Banken


  • Ich habe bei Banken immer Schwierigkeiten sie zu bewerten:

    Was ist Umsatz bei einer Bank?

    Was ist Cashflow?

    Was ist der Buchwert, und wenn da einer ist: die Eigenkapitalquote ist doch 1% oder weniger?


    Das einzige was ich wirklich definitiv erkennen kann: wieviel Dividende Zahlt diese Bank?

    Angenommen der ausgewiesene Gewinnpro Aktie ist nicht irgendwie verzerrt (aber ist er meistens mit Sicherheit), nun, dann kann ich noch was mit dem KGV anfangen, bzw. dem KGV10.


    Ausserdem: Umsatzzahlen werden ja angegeben, irgendwas wurde also als Umsatz definiert, und ich kann ein KUV daraus basteln, selbst wenn mir die Vorstellung "Umsatz" bei einer Bank unmoeglich ist, meine Vorstellungskraft reicht dazu einfach nicht aus, 5-dimensionales Denken war noch nie meine Staerke.


    Jedenfalls: langer Rede wenig Sinn - die KGV10s und die Dividenden von Banken sehen wirklich (really, really) guenstig aus.

    Es ist die billigste Branche, oder?


    Die Dividenden werden fuer 2020 gestrichen. Nicht weil die Banken das nicht zahlen koennten. Es ist nur so: es gibt keine 2020-Rettungsgelder, wenn Dividenden ausgeschuettet werden. Darum gibt es die fette Dividenden erst ein Jahr spaeter, aber da kann man ja gerne darauf warten, oder?

    Es ist ja nichts strukturelles, den Banken geht es ja gut, noch nie hatten wir soviele Banker wie heute, es boomt und jeder kennt mindestens einen in seiner Familien der bereits Banker ist.

    Artenschutz gibt's ja en masse, alles ist systemrelevant.


    Also Sarkasmus beiseite:

    Die Dividenden sehen attraktiv aus. Banken sind ein Geschaeftsmodell das die maximale Foerderung und staatliche Zuwendung erhaelt. Pleite machen geht gar nicht. Also warum sollte man sich keine Bankenaktie ins Depot legen?

    Wie waere es mit Santander? Ist bestimmt Systemrelevant.

    Kostet knapp unter 2 Euro, machte 0,40 oder mehr Gewinn pro Aktie

    Dividende:

    21 Cent (2016)

    22 Cent (2017)

    23 Cent (2018)

    23 Cent (2019)


    Das ist mehr als 10% Dividende, und der Gewinn ist auch bombenstabil.


    Also spricht noch irgendwas gegen eine so billige Aktie, die stets gerettet wird wenn es schief geht und mir soviel Gewinn verspricht? Selbst wenn mir Umsatz und Buchwert und Cashflow hier nichts sagen?


    Edit: habe die Dividendenzahlen und Gewinne nicht aus meiner Datenbank. Und prompt stimmen sie nicht so ganz, aber ich lass es mal so stehen. Ein paar Cent hin oder her, die Aussage bleibt die gleiche, man bekommt riesige Divdende fuer wenig Kurs, und der Gewinn der Bank (wenn es denn "Gewinn" ist) bringt je nach Bank 20% auf den Kurs oder mehr.

  • Nachtrag, Erklaerung zum Chart oben:

    Lila Kurve = europaeischer Banken Index

    Orange Kurve= 10 Jahres Rendite deutscher Staatsanleihen. ("Bunds")


    Ich nehme an dass fallende Bankaktienkurse die Folge von fallenden Zinsen sind, weil mit fallenden Zinsen die Banken weniger Gewinn machen? Vermutlich ist es so.


    Allerdings, der "kleinere" Gewinn, trifft auf einen noch sehr viel kleiner gewordenen Akteinkurs, und somit sieht die Dividende gut aus und der Gewinn auch. Alles eine Frage des Preises: wieviel zahlt man fuer eine Aktie?

  • Also ich habe mir ING und Santander kurz angesehen, da tut sich nicht allzu viel in der Bewertung , beide sind jetzt bei ganz grob KBV = 1/3

    Santander ist mehr in Südamerika unterwegs, in normalen Zeiten eher ein Vorteil, noch eher Kundenwachstum vorstellbar.


    Selbst wenn sie nur 6% bis 8% ROE / Eigenkapitalrendite schaffe, sind das bezogen auf den Kaufkurs 18% -24 %

    Was natürlich kommt, ist das es vermehrt Notleidende Kredite geben wird, die NPL Ratio ist im Q1 2020 noch nicht besonders angestiegen, kommt aber wahrscheinlich noch..


    Das Eigenkapital könnte dieses Jahr auch noch ein paar Prozentpunkten sinken, dadurch wird KBV wieder etwas höher.


    Wenn man den Durchschnitt der Dividenden nimmt in den letzen 5 Jahren ( = gute Jahre )

    Santander 0,22 €

    ING 0,67 €

    könnte man ( dieses Jahr vergessen) aber in den nächsten 4-5 Jahren eine Dividendenrendite von 11% Santander und 13% ING erwarten, wenn es gut läuft.


    Und wenn es schlecht läuft ?

    Verstaatlichung ?

  • Also spricht noch irgendwas gegen eine so billige Aktie, die stets gerettet wird wenn es schief geht und mir soviel Gewinn verspricht? Selbst wenn mir Umsatz und Buchwert und Cashflow hier nichts sagen?

    Hallo Joe,


    also im April 2009 hatte ich Santander gekauft und den optimalen Zeitpunkt bei Verkauf dann leider verpasst.
    Mit kleinem Gewinn dann verkauft (2011) - egal...


    Jahre später sehe ich das Risiko eher generell bei Banken im Hinblick auf das Finanzsystem, drohender Verstaatlichung und erzwungener Bankenunionen. In Deutschland ist das mit DeuBa und CoBa auch immer mal wieder ein Thema mit der Zusammenlegung (freiwillig?).
    Spanien? Gibt es da überhaupt andere relevante Banken? Naja vielleicht BBVA.


    Systemrelevanz bedeutet ja nur "too big to fail" aber nicht, dass du als Aktionär einen Anspruch auf indirekt staatliche Dividenden hast.
    Die geretteten Banken gehen nicht pleite aber Aktionärsgewinne sind dann nicht garantiert.

    Kapitalerhöhungen gab es bei Santander auch - aus der Erinnerung heraus - die sollte man nicht unter den Tisch kehren.


    Unabhängig davon kann man mit Banco Santander schon mal schnell verdoppeln - riecht nach Bodenbildung.

    Als mittelfristige Spekulation interessant.



    LG

    Zek

    3.) Gib nie mehr für einen Erwerb aus, als absolut nötig
    16.) Geschäft ist Geschäft (... bis sich ein besseres anbietet)
    218.) Kauf nie ohne zu wissen, was Du kaufst

  • Ich überleg grad spontan, ein paar JPMorgan-Aktien zu kaufen.


    Die Zahlen waren ziemlich gut:

    https://www.marketwatch.com/st…0-13?mod=newsviewer_click


    Aber nicht deshalb alleine natürlich. Schau die schon seit Jahren immer wieder an und halte sie für recht solide. Der Jamie Dimon scheint auch ein ziemlich vernünftiger Typ zu sein, zumindest was ich so mitbekomme.


    Über die Hälfte des Umsatzes ist "noninterest revenue", immerhin.


    Ich glaube, die nächsten Jahre wird Investment-Banking boomen. Finanzierungen, Umstrukturierungen, Merger, etc. etc. Einfach eine Annahme meinerseits natürlich.


    Und man sollte vielleicht auch nicht vergessen, dass die Banken vorher wohl ziemlich gut kapitalisiert waren und Unmengen an Aktien zurückgekauft haben, z.B. auch die Bank of America. Wenn das wieder losgehen sollte.


    Aber natürlich, gibt auch sehr viel Skepsis. Buffett ist ja ziemlich raus bei den Banken. Und gefühlt jeden Tag liest man eine Stimme, dass die Banken sich auf die kommenden massiven Kredit-Ausfälle vorbereiten müssen. Nun denn, meine Grundannahme ist trotzdem, dass viele Banken viel besser aufgestellt sind als 2008 rum und dieses Mal sind sie auch nicht (mit) schuld.


    Naja, bin aber noch unschlüssig. Zahlen sind natürlich im wesentlichen auch von den Rückstellungen abhängig. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie extra wenig zurückstellen, wenn sie die Markt-Erwartungen eh schon übertreffen.

    When a management with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.


    W. B.


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    B. G.

  • Hat die USA auch so ein Insolvenz-Moratorium wie Deutschland?


    Falls ja, wäre ein besserer Zeitpunkt zum Einstieg in die Branche nicht wenn das ausläuft und die ganzen schlechten Nachrichten der Insolvenzen durch den Markt schwappen?


    wp

    Exponentialfunktion zu Polynomfunktion zu linearer Funktion verhält sich wie: Darth Vader zu Frodo zu Mickey Mouse.

    "If you have a nail and a hammer, then use it!"

  • Hey wp,


    das weiß ich nicht, aber ich gehe davon aus, dass die Banken selbst einschätzen müssen, welche Kredit-Ausfallrisiken sie haben und dass das nicht von einer solchen Regulierung abhängig sein sollte. Nein? Ob die Ausfälle jetzt oder später sind, sobald sie realistisch sind, müssen Rückstellungen gebildet werden, richtig?


    Abgesehen davon, ich mag damit richtig oder falsch liegen, aber ich glaube eigentlich schon daran, dass etwas auch im Kurs ist, wenn es bekannt ist, vor allem bei so großen, bekannten Unternehmen.

    Ob die jetzt noch ein schlechtes Jahr haben oder vielleicht auch ein richtig schlechtes, oder auch zwei, ich bin da ganz positiv für die Zukunft. Manchmal hab ich so Spontan-Käufe. Zwar schon seit Jahren angeschaut und für gut befunden, ja, aber das war jetzt wirklich eher kurz entschlossen.


    Aber nochmal, ich finde den CEO gut und vor allem, als ich Anfang des Jahres in den USA war, insbesondere die Chase-Filialen haben mir einen sehr guten Eindruck gemacht. Hier der letzte Shareholder Letter, falls jemand Interesse hat:

    https://www.jpmorganchase.com/…-to-shareholders-2019.pdf


    Ich hab jetzt jedenfalls vorhin grad welche gekauft. Dachte mir 86,50 € wär ein schöner Kurs und tatsächlich ging's etwas runter, dann hab ich's gleich eingegeben. Damit bin ich nebenher wieder voll investiert und ich hoffe für mich selbst und andere, dass das kein antizyklisches Omen ist :)!

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    W. B.


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    B. G.

  • Nochmal zu JP Morgan übrigens: CEO Jamie Dimon hat sowohl bei den Zahlen zum zweiten als auch kürzlich zum dritten Quartal betont, dass er hofft, dass sie bald wieder Aktien zurückkaufen dürfen. Das ist ist den USA momentan wohl ebenso untersagt wie bei uns, allerdings dürfen die weiterhin Dividenden zahlen.

    Jedenfalls hat er in diesem Zusammenhang seine Hoffnung betont, - und das ist nur ein Beispiel warum mir der so solide wirkt - dass der Aktienkurs bis dahin nicht deutlich anzieht. Das sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider oft nicht. Bei vielen Firmen wird bei Rückkäufen ja doch recht wenig auf den Preis geschaut.

    Ich frage mich natürlich, ob er nicht seinen Kumpel Warren anrufen kann und ihn bitten kann, einen ordentlichen Block für ihn zu kaufen, den er dann - wenn es wieder erlaubt - ist, für eine vorher vereinbarte Marge abnehmen kann.



    Dann was anderes, bin grad zufällig drauf gestoßen, eine Meinung, warum Berkshire mit Wells Fargo inzwischen noch mehr "out of love" ist:


    https://www.bnnbloomberg.ca/bu…arf-sets-course-1.1509170



    Und dann noch etwas, das auch bei Banken passt. Vor ein paar Tagen schon, bin ich über das hier gekommen:


    https://www.finanzen.net/nachr…es-berkshire-vize-9194509


    Also dass die privaten Aktien von Charlie Munger BofA, Wells Fargo, U.S. Bancorp und POSCO wären, was ich ja witzig fände. Das mag aber natürlich ein Käseblatt-Bericht sein, kommt scheinbar von hier (was auch nicht gerade solider wirkt):

    https://www.web24.news/u/2020/…re-runners-portfolio.html


    Aber irgendwo müssen die's ja her haben? Oder erfindet da einer einfach was? Ich finde es nur interessant, weil gerade Charlie Munger doch immer sagt, dass er nur 3 Beteiligungen hat, nämlich an Costco, Berkshire und einer Firma mit Value-Investor Li Lu.

    https://medium.com/omniview/ch…etends-to-be-741926ec16a3


    Falls jemand eine solidere Quelle für das obige hätte. Wenn Charlie Munger's private Aktien nämlich echt 3 US-Banken und eine koreanischer Stahlkocher sind, also naja.. fänd ich schon witzig.

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    B. G.

    Edited once, last by buccaneer ().

  • Vielen Dank dafür, dann war es also falsch und nicht sein privates Depot. Ja, die Daily Journal hatte ich auch schon mal im Blick, ist ja inzwischen auch so eine Mini-Berkshire-Versammlung. Dort spricht halt Charlie, ohne Warren. Ich hatte mich schon mal damit beschäftigt und gesehen, dass die an so einer Software für Gerichte arbeiten, bzw. sie setzen es auch schon teilweise um.

    Jedenfalls, ich hab mich richtig geärgert gestern, hab gesehen dass die am 12.02. die HV in Los Angeles hatten und da war ich zu der Zeit vor Ort, meine Güte. Hätt ich ein paar oder zumindest eine Aktie kaufen können und hinfahren. Plöd.

    Aber, es gibt eine Aufnahme auf Youtube und auch eine Zusammenschrift bei Junto Investments. Bei der Zusammenschrift stimmt aber nicht immer jedes Wort. Jedenfalls, ich kann die Aufnahme nur empfehlen, ich hab mich teilweise fast niedergelegt vor Lachen. Mein Favorit, wie er zu den hauptsächlich für ihn versammelten Aktionären sagt:

    "I regard you as nerds.." (43:40)


    Oder Tesla: "My thoughts are two: I would never buy it and I would never sell it short."


    Oder wie er Witze macht, dass der Altersschnitt des Vorstands von Daily Journal jetzt gesunken ist, weil sie einen dazu bekommen haben, der gerade erst ins Rentenalter gekommen ist. Ach, es sind ganz viele Sachen, aber auch ernsteres und insgesamt einfach sehr interessant finde ich.


    Ich schätze mal einige hier werden auch "Poor Charlie's Almanack" gelesen haben. Der Charlie Munger beißt sich ja auch eher selten auf die Zunge, wenn man das mag, sollte man sich die HV mal anschauen, ich kann es nur ausdrücklich empfehlen.

    HV-Aufnahme auf Youtube


    https://junto.investments/daily-journal-2020-transcript/

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  • Der Li Lu, mit Himalaya Capital, den Charlie Munger immer sehr lobt, investiert ja viel in China sagte Munger ("fish where the fish are"). Ich wollte mal schauen ob ich finden kann, was der da so hat, hätte mich interessiert. Denn ich finde es immer wieder witzig, dass Charlie Munger immer darüber redet, wie schrecklich die Gambling-Mentalität der Chinesen ist, weil das auch genau meine persönlich Erfahrung ist.

    Zitat von der oben verlinkten HV: "In China, the ordinary holding period for the individual investor is short. They love to gamble in stocks. This is really stupid. It’s hard to imagine anything dumber than the way the Chinese hold stocks."


    Und da frage ich mich dann eben, was ein Value Investor in China dann so kauft.


    Jedenfalls, für China hab ich nichts gefunden (nur dass er wohl BYD und CRRC mal toll fand, aber ob er die noch hält, nichts gefunden), aber es gibt Meldungen für US-Aktien und neben Alphabet, FB und Micron hat er da auch massiv Bank of America gekauft, wie ja auch Berkshire und wie ja auch das oben erwähnte Daily Journal (wobei die die schon lange haben und nicht kürzlich gekauft).


    Sprich, für mich zwei Aussagen: Erstens scheint er die USA grad attraktiver zu finden (vorher hatte er scheinbar quasi nichts dort) und zweitens eben unter anderem die BofA.

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    W. B.


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    B. G.

  • Die Banken haben schon ziemliche Firmenpleiten eingeplant und in den ersten beiden Quartalen teilweise ziemlich massive Rückstellungen gebildet. Nur im Gegensatz zu 2008, scheint es mir, sind die Banken deutlich besser aufgestellt. JP Morgan hat z.B. in den ersten beiden Quartalen fast 20 Mrd. USD Rückstellungen gebildet und trotzdem noch Gewinne ausgewiesen. Aber die Zinsen sind natürlich trotzdem ein großes Thema und insofern wäre ich vor allem für Banken mit mehr Nicht-Zins-Geschäft interessiert. Z.B. eben Investmentbanking, wie Goldman Sachs, JP Morgan oder auch eben die Bank of America mit Merrill Lynch. Oder die Bank of New York Mellon mit Custody Banking.


    Was ich tatsächlich nicht ganz verstehe, ist, warum BofA und nicht JPM.

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