menetekel für die Weltkonjunktur sein könnte. Andere Marktbeobachter beruhigen: "Von einem allgemeinen Preisverfall kann keine Rede sein", sagt Jan-Erik Paulson, Leiter von Paulson Rare Wine, einer auf ältere Jahrgänge (Raritäten) spezialisierten Weinhandlung mit Sitz im niederbayerischen Waldkirchen, "selbst wenn die Nachfrage aus Amerika zurückgeht: Die wichtigsten Käufer von Spitzengewächsen sind inzwischen die neureichen Eliten in Ländern wie China oder Russland." Dort sei ein Edel-Bordeaux ein imagebildendes Statussymbol wie der Mercedes vor der Tür oder die Rolex am Handgelenk. Auffällig ist in der Tat der hohe Gleichlauf der Preise im Spitzensegment mit den boomenden Aktienmärkten vor allem Asiens (siehe Grafik). Trotz der US-Schwäche kann von einer Konjunkturabkühlung in den Schwellenländern keine Rede sein. Dieses Jahr dürfte die Wachstumsrate zum Beispiel in der Volksrepublik China bei elf Prozent liegen, für 2008 prognostizieren Ökonomen zehn Prozent. Entsprechend schnell steigen dort weiter die Einkommen, vor allem der Vermögenden."Den dortigen Reichen kommt es auf hundert Euro mehr oder weniger pro Flasche nicht an", meint Paulson. Der Raritätenhändler selbst führt den Preisrutsch eher auf ein gestiegenes Angebot denn auf sinkende Nachfrage zurück. Die vielen Medienberichte über Rekordpreise bei Premier Crus hätten den einen oder anderen Sammler dazu animiert, ein paar Flaschen abzustoßen. Diese Sichtweise vertritt man auch beim englischen Weinhandelshaus London International Vintage Exchange (Liv-Ex), das den gleichnamigen Index berechnet. "Da haben viele Leute schlicht Gewinne mitgenommen", gibt sich Liv-Ex-Weinbroker Anthony Maxwell betont gelassen. Behalten die Optimisten recht und es handelt sich nur um eine vorübergehende Preisdelle, könnte sich die aktuelle Schwäche für Liebhaber ebenso als Kaufgelegenheit erweisen wie die Aktienmarktkorrektur für Börsianer

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Hallo,


    ja, bei den Kunstauktionen kann man den credit crunch auch schon sehen. Es gab irgendwo einen Artikel (FAZ?) ueber die Lage bei den grossen Auktionsaeusern (Sotheby's, Cristie's) und, wenn ich mich richtig erinnere, sind Ende '07 schon einige Kunstauktionen recht enttaeuschend gelaufen.


    Balkenchart

  • Letze Woche gab es wieder neue Rekorde bei Kunstauktionen (FAZ). Kann aber sein, dass dies nur die Spitzenpreise betrifft und nicht mehr für jeden Dreck Mondpreise gezahlt werden.


    Der Weinhändler hat absolut recht: wenn der FTSE100 sich ähnlich wie der S&P500 entwickelt hat, kam man auf 7%. Weißweine haben locker 11-12, Rotweine sogar 12-13%.

    Bekanntlich hält man ja nur jene Menschen für normal, die man noch nicht so gut kennt. (SPON)

  • Quote

    Der Weinhändler hat absolut recht: wenn der FTSE100 sich ähnlich wie der S&P500 entwickelt hat, kam man auf 7%. Weißweine haben locker 11-12, Rotweine sogar 12-13%.


    Brüller. ;)

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  • Es gibt tatsächlich einen Weinindex, heißt Liv-ex 100 - in dem Artikel von Matze wurde er erwähnt. Enthalten sind quasi nur Blue-Chips (Parkerpunkte) mit entsprechender Liquidität, die nach Marktkapitalisierung gewichtet sind. Er ist sehr Bordeaux-lastig.
    Die allgemeine Baisse ist auch dort zu sehen, hat aber noch keine große Auswirkung gehabt:


    http://www.liv-ex.com/pages/static_page.jsp?pageId=100


    Es gibt auch noch einen marktbreiteren Liv-ex 500, der sich zumindest in der Krise besser behauptet hat. In den letzten drei Jahren brachte er es immerhin auf eine Verdreifachung. Es gibt sogar Futures darauf. Ob die Fonds wohl den Index outperformt haben - scheint ja nicht so gut gelaufen zu sein?
    Ich setze nach wie vor lieber auf die physische Anlage ;)

  • Die neureichen Russen scheinen wieder Geld zu haben:


    (siehe Schaubild 1)


    Ich hatte gestern eine Fachsimpelei mit einem nebenberuflichen Weinimporteur, der meinte: besser ein gut zusammengestelltes Weindepot als ein schlecht gemanagter Aktienfonds. Da scheint er ja nicht unrecht zu haben. Und die Reichen weltweit werden nach wie vor mehr und damit der Wunsch nach solchem Konsum (oder bloßem Besitz, je nach dem).


    Der breiter gefaßte, ebenfalls preisgewichtete Index, der auch tatsächlich kaufbare Weine aus aller Welt, nicht nur dem Bordeaux, enthält:


    (siehe Schaubild 2)


    Zum Vergleich die Blue-Chips siehe Anhang. Damit hätte man 14,4% Rendite pro Jahr seit Ende 1999 gemacht (340%), gleich viel seit Anfang 1988 mit dem o.g. Investables-Index.

  • Frei nach Karl Valentins Motto "Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen" hier ein Artikel über Wein als alternatives Investment.


    90% of all wines should be consumed within one year of being produced. Another 9% are best consumed within five years of production, and the remaining 1%, which are usually Bordeaux wines, only get better with age.

    Don't wrestle with pigs. You both get dirty and the pig likes it. (M. Twain)

  • Ich persönlich mag Italienische Weine lieber, vermutlich steigen die aber nicht so im Wert wie die Franzosen und sind als Investment auch nicht so "Liquide".


    Als potentielles Investment am besten wären glaube ich die Brunellos, dann der Barolo.


    Auch die "Super Tuscans" v.a. aus Bolgheri halten lange und haben stark an Popularität und Preis zugelegt:


    https://fortune.com/longform/most-expensive-wines-tuscany/

  • Ich komme an Rotwein nur ran, wenn er gepanscht als Glühwein bzw. Feuerzangenbowle serviert wird. :D

    »In meinem Alter begreife ich, dass Zeit mein kostbarster Besitz ist.«
    »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.«
    »Eine Aktie zu verkaufen die fällt, ist in etwa so, als ob man ein Haus für 100.000 Dollar kauft und es verkauft, sobald jemand 80.000 Dollar dafür bietet.«
    Buffett

  • Aus Deutschland taugt auch der Fürst-Rotwein zum Lagern. Da würde ich mich allerdings beraten lassen. Der ist einer der besten Rotwein-Winzer in Deutschland:

    https://weingut-rudolf-fuerst.de/weingut/

    Manche zählen ihn, zusammen mit Friedrich Becker und Bernhard Huber zum "top Pinot Noir Dreigestirn".

    Am Nåma nåch häd i Di af Middelfrånga un ned nåch Unnafrånga gsteggt.

    Don't wrestle with pigs. You both get dirty and the pig likes it. (M. Twain)

  • Manche zählen ihn, zusammen mit Friedrich Becker und Bernhard Huber zum "top Pinot Noir Dreigestirn".

    Am Nåma nåch häd i Di af Middelfrånga un ned nåch Unnafrånga gsteggt.

    Ich wohne seit 13 Jahren im weinfreien Oberbayern. ;-) Lustiges Fränkisch!

    Hauptsache der Wein schmeckt, egal woher und der ist wirklich Weltklasse. Ich wollte nur Werbung machen, was ich auch kenne. Friedrich Becker und Bernhard Huber habe ich leider noch nicht getrunken. Sollte ich mal nachholen. Ich habe das Gefühl seit letztem Jahr gibt es nur noch Spätburgunder aus Deutschland. Alle anderen Weinsorten scheinen aus dem Sortiment verbannt, oder ausverkauft zu sein.

  • Ich befürchte, dass mir Spätburgunder einfach nicht schmeckt. Ich habe aber nach meiner Erinnerung noch keinen von Rudolf Fürst probiert.

    "Foreign aid is a phenomenon whereby poor people in rich countries are taxed to support the life-styles of rich people in poor countries" - Lord Peter Bauer

  • Ich wohne seit 13 Jahren im weinfreien Oberbayern. ;-) Lustiges Fränkisch!

    Hauptsache der Wein schmeckt, egal woher und der ist wirklich Weltklasse. Ich wollte nur Werbung machen, was ich auch kenne. Friedrich Becker und Bernhard Huber habe ich leider noch nicht getrunken. Sollte ich mal nachholen. Ich habe das Gefühl seit letztem Jahr gibt es nur noch Spätburgunder aus Deutschland. Alle anderen Weinsorten scheinen aus dem Sortiment verbannt, oder ausverkauft zu sein.

    Ist schon länger her, dass ich in Würzburg einige Semester studierte und original Frengisch hören konnte. Und an Weinen kannte ich damals eh nur Silvaner und Müller-Thurgau.

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  • Ich befürchte, dass mir Spätburgunder einfach nicht schmeckt. Ich habe aber nach meiner Erinnerung noch keinen von Rudolf Fürst probiert.

    Dem würde ich mich anschließen, hätte es da nicht diese beiden elsässer Pinot Noirs gegeben: Eine Winzerin schenkte mir nach dem Kauf einiger Gebinde Weißweins eine Flasche ihres von ihr hoch gelobten Pinot Noirs, den überhaupt zu probieren ich mich geweigert hatte. Das war ein göttlicher Wein. Was habe ich mich geärgert. Als ich ein paar Jahre später wieder in die Gegend kam, gab's das Weingut nicht mehr.

    Die andere Gelegenheit kam auf Grund einer von mir verlorenen Wette. Einsatz war eine Flasche Wein im Wert von über 100$. Ein Straßburger Weinhändler empfahl mir nachdrücklich einen Pinot Noir, den wir dann zu viert tranken. Und er war wirklich lecker. Sogar die Bordeaux-Liebhaber unter uns waren begeistert.

    Die Weine von Fürst, Huber und Becker (da gibt's noch einen zweiten hochgelobten mit anderem Vornamen in Walluf) sind auf meiner "to taste"-Liste.

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