• Vor kurzem war ich als NICHT-BWL'ler in der Abschiedsvorlesung von Professor Ballwieser (LMU München) zum Thema "Warum es (noch immer) lohnt, über Gewinnermittlung nachzudenken":
    http://www.bwl.uni-muenchen.de…ag_abschiedsvorlesung.pdf


    Vortragsstil und -inhalt fand ich so interessant und überhaupt nicht "trocken", sodass ich Lust bekommen habe mich etwas stärker mit dem Thema Accounting (Rechnungslegung) zu beschäftigen.


    Außerdem lass ich vor kurzem den Vortrag von Charles T. Munger "The Great Financial Scandal of 2003" den er im Sommer 2000 gehalten hatte und der die ausufernde Bezahlung der Mitarbeiter mit Aktienoptionen zuspitzt. Da fragte ich mich natürlich, wie hat sich die Rechnungslegung eigentlich nach der DOT.com Blase diesbezüglich verändert und musste feststellen, dass ich keine Ahnung hatte.


    Aus diesem Unwissen heraus eröffne ich hier nun den Thread über "Accounting" in der Hoffnung durch interessante Links, Literatur-Empfehlungen, Diskussionen dazuzulernen.

    First focus on risk, before focus on return! (Seth Klarman)

  • Folien zur Vorlesung "Transaktionsbezogene Unternehmensbewertung" (im Link ganz unten)
    http://www.rwp.bwl.uni-muenche…s14/aders_ss14/index.html


    Interessant finde ich z.B. Folie 68 aus der ersten Vorlesung wo er vier verschiedene DCF Ansätze auf ein Blatt bringt und zeigt, dass bei manchen Ansätzen z.B. der Steuervorteil des FK dediziert ausgewiesen und somit transparent ist und bei anderen wie z.B. dem WACC verpackt ist.


    Zur Vorlesung empfiehlt der Dozent folgende Literatur:
    - Koller, Tim/Goedhart, Marc/Wessels, David (2010),Valuation: Measuring and Managing the Value of Companies, 5. Aufl., Hoboken.
    - Rosenbaum, Joshua/Pearl, Joshua (2013), Investment Banking: Valuation, Leveraged Buyouts, and Mergers & Acquisitions, 2. Aufl., Hoboken.

    First focus on risk, before focus on return! (Seth Klarman)

  • Ich bin nicht sicher, ob das der richtige Thread ist, aber hat jemand eine Idee, wie man sich dem Thema Financial Analysis von Versicherungsunternehmen nähern kann?


    Ich würde gern einige Basics zum Accounting in dieser Branche lernen.

  • Ich habe einige Jahre als Controller bei einem Industrieversicherer gearbeitet. Die Hauptschwierigkeit ist die kaum machbare Einschätzung als Externer, ob die Rückstellungen für Schäden und alle anderen lustigen Rückstellungen, ausreichend - zu hoch oder zu niedrig angesetzt sind. Mein persönlicher Schluss als Anleger daraus ist, dass ich die Finger von Versicherungaktien lasse. Am ehesten kann man unterschiedliche (vergleichbare) Versicherer vergleichen oder sich die langfristige Entwicklung ansehen.
    Aber das ist natürlich ein stark vereinfachter Investmentansatz. ;-)

  • Ich gehe da absolut mit best_choice konform.


    Ein weiterer Ansatz ist es sich Incentive-Strukturen und Risiko-Kultur näher anzuschauen. Das erfordert aber viel Fingerspitzengefühl und ein gutes Verständnis der Branche.


    ich halte es daher grundsätzlich ähnlich: ich kaufe keine Versicherungen :-)

    Value investing is at its core the marriage of a contrarian streak and a calculator - Seth Klaman

  • Grundsätzlich stimme ich der Skepsis zu Versicherungen zu.
    Falls du wirklich Interesse an dem Thema hast, David J. Merkel vom Aleph Blog hat einiges zu denen geschrieben. Warnung: er hat sehr viel zu dem Thema geschrieben, er war Aktuar und ist jetzt Investor.


    http://alephblog.com/?s=%22On+Insurance+Investing%22 (7 Teilige Serie zum Einstieg)


    http://alephblog.com/category/insurance/ (alle Posts zu Versicherungen)

    beati pauperes spiritu


    If you think this has a happy ending, you haven't been paying attention.

  • Wenn man sich für Versicherungen interessiert, sollte man sich den Klassiker besorgen:




    Wie bei so vielen Dingen bieten sich natürlich immer dann gute Chancen, wenn sich keiner an die Sachen ran traut. Ich persönlich finde den Sektor momentan mit im interessantesten.


    Edit: Vielleicht noch zur Erklärung: M.E. ist ein reiner Autoversicherer ein recht einfaches Geschäft, am anderen Ende der Skala stehen Deutsche Lebensversicherer, das ist extrem komplex.

  • Nur zum besseren Verständnis der Grundlagen: Nehmen wir eine Autoversicherungspolice mit zwei Jahren Laufzeit.
    Prämie pro Jahr EUR 100
    Gezahlt wird bei Abschluss für beide Jahre im Voraus, d.h. EUR 200


    Die Buchung am Ende des ersten Jahres müsste lauten: Kasse an Umsatz 100
    Kasse an Passive Erlösabgrenzung (Deferred Revenue) 100


    Wie wird jetzt mit Schäden umgegangen?
    Bildet der Versicherer umgehend eine Reserve für mögliche Schadensereignisse (basierend auf der erwarteten Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts multipliziert mit der durchschnittlichen Schadenshöhe)?


    Beispiel: Schadenseintrittswahrscheinlichkeit 50%, erwarteter Schaden EUR 100
    Buchungssatz: Aufwendungen für Reserven an Reserven EUR 50


    Im vorliegenden Fall würde der Versicherer im ersten Jahr einen Umsatz iHv EUR 100 ausweisen.
    Im zweiten Jahr würde er ebenfalls einen Umsatz von EUR 100 ausweisen.


    Wenn es im zweiten Jahr einen Schaden von EUR 50 gibt, ist der Bruttogewinn im ersten Jahr EUR 50 (Umsatz EUR 100 – Reservenzuweisung EUR 50) und im zweiten Jahr EUR 100.
    Wenn es in beiden Jahren keinen Schaden gibt, ist der Bruttogewinn im ersten Jahr EUR 50 und im zweiten Jahr EUR 150 (davon EUR 50 aus Auflösung der Reserven).


    Ist das so grundsätzlich richtig?

  • Passt am besten zu Accounting "Tricks" (auch wenn es vermutlich legal ist und auch in den Fussnoten erläutert wird)


    http://www.wsj.com/articles/is…od-as-it-seems-1441039542


    Quote

    It reported second-quarter revenue of $91.4 million on Aug. 4, up 14% from a year earlier. A note within its quarterly filing explained, though, that $10.8 million was “nonmonetary” revenue. Exclude that, and comScore’s revenue would have grown only 3%.


    Nonmonetary revenue... Man lernt nicht aus. Kennt jemand noch andere Beispiele für sowas? Wo Umsatz sehr im Auge des Betrachters liegt und mehr auf Schätzungen beruht?


    Quote

    Nonmonetary revenue is financialspeak to say comScore booked revenue from barter agreements where actual cash wouldn’t be changing hands. In this case, it was for the exchange of data with other companies.


    Quote

    About 20% of the nonmonetary revenue in the second quarter came via a related-party transaction. ComScore didn’t reveal the identity of the company involved.


    Klingt solide ;)

    beati pauperes spiritu


    If you think this has a happy ending, you haven't been paying attention.

  • Verluste verkaufen?


    Quote

    The New Jersey Technology Business Tax Certificate Transfer Program enables approved Technology and Biotechnology Businesses with Net Operating Losses to sell their Unused Net Operating Loss Carryover (NOL) and Unused Research and Development Tax Credits (R&D Tax Credits) for at least 80% of the value of the tax benefits to a profitable corporate taxpayer in the State of New Jersey that is not an Affiliated Business. This allows Technology and Biotechnology Businesses with Net Operating Losses to turn their tax losses and credits into cash to buy equipment or facilities, or for other Allowable Expenditures. The New Jersey Economic Development Authority (NJEDA) determines eligibility, and the New Jersey Division of Taxation determines the value of the tax benefits (NOL and R&D Tax Credits).

  • IFRS 16 Leases kommt zum 1.1.2019
    http://archive.ifrs.org/Curren…act-sheet-January2016.pdf


    Ein paar Fakten:
    "The biggest change introduced by the new Standard is that leases will be brought onto companies’ balance sheets, increasing the visibility of their assets and liabilities."

    "... analysis of some retailers that have gone into reorganisation/liquidation shows that the value of off balance sheet leases was almost 66 times the value of on balance sheet debt."


    "Some industry sectors will be more affected by the new Standard than others:
    - airlines, retailers and travel/leisure are expected to be most affected
    - future payments of off balance sheet leases in these industry sectors equate to almost 30 per cent of the total assets (on average)."


    http://archive.ifrs.org/Alerts…to-the-balance-sheet.aspx
    "Listed companies using IFRS Standards or US GAAP are estimated to have around US$3.3 trillion of lease commitments; over 85 per cent of which do not appear on their balance sheets*. That is because leases to date have been categorised as either ‘finance leases’ (which are reported on the balance sheet) or ‘operating leases’ (which are disclosed only in the notes to the financial statements).
    This somewhat arbitrary distinction made it difficult for investors to compare companies. It also meant that investors and others had to estimate the effects of a company’s off balance sheet lease obligations, which in practice often led to overestimating the liabilities arising from those obligations. IFRS 16 solves this problem by requiring all leases to be reported on a company’s balance sheet as assets and liabilities."


    http://archive.ifrs.org/Curren…RS_16_project-summary.pdf

  • Für Freunde der Erst- und Rückversicherungsaktien mal ein kleiner Hinweis auf die zuküftigen Bilanzieringsstadards IFRS 9 und IFRS 17.


    insbesondere IFRS 9 wird zu einigen interessante Effekten führen:


    https://www.boeckler.de/pdf/mbf_ifrs_standards_ifrs9_neu.pdf


    Kurz geasgt konnten Versicher bislang Aktien gut zur Gewinnsteuerung verwenden. Solange die Aktien im Bestand waren, sind Kursveränderungen gegen das Eigenkapital gebucht worden (erfolgsneutral), erst bei verkauf wurde dann das Egebnis gezeigt. Für die GEwinnsteuerung ideal, da man Aktien im Minus einfach behält und nur Aktien verkauft die im Plus sind.


    Das wird sich zukünftig ändern. Entweder werden zukünftig die Kursveränderung komplett durch die P&L gezogen oder man darf gar keine Realisierungen mehr machen.


    Dadurch werden Aktien deutlich unattraktiver für Versicherer und auch die gezeigten Kapitalanlageergebnisse der Erst und Rückversicherer dürften niedriger ausfallen. Meine persönliche Schätzung wäre dass das je nach Adresse bis zu 30% des Gesamtergebnisses ausmachen kann.


    MMI