• Anders gefragt: Du bist ja schon seit vielen Jahren mit viel Ausdauer und investierter Zeit an den "Schaufelverkäufern" der Ölservicebranche dran. Was wären denn derzeit deine Favoriten für einen ausstehenden Aufholeffekt?

    Wo siehst du starke Anbieter für besonders derbe unterlassene Investitionen, die nach der langen Dürre auch noch stabil stehen?


    Mittlerweile interessiert mich die Branche auch wieder, aber ich bin nicht mehr auf dem Laufenden.

    Hmm das ist nicht so trivial. Kommt ein bisschen darauf an was Du willst.


    Im Grunde kannst Du auf der einen Ebene nach Produzenten und Service unterscheiden.

    Auf der anderen Ebene hast Du operativen und finanziellen Leverage.


    Produzenten hängen direkt am Ölpreis;

    Service hängt am Capex/Opex und indirekt am Ölpreis.

    Leverage kommt über Kostenstruktur (variabel oder fix?) und aus Verträgen bzw. Geschäftsmodell.


    Je höher der Leverage, desto mehr Risiko hast Du dass Deine Firmen einen längeren Downturn nicht überleben und/oder währenddessen Aktien ausgeben und dumme Sachen machen. Meine Unternehmen haben diese fünf Jahre überlebt weil sie 1) extrem wenig Leverage haben/hatten und 2) einen relativ hohen Anteil wiederkehrender Umsätze (soweit man das so nennen kann). Damit ist aber der operative Hebel auf den Kurs unterproportional.


    Bei Produzenten kenne ich mich nicht gut aus. Da muss man sehr ins Detail gehen wie die Zusammensetzung der Förderung ist, wie die Ressourcen sind und wie teuer diese zu fördern sind. Es gibt sowas wie einen standardisierten Buchwert (PV 10 genannt) - aber das ist auch nicht ganz trivial. Vor allem auch wie das Management tickt und wie sehr sie hedgen oder nicht hedgen. Bei den Förderern habe ich keine wirkliche Meinung/Idee.


    Beim Service gibts -> der "Größe" nach sortiert: Hier müsst ihr Euch selber raussuchen was sinnvoll ist. Das kommt total auf den Geschmack an.

    ("wann genau kommt die Erholung" (jetzt/später) und wo kommt sie am heftigsten (Offshore/Onshore)).


    Für den "Normalo" würde ich tatsächlich einen ETF mit einer bunten Mischung empfehlen - statt einzelne Werte. (bspw. Ishares US oil Equipment & Services)


    Schlumberger (hohe Verschuldung -> Offshore + Onshore - extrem breit aufgestellt)

    Baker Hughes (auch kräftige Verschuldung Offshore + Onshore)

    NOV (etwas Verschuldung -> fast nur Offshore)

    Helmerich & Payne (Auftrags Drilling -> wenig Verschuldung, viel operativer wumms)

    Transocean (Auftragsdrilling -> wesentlich offshore -> viel Verschuldung noch viel mehr wumms)

    Liberty Oilfield Service (Fracking / Onshore - die haben das Schlumberger Geschäft gekauft - interessanter CEO -> viel Wumms)

    Core Laboratories (Gesteins-Testing (sowas wie Bureau Veritas) super Geschäft - viel viel operativer Hebel)

    TGS -> Seismic Services (sehr variable Kostenstrukur/Keine schulden -> Offshore)

    PGS -> Seismic Services (sehr fixe Kostenstruktur -> viele Schulden -> Offshore)

    Computer Modelling Group (Offshore + Onshore -> Software) -> fixe Kostenstrukutr - keine Schulden

    DNOW -> Distributor von Komponenten -> Fixe Kostenstruktur

    DXP -> Distributor von Komponenten -> fixe Kostenstrukutr (putziger Eigentümer)

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klarman

  • Also Long Oil (Optionen) und schaufeln? TGS, Valaris etc.?

    Long oil auf jeden Fall.


    Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage wir sehen die 100 noch diesen Winter.


    Die Nachfrage steigt übrigens u.a. auch weil zunehmend Öl-Kraftwerke wieder Online kommen wg der hohen Kosten bei Gas und Kohle, und stark steigender Stromnachfrage.


    Das ist es was ich meine mit marginale Betrachtung.

    Langfristig tolle Sache auf EAutos umzustellen oder AKW stillzulegen, aber aktuell sorgt es einfach dazu dass das Kohle-KW kräftiger läuft oder ein Öl-KW ausgemottet wird. Das schreib ich nicht weil ich was gegen EAutos habe (nicht der Fall) oder Kernkraft toll finde (finde Erneuerbare besser), aber es ist nunmal die Realtität.


    Egal, bzgl Aktien long Öl also.

    Und am Besten long Öl in ungehedgten Produzenden, wie Matze schon sagt.

    Wo findet man da Übersichten dazu?


    Bei den Schaufeln ist halt die Frage ob die Investitionen wirklich kommen.

    Öl ist megaout, big money zieht sich da rasant zurück, also die fracker etc kommen nicht mehr so leicht an Cash wir früher - und langfristig investieren (zB in offshore) will doch auch keiner, wenn er nicht weiß ob er in 3 oder 5 Jahren noch pumpen darf.

    Normal also wäre TGS jetzt ein no-brainer, aber vor diesem Hintergrund echt schwierig. Muss man beobachten wie der Markt das sieht, der ist schlauer als wir. Also auf RS gucken....


    Wenn die Invests so gedrosselt bleiben könnte den Ölpreis durchaus auch RICHTIG hochrasen.

    200 und mehr.

    Für die Umwelt ja eigentlich was wir wollen, es würde dann ernsthaft zu demand destruction und Umdenken führen.

    Aber sozial wirds natürlich spannend/gefährlich.

    "Nicht Völker führen Kriege gegeneinander, sondern Regierungen führen Kriege gegeneinander"

    "If you act out of fear, anger, despair or suspicion - this will ruin everything." - Thich Nhat Hanh


  • Das ist es was ich mit einer geringen Eintrittswahrscheinlichkeit auch befürchte.

    So ein Schock wäre für die Märkte wirklich hässlich.


    Auf der anderen Seite ist es ziemlich unmöglich, dass die Ölpreise dann ohne Investitionen wieder runterkommen.
    Die Investitionen sind physisch bedingt. Ohne Investitionen kein Supply.

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  • Auf der anderen Seite ist es ziemlich unmöglich, dass die Ölpreise dann ohne Investitionen wieder runterkommen.
    Die Investitionen sind physisch bedingt. Ohne Investitionen kein Supply.

    Das ist nicht ganz richtig. Wenn die Iran Sanktionen wegfallen würden, gäbe es auch ohne große Investitionen (deutlich) mehr Angebot.

  • Das ist nicht ganz richtig. Wenn die Iran Sanktionen wegfallen würden, gäbe es auch ohne große Investitionen (deutlich) mehr Angebot.

    Aber auch wohl eine Sonderkonjunktur für Ausrüster. Das Equipment im Iran dürfte recht marode sein.

    “Investment is most intelligent when it is most businesslike.” -Benjamin Graham

  • Das ist nicht ganz richtig. Wenn die Iran Sanktionen wegfallen würden, gäbe es auch ohne große Investitionen (deutlich) mehr Angebot.

    Da gibt es unterschiedliche Ansichten. Der Iran produziert - soweit ich es verstehe - in den letzten Jahren weniger als 2 Mio. bpd. (von 100mn insgesamt)

    Durch die jahrzehntelangen Sanktionen ist die Industrie von vorne bis hinten durchgerottet.


    Die müssten wahrscheinlich erstmal sehr viel investieren um die Produktion zu verdoppeln.

    Da würde ich eher auf Saudi Arabien tippen die wahrscheinlich mehr könnten - wenn sie denn wollten. (Und auch da gibts 1000 Meinungen).


    Auf der Kehrseite dieser Medallie hast Du aber Probleme in der Golf-Region. Wenn es da zu irgendeinem "Fuck up" kommt - (Israel, Straße von Hormuz, strukturelle Themen im Ghawar Field) - dann fällt Dir ein strategischer Teil Supply weg - und dann hast Du das Risiko von Preisen von weit jenseits der 200 - weil wir dann einen gigantischen short-fall haben. Ich sage nicht, dass das irgendwie wahrscheinlich ist - nur dass es ein echtes Tail-Risiko darstellt.

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  • Der Ölpreis steht deutlich oberhalb des Niveaus von vor dem Corona-Schock, die meisten Ölaktien allerdings noch deutlich unter diesem Niveau.

    Man liest oft, daß Energieaktien in den inflationären 70er Jahren die beste Option waren. Galt das auch noch nach dem Ölpreisschock, als Öl bereits teuer war?

    „Wir haben die gesamte Führung fast aller Berliner Sicherheitsbehörden ausgetauscht und dort ziemlich gute Leute reingebracht." – Benedikt Lux, Grüne Berlin

  • Aber auch wohl eine Sonderkonjunktur für Ausrüster. Das Equipment im Iran dürfte recht marode sein.

    Naja, um die US-Sanktionen, hier das Embargo gegen Venezuela, zu brechen, ist das Equipment immer noch gut genug. Ist es nicht empörend? Statt sich verstohlen von der Erde ins Nirwana zu verdrücken, hilft ein Paria-Staat dem anderen, der wohlverdienten Strafe zu entgehen.

  • Da gibt es unterschiedliche Ansichten. Der Iran produziert - soweit ich es verstehe - in den letzten Jahren weniger als 2 Mio. bpd. (von 100mn insgesamt)

    Durch die jahrzehntelangen Sanktionen ist die Industrie von vorne bis hinten durchgerottet.

    Und da müsste man noch das abziehen was der iran bereits illegal an die Türkei, arabische Nachbarn und Schurkenstaaten liefert... ;-)


    Aber ja, einen gewissen relief würde ein Ende des Embargos bedeuten.

    Was man so hört rechnet der Markt damit übrigens schon halb und halb.

    Es wäre also bereits eine negative Überraschung wenn der Iran nicht wieder online kommt.


    Und dann wäre da noch Israel.

    Die wollen den Iran klein halten und drohen aktuell schon mal vorsorglich mit Krieg.

    Dann wäre Matzes Szenario da, und innert einer Woche steht Öl bei 200.


    Die Amis könnte damit vielleicht sogar leben, sie sind ja autark mittlerweile, und bringen grade ein Gesetz voran dass den Ölexport verbieten könnte in Notlagen.

    Die Russen würden sich die Hände reiben.

    Ökonomisch leidtragend wären China, Europa und Rest der Welt.


    Geopolitics in full swing also mal wieder.


    https://www.theguardian.com/co…ags-feet-on-nuclear-talks

    "Nicht Völker führen Kriege gegeneinander, sondern Regierungen führen Kriege gegeneinander"

    "If you act out of fear, anger, despair or suspicion - this will ruin everything." - Thich Nhat Hanh


  • Third Point ist bei Shell eingestiegen und sieht eine gewaltige Unterbewertung:


    https://www.bnnbloomberg.ca/ac…reak-up-company-1.1672870


    https://thirdpointlimited.com/…-Investor-Letter-TPIL.pdf

    When a management with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.


    W. B.


    Investment is most intelligent when it is most businesslike.


    B. G.

  • Ähh stehe ich gerade auf der Leitung?


    Ich habe gerade noch im Sommer einen Tarif für 5 Cent / KWh fix 24 Monate abgeschlossen (inkl. Bonus).

    Das ist auch das was allen Webseiten so als Schnitt für Deutschland angeben:

    https://www.bmwi.de/Redaktion/…spreise-bestandteile.html


    Wollte aus Spaß mal gegenchecken was die aktuellen Tarife machen – weil der Gaspreis ist ja gestiegen.

    Ich komme bei Verivox und Co auf keinen Vertrag mehr der unter 11,50 Cent pro KWh liegt?


    Kann das sein? Dass sich die Preise für Endkunden auch um +130% nach oben angepasst haben seit Sommer?

    Das ist in meinem Fall eine Belastung deutlich >150 Euro im Monat.


    Das muss doch MASSIV auf die Verbraucherstimmung durchschlagen, wenn das flächendeckend durchkommt?


    Edit: hatte nochmal nachgeschaut -> es waren 24 Monate Preisbindung

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    Edited 2 times, last by Matze ().

  • Ich komme bei Verivox und Co auf keinen Vertrag mehr der unter 11,50 Cent pro KWh liegt?


    Kann das sein?

    Hm, vielleicht sind die Einstellungen nicht optimal.


    Ich lande aktuell bei 6-7ct/kWh.

    Im Juni hatte ich per August zu 5ct abgeschlossen wie du. Mit Preisgarantie.


    Auswahl bei Verivox testweise mit 15000 und 25000 kWh

    Preisgarantie mind 12 Monate, Laufzeit bis 24Monate, keinerlei Boni, inkl. ohne direkte Wechselmöglichkeit,


    -> Stadtwerke Münster

    -> EWE

    und einige weitere in dem Preisbereich

  • Nee

    1) ohne Boni gerechnet.

    2) leider liege ich bei über 25' kw weil meine Familie es leider gerne zu warm hat :-D -> und ich glaube je größer der Verbrauch desto höher die pro KW Kosten.

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  • Ich hab das heute morgen im Radio auch gehört, irgendeine Verbraucherschützerin empfahl den Grundversorgungstarif, weil der am günstigsten sei. Ich bin auch Tarifhopper und der Vertrag läuft noch bis 6.3. Bei mir ist es genauso, auch mit 25.000 kWh: der Grundversorger ist am billigsten (allerdings mit der Warnung: "Achtung: Preiserhöhung erwartet", aber man hat ja 14tägiges Kündigungsrecht), aber dennoch 86% teurer als letztes Jahr (damals inkl. Bonus). Der wird bei Verivox nicht einmal angezeigt - toller Preisvergleich! -, bei Check24 schon. Die Verträge mit kürzerer Kündigungsfrist sind nochmals teurer.


    Matze : Aber dafür kann das neue iPhone ja sooo viel mehr, das gleicht es aus!

    „Wir haben die gesamte Führung fast aller Berliner Sicherheitsbehörden ausgetauscht und dort ziemlich gute Leute reingebracht." – Benedikt Lux, Grüne Berlin

  • Nee

    1) ohne Boni gerechnet.

    2) leider liege ich bei über 25' kw

    Wieso nee?

    Tarif ohne Boni mit 25 T-KWh und Preisgarantie

    Ergebnis: 7 ct/kWh z.B


    Wie kommst du da auf 11,5ct/kWh

    Wöglicherweise hast du im Filter nicht rausgenommen: "Direkte Wechselmöglichkeit"

    :-)

  • HAH! das ist es! DANKE!

    Die direkte Wechselmöglichkeit!

    Sorry das hatte ich nicht gesehen -> warum ist das denn vor-eingestellt.


    Check 24 gibts den Haken nicht.


    Meine Fresse ist das ärgerlich - da machen die Portale auf einmal gar keinen Sinn mehr ||

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